Porträt Christoph Burger
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10.09.2014 Karriereplanung

Berufswahl: 7 Mythen und 3 Tipps. Teil 5: Eine geniale Idee – der Rest ist egal

Zuweilen verblüffen junge Leute mit erstaunlichem Selbstvertrauen: „Ich habe eine geniale Idee und werde damit meine Zukunft sichern. Ich werde sehr reich. Du wirst schon sehen!“ Sind Karrieren wie die von Bill Gates oder der Google-Gründer nicht Beleg genug für den Realitätsgehalt solcher Pläne?

Bill Gates – die Geburt einer Karriere

Vor einigen Jahren veröffentlichte der berühmte Sachbuchautor Malcolm Gladwell das lesenswerte Buch „Überflieger„. Er geht darin der Frage nach, welches Erfolgsgeheimnis u.a. die sensationelle Karriere von Bill Gates erklärt. Deutlich – und überraschend – sind folgende drei Faktoren. Erstens braucht es zur Fertigkeit, die Gates im Programmieren entwickelte, circa 10.000 Übungsstunden – schon als Schüler arbeitete er wie ein Besessener am Computer. Zweitens hatte er genau, als er es brauchte, Zugang zu einem Rechner – damals eine sehr schwer zu erfüllende Bedingung. Er nutzte u.a. die Nachtstunden in einer Universität – zwischen 3 und 6 Uhr waren die dortigen Geräte frei. Drittens war er, als die Computer-Revolution begann, genau im richtigen Alter. Etwas älter und er hätte bereits einen Job gehabt. Etwas jünger und er wäre noch Kind gewesen. Andere Computer-Milliardäre dieser Generation sind deshalb ziemlich genauso alt, wie Bill Gates, beispielsweise Steve Jobs von Apple.

Auch Ölbarone waren genau im richtigen Alter am richtigen Ort und besonders fleißig – dieses Muster zieht sich durch. Nun die Frage an die heutigen Abiturienten: Was ist DER Markt der Zukunft? In welchem Feld lohnt es heute, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen? (Wer die Antwort sicher weiß – bitte bei mir melden … 😉

Soll heißen: Das weiß eher niemand, es ist nicht vorhersehbar. Auch Gates wollte damals nicht planmäßig reich werden, sondern war schlicht computerverrückt. Erst im Rückblick wirkt so eine Karriere nachvollziehbar und schlüssig. Leben müssen wir aber immer in die ungewisse Zukunft hinein.

Thomas Alva Edison war Verkäufer seiner Erfindungen

Der wohl berühmteste Erfinder der Erde war Thomas Alva Edison. Unsere halbe technische Zivilisation geht auf ihn zurück. Verkürzt betrachtet erscheint es nun so, dass Edison einfach einige geniale Ideen hatte. Eine andere Interpretation trifft eher zu: Er hatte vor allem das Talent, seine Erfindungen zu vermarkten.

Stellen Sie sich vor, Sie erfinden die Glühbirne. Wow, ein Patent auf Reichtum, quasi ein Goldesel? Erst einmal nicht. Denn niemand hatte 1880 elektrischen Strom! Alle kommen mit anderen Leuchtquellen gut zurecht und fragen sich, wozu eine teure Glühbirne, wo doch nirgends elektrischer Strom verfügbar ist.

Oder Sie erfinden wie Konrad Zuse den Computer. DEN COMPUTER!!! Also DIE geniale Erfindung, die Grundlage unserer Zeit – das muss doch wirklich die Lizenz zum Gelddrucken gewesen sein?!? Eher weniger. Zuses Rechner war zimmmergroß und konnte so „viel“ wie ein heutiger Billig-Taschenrechner für 5 Euro.

Fleiß + Ausbildung + Idee = Erfolg

Ideen sind abhängig vom Wissen, das man schon hat. Innovation entsteht dadurch, dass vorhandenes Wissen neu kombiniert wird (dazu: 5 Irrtümer, die Kreativität betreffend). In vielen Fällen ist das so vorstellbar, dass man sich zunächst mittels Studium und Promotion mit den Grundlagen beginnend bis zum aktuellen Forschungsstand vorarbeitet. Dort angekommen folgt die eigene Forschung, die dann wirklich Neues hervorbringt. Dagegen: Tagsüber Fernsehen, abends in die Disco und dann, dazwischen, eines Nachmittags im Sessel chillend, DIE Idee der Zukunft zu gebären … das wird sehr, sehr, sehr selten funktionieren.

Selbstverständlich will ich kommenden Edisons, Zuses und Daimlers keinesfalls ihr Gefühl der Genialität ausreden. Wir wären allesamt verloren, würde das geschehen. Aus Profitgründen haben wir Menschen viel zu viele Ideen in die Welt gesetzt (Schadstoffe, eine Abfallberge produzierende Wirtschaft etc.) und bedürfen in der Zukunft dringend schlauer Erfindungen, um die ganzen Probleme wenigstens teilweise wieder einzufangen. Allerdings die Wahrscheinlichkeit, selbst so eine noch schlummernde künftige Ikone der Wissenschaft zu sein, ist überschaubar. Sicherer ist es schon, erstmal eine vernünftige Ausbildung zu machen. Übrigens, der Vollständigkeit halber: Edison war Autodidakt, Zuse Ingenieur.

Fazit: Geniale Ideen gründen meist auf einer soliden Ausbildung

Den meisten genialen Ideen ging ein gründliches Studium voraus. Die Idee ersetzt daher nicht die Ausbildung.

Lesen sie dazu die weiteren Teile dieser Serie. Die Mythen:

1) Die Berufswahl bestimmt das Gehalt
2) Bei der Berufswahl kann man sich Zeit lassen
3) Ohne Zeitverlust Durchstarten ist am besten
4) Die Eltern sind gute Ratgeber
5) Eine geniale Geschäftsidee und der Rest ist egal
6) Erstmal Nicht-Entscheiden ist cool
7) Geld brauche ich wenig

Die Tipps



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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