Bewerbungen: Kluges Netzwerken statt Absagen-Frust

Unternehmen mögen es eigentlich gar nicht, Absagen zu verschicken. Tatsächlich könnten sie etwas viel besseres tun. Dieser Blogpost ist wie die folgenden Posts motiviert durch Martin Gaedts Buch „Mythos Fachkräftemangel“.

Viel Personalauswahl und am Ende Frust

Staufenbiel befragte in der Studie „JobTrends Deutschland“ 250 Unternehmen nach ihren Bewerbungsverfahren. Im Jahr 2012 gingen in diesen Unternehmen über 180.000 Bewerbungen ein. 24.000 Kandidaten erhielten eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. 5.200 Fachkräfte wurden eingestellt. Das bedeutet: 18.800 der eingeladenen Bewerber erhielten eine Absage nach Vorstellungsgespräch. Eigentlich geeignete Kandidaten müssen aussortiert werden, da die Stelle nur einmal besetzt werden kann. Sie bekommen einen Absagebrief, in aller Regel ein unpersönliches Standard-Schreiben, wie es heute üblich ist, um sich vor rechtlichen Konsequenzen zu schützen.

Zweierlei ist daran negativ und trägt dazu bei, das Fachkräfteproblem zu vergrößern. Erstens: Die Mühe, die sich die Unternehmen mit der Vorauswahl gemacht haben, bleibt ungenutzt. 180.000 Bewerbungen wurden gesichtet, um dann 24.000 Vorstellungsgespräche zu führen. Das erfordert einen erheblichen Einsatz an Zeit und Geld. Zweitens: Am Ende werden fast 19.000 eigentlich gute Bewerber per Absage frustriert. Bewerber, die wenig erfreut sein werden und in vielen Fällen anderen von ihren schlechten Erfahrungen mit diesem Unternehmen berichten.

So wirken Absagen positiv

Die Lösung für diese Probleme fanden Martin Gaedt mit seinem Unternehmen younect und der VME (Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg). Gemeinsam gründeten sie 2010 unter dem Namen „Personect“ – heute “Cleverheads” – dazu ein neues Unternehmen. Die Idee: Geeignete aber abgesagte Bewerber werden in einen Talentpool aufgenommen – mit persönlicher Empfehlung des Unternehmens, das sie letztlich mangels Stelle nicht beschäftigen konnte. Der Aufwand bei der Personalauswahl wird genutzt und Absagen-Frust vermieden.

Insgesamt zählt Martin Gaedt sogar sechs verschiedene Seiten zu den Gewinnern dieses Verfahrens: Der Bewerber, der trotz Absage noch eine Stelle findet. Das Unternehmen, das Fachkräfte weiter empfiehlt, da es Bewerber nicht mehr wie früher frustrieren muss. Das Unternehmen, das die zuvor abgesagten Fachkräfte einstellen kann, denn es erhält vorausgewählte gute Leute und kann seine Stellen besetzen. Das Netzwerk (z.B. ein Regionalverband) das zur Personalgewinnung ein einfaches Tool anbietet. Bildungseinrichtungen, die Mitglied werden und damit ihren guten Ruf steigern können. Die Region, die durch die Fachkräfte Steuern einnimmt, außerdem Konsumausgaben generiert und ihre Infrastruktur stärken kann. Das kommt wiederum allen Arbeitgebern und Einwohnern zugute.

Eine typische Kooperationsidee (siehe auch Blogpost zur Kooperation, Interview dazu mit Svenja Hofert). In Goslar und Coburg machen jeweils schon über 50 Unternehmen mit. Wenn ihre Bewerberempfehlungen zum Erfolg führen, können Sie sogar einen Teil ihrer Recruiting-Kosten zurückbekommen, wie mir Martin Gaedt schrieb.

Sein Buch „Mythos Fachkräftemangel“ habe ich auf amazon positiv rezensiert. Es schildert zahlreiche interessante Fakten zu einem Zustand, den man vermeiden könnte. Wie das geht, erklärt der Autor im zweiten Teil des Buches.

Am Freitag lesen Sie auf diesem Blog noch viel mehr gute Ideen: Die Top Ten der besten Lösungen gegen den Fachkräftemangel.
Davor schildere ich,  wieso die Arbeitsagentur nicht zum Jobvermitteln kommt, ein paar Zahlen und Überlegungen zum aktive Sourcing und ein Grundproblem jeglichen Employer Brandings. Sie lesen daher diese Woche jeden Tag einen neuen Post.

 

Der Autor: Dipl.-Psych. Christoph Burger ist autorisierter Fachberater des ESF-Programms unternehmensWert: Mensch . Dies bedeutet, dass Sie mit Ihrem Unternehmen für Beratungen gegen Ihren Fachkräftemangel gewöhnlich nur 20 % der Kosten selbst tragen.

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