Bewerbungsratgeber sind out

„Herr Burger, warum schreiben Sie keinen Bewerbungsratgeber?“ Der Grund ist einfach: Ich glaube, Bewerbungsratgeber sind out. Auch wenn sie sich momentan noch verkaufen wie warme Semmeln.

Bewerbungsratgeber-Autor: Der Job läge nahe

Seit 18 Jahren bin ich berufstätig und seither habe ich mit Bewerbungen zu tun. Ferner schreibe ich leidenschaftlich gerne – selbst. Was läge also näher, als in den immer noch boomenden Markt für Bewerbungsratgeber einzusteigen? Zugegeben, den Gedanke hatte ich die letzten Jahre schon öfter. Wenn ich außerdem die Qualität beobachte, die Bewerbungsratgeber haben, könnte ich hier durchaus etwas beitragen. Aber für mich, so habe ich immer wieder entschieden, sind diese Ratgeber nicht mehr zeitgemäß.

Bücherflut eindämmen

Wie für alle Märkte in unserem Wirtschaftssystem gilt auch für den Büchermarkt: Allzu häufig wird gemacht, was sich verkauft. Wenn ein TV-bekanntes IT-Girl nichts aus ihrem Leben zu erzählen hat, wird daraus ein Buch gemacht. Weil es sich verkauft. Eigentlich sollte es umgekehrt sein und die meisten Leute denken, es wäre so: Jemand hat etwas zu sagen und macht deshalb ein Buch. Und weil die Leser interessantes Futter bekommen, kaufen sie sich das Druckwerk. So ist es aber nicht, sondern umgekehrt. Ein richtiges IT-Girl mit ordentlich TV-Präsenz zieht tausende potentielle Buchkäufer an. Den Rest machen ein cleverer Verlag und ein Ghostwriter. Die wirtschaftlichen Realitäten prägen eben die Verlagsarbeit. Verlage sind Unternehmen, die Gewinn erwirtschaften müssen und andernfalls pleite gingen. Schön ist das nicht – aber Realität.

Persönlich kann allerdings jedermensch wählen, wie er sich verhält. Ein IT-Girl könnte sich dagegen entscheiden, auch noch per Buch nichts zu sagen. Und Herr Burger darf sich dagegen entscheiden, einem sehr vollen Büchermarkt über Bewerbungen ein weiteres Werk hinzu zu fügen.

Bewerbungsberatung gehört in die individuelle Karriereberatung

Bücher können immer nur Pauschalrezepte verbreiten. So es sie noch nicht gibt, ist das interessant. Beispielsweise habe ich mit dem Zornkönig für Privatpersonen und mit Change für Unternehmen einen neuen Blick auf das Thema Ärger (im Unternehmen) angeboten. Das war und ist sinnvoll.

Pauschalrezepte sind beim Thema „Bewerbungen“ für den ersten Schritt und für „Standard-Bewerber“ okay. Entscheidend ist aber bei den meisten die persönlich zugeschnittene individuelle Bewerbung. Wer will nicht Unterlagen, die wirklich zur Person passen? Und wer kann schon selbst richtig gut sein Anschreiben texten? Bewerbungsberatung gehört in professionelle Hände, die die individuelle Qualität in jedem Einzelfall gewährleisten.

Bewerbungsratgeber sind ein Zeitphänomen und werden bald überflüssig

Wie ich hier dargestellt habe, entstanden die ersten Bewerbungsratgeber mit dem Aufkommen der Arbeitslosigkeit – nicht früher. Okay, seither boomen sie. Es gibt regelrechte Ratgeber-Fabriken. Aber das sogenannte „Erwerbspersonenpotential“ geht zurück. Nach Prognosen des IAB (ebenfalls hier) 2011 schwindet spätestens in diesem Jahr die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte deutlich. Nach neuesten Zahlen (hier) verzögert sich der Einstieg in diese Entwicklung etwas, denn es kamen zuletzt mit 140 Tsd. überraschend viele Menschen im Erwerbsalter zu uns. Aber die Entwicklung wurde nur verschoben – der demografische Wandel ist unerbittlich.

Durch ihn wird es immer mehr und mehr Luft auf dem Arbeitsmarkt geben. Der Fachkräftemangel ist dabei relativ. Sie können ihn begreifen, wenn Sie sich einen Teppich vorstellen, der unterschiedlich stark abgelaufen wird (mehr dazu hier). Für marktgerecht gut ausgebildete Fachkräfte gilt jedoch ab heute immer öfter: Sie brauchen keine optimal gestalteten Bewerbungsunterlagen, die vielleicht ein paar Nuancen gegenüber anderen Arbeitssuchenden heraus holen können. Sie müssen auch nicht per Initiativbewerbungen hinter den Unternehmen herlaufen (was seit Richard Nelson Bolles als heißer Tipp für Bewerber gilt). Sie können sich ihre Ziele selbst wählen und mit der richtigen Strategie auf dem Arbeitsmarkt verwirklichen. Sie können Charakter zeigen – weshalb ich genau dazu ein Buch schrieb.

Fazit: Der richtige Job entscheidet über die persönliche Zukunft

Bewerbungsratgeber sind also aus drei Gründen out. Erstens gibt es genug Bücher mit leidlich brauchbaren Tipps. Radikal Neues entsteht längst nicht in der Schlagzahl, in der immer weitere Ratgeber nachgeschoben werden. Zweitens: Alle individuelle Bewerbungsgestaltung gehört in die persönliche Karriereberatung. Ratgeber können nur Pauschal-Tipps bieten. Bewerbungen müssen jedoch dringend zur Person passen. Diese Aufgabe bleibt auch dann, wenn es im Prinzip genug Stellen gibt. Drittens: Bewerbungsratgeber sind rückwärtsgewandt. Der Megatrend Demografie wird sie überrollen. In Zukunft wird es unnötig werden, sich als Bewerber per Gestaltungsdetails in Millimeter-Entscheidungen durchzusetzen. Es geht nicht mehr darum, irgendeinen Job zu finden, sondern den richtigen.

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