Wer sind die Propheten des modernen Karrieregottes und wer seine Jünger?

Welchem modernen Bibel-Nachfolger entstammt dieses Zitat? Raten Sie mit!

„Wenn Sie den im Folgenden beschriebenen Weg gehen, werden Sie den Sinn und das Ziel Ihres Lebens finden. Sie werden sich innerlich und äußerlich verändern. Sie werden von anderen Menschen angesprochen werden, warum Sie so glücklich aussehen. Sie werden neue Kontinente in sich entdecken. Ihnen werden Kräfte zuwachsen, von denen Sie keine Ahnung hatten. Sie werden einen Grad an körperlicher Zufriedenheit haben, den Sie noch nicht kannten. Sie werden materiell besser stehen. Genau die Menge Geld zu haben, die Sie brauchen, ist ein selbstverständliches Nebenprodukt… Sie werden von Ihren Mitmenschen geschätzt und geliebt werden, und Sie werden sich in sich selbst wohl fühlen.“

Nun sind Sie dran! Woher stammt das Zitat? Fairerweise biete ich Ihnen 6 Möglichkeiten an.

a) Scientology-Grundlagenwerk von L. Ron Hubbard („Der Weg zum Glücklichsein“)
b) Parteiprogramm der Bibeltreuen Christen
c) Werbebroschüre des Allgemeinen Wirtschaftsdienstes AWD
d) Millionenseller eines hochanerkannten Professors
e) ein zu recht unbekannt gebliebener Erfolgsratgeber
f) der Text ist frei erfunden

Zugegeben, die Wahlmöglichkeiten liegen eng beieinander. Aus dem Rahmen fällt eigentlich nur die Option d, oder? Alle anderen Möglichkeiten liegen nah beim Verdacht, dass hier ganz offensichtlich etwas versprochen wird, was keinesfalls zu halten ist. Das Lesen eines Buches soll das Leben in Richtung Glück und Erfolg drehen?! Ein derart leeres Versprechen passt nicht in ein seriöses, anerkanntes Umfeld. Oder ist doch möglich, was hier angekündigt wird?

Glück durch Lesen?!

Wollen Sie diese Frage näher erforschen, lesen Sie das Buch „Glückslügen“ des Therapeuten, Autors und Psychologen Michael Mary. Er fand heraus, dass Erfolgsratgeber oft einem bestimmten Muster folgen. Häufig werden sie mit einer Erfolgssaga verbunden. Der Autor steht meist im Mittelpunkt der Geschichte. Ein Erweckungserlebnis oder eine geheimnisumwitterte Methode sorgte dafür, dass er quasi in ein neues Leben katapultiert wurde. Freigiebig macht er sich nun daran, sein Erfolgswissen an andere weiter zu geben. Wer sehnt sich nicht nach einem fundamentalen Neustart? Im letzten Artikel hatte ich beschrieben, wie wir alle heute umgeben sind vom Glück anderer. Wie wir alle Grund zum Neid und deshalb Trost nötig haben. Deshalb ziehen uns Storys von Menschen magisch an, deren Leben mit einem Schlag stahlend glücklich wurde.

Mary weist jedoch nach, dass in der Biographie der Autoren solcher Storys schon lange der Umschwung schlummerte. Der radikale Neustart war nur möglich, weil er längst vorbereitet war. Er ist deshalb leider nicht vom Autor auf die Leser übertragbar – mit welcher Methode auch immer. Die Veränderungsforschung erklärt, wie solche scheinbar plötzlichen 180-Grad-Wenden im Verborgenen beginnen. Zunächst werden Informationen anders wahrgenommen. Beispiel: Sie nehmen plötzlich zur Kenntnis, wie schlecht ihr Unternehmen da steht – obwohl das an sich nichts Neues ist. Dann reift langsam ein Entschluss heran. Sie sammeln nun gezielt Informationen über Ihr Unternehmen. Und dann checken Sie auch den Stellenmarkt. Erst danach wird die Veränderung äußerlich sichtbar: Sie bewerben sich! Wie hartnäckig alte Gewohnheiten sind, zeigen Versuche, das Rauchen oder Trinken sein zu lassen, weniger zu Essen oder mehr Sport zu treiben. Nicht umsonst versetzt uns in Staunen, wer dergleichen lässig schafft. Doch auch in diesen Fällen ist die Vorgeschichte in der Regel lang. Vielleicht zündet tatsächlich einmal ein einzelnes Buch. Aber das Holz für Ihr Veränderungs-Feuerwerk haben Sie schon lange davor zusammen getragen.

Prophet und Jünger

Der Autor unseres Wundertextes und kleinen Ratespiels, ist tatsächlich kein Scientologe, kein Mitglied einer etwas der Zeit entrückten religiösen Partei, kein geschickter Finanzdienstleister und weder unbekannt, noch erfunden. Nein, die Anerkennung des Autors können Sie sich auf der Zunge zergehen lassen: Wirtschaftsprofessor, Dozent der Universität St. Gallen und einer der bekanntesten Köpfe der Trainer- und Speakerszene.Das also ist jener Prophet des Karrieregottes.

Aber wer sind seine zahllosen Jünger? Ich vermute fast, Sie selbst gehören dazu! Ich zähle auch zu den Lesern und Käufern des Buches – ebenso wie über eine Million anderer Deutscher / Österreicher / Schweizer und einer weiteren Million Menschen in 30 anderen Ländern, die eine Übersetzung ihr eigen nennen. Und das ist doch interessant: Warum fliegen wir alle auf dieses Manna? Dieses „Opium fürs Volk“, wie ich es im letzten Artikel nannte?

Das Geheimnis der großen Wirkung der Erfolgs-Gurus ist: Sie sind attraktiv, weil sie das Paradies auf Erden versprechen. Ihre Rezepte sind charmant, weil sie bequem sind.  Nicht weil sie funktionieren! Oder, wenn Sie so wollen: Unser Gehirn ist schuld! Die Kombination aus Heldensaga und Einfachst-Rezept wirkt dort wie eine Droge. Aber unser Gehirn zieht uns auch magisch zu MC Donalds, obwohl uns das Essen dort gewiss nicht bekommt. Daher: Wenn Sie mir folgen wollen, nehme ich Sie lieber dorthin mit, wo es nicht ganz so betörend duftet und Ihnen keine gebratenen Tauben ins Maul fliegen. Dafür gibt es den Ort wirklich, zu dem ich Sie hinführe. Ihre Karriere verläuft befriedigend und wenn Sie wollen, ohne Schleimspur.

Und was die modernen Erfolgsgurus angeht: Glauben Sie ihnen nicht! Gehen Sie ihnen nicht auf den Leim! Und zeigen Sie nicht nur auf sie, sondern fassen Sie sich auch an die eigene Nase! Mit obigem Text – der stellvertretend für andere, ähnliche steht – dürfte meine These des letzten Beitrags belegt sein, dass die modernen Erfolgsgurus die legitimen weltlichen Nachfolger der Kirchenmänner sind. Deren Part, uns mit religiösen Botschaften still zu halten in einem oft ungerechten Erdenleben, haben die (meisten) Speaker und Erfolgspropheten glorreich übernommen.

Gewinnen Sie!

Raten Sie nun mit und gewinnen Sie: Nennen Sie Autor und Titel des oben zitierten Bestsellers. Unter den Einsendern (bitte Email an cb@christophburger.de bis einschließlich 27. Juli 2012), verlose ich mein Karriere-Buch.

 

Im nächsten Artikel folgt eine Begrüdung dafür, wieso wir Trost nötig haben und dem Karrieregott und seinen Propheten huldigen.

2 Kommentare

  • Ich habe gegoogled und fand mehrere verdächtige Verfasser. Ich möchte nicht gewinnen, denn Ihr Buch besitze ich bereits, fand aber die Summe derer, die sich dieser Einleitung bedienen/bedienten zum Schmunzeln. Jaja… Copyright is your right to copy.

    Was die Gurus und DIE Suche angeht, schüttele ich bei jeder neuen Mode den Kopf. Konzernchefs und Karriere-Heikos aus meinem Bekanntenkreis haben eins gemeinsam. Sie suchen immer wieder nach etwas Neuem, nach dem sie streben können. Im Moment ist es die Engelslehre und sie sitzen dann für sich und versuchen mithilfe der Engelberater, einen spirituellen Stab für Ihr reales Tun zu finden. Einer war mal richtig begeistert und versuchte mich ebenfalls zu überzeugen, machte sich sogar die Mühe mir meine Beraterengel heraus zu suchen.
    Er:“ Ist das nicht toll?“
    Ich:“ Ja, wenn man auf Kastensysteme steht?!“
    Er:“ Häh???“
    Und sind es nicht diese Gurus, dann die Atuoren mit Ihren Selbsthilfebüchern. Sie wollen so gerne helfen und versuchen für andere zu denken. Interessant ist letztendlich nur, was macht diesen Menschen, der das schreibt, so erfolgreich und kann ich das teilweise für mich adaptieren. Mit dieser Erkenntnis haben alle Bücher Ihre Daseinsberechtigung und Guru-Ar….löcher werden als Hochstapler enttarnt.
    Wenn ich es selbst wirklich besser wüsste, würde ich es mitteilen wollen… solange ich es nicht besser weisz, lese ich, was Ihr Ratgeber-Autoren so schreibt und fühl mich manchmal mehr und manchmal weniger gut beraten.

    LG
    Kikus156

    Antworten
  • Hallo Kikus156,

    danke für Ihren Kommentar. Wollen alle Ratgeber-Autoren wirklich helfen? Das Gegenteil zu behaupten, wäre unfair. Aber solche Versprechungen, wie in dem zitierten Text, können nicht seriös gegeben werden. Leider verhalten sich Seriosität und Auflage häufig umgekehrt proportional. Wer wirklich helfen will, verkauft sich eher schlechter. Wer unhaltbare Versprechen gibt, besser.
    Das sagt viel über Autoren aus – aber auch viel über Leser.

    Beste Grüße,

    Christoph Burger

    Antworten

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