Vom Online-Formular zur 1-Klick-Bewerbung. Messe-Nachlese Teil 1.

Stirbt die Stellenanzeige aus? Kommt die 1-Klick-Bewerbung für alle? Werden Online-Formulare zurück gebaut? Eine Recherche auf der Personal Süd.

Stellenanzeige, active sourcing, xing-1-Klick

Seit längerem diskutieren Experten (z.B. hier), wie der Fachkräftemangel das Gesicht zukünftiger Bewerbungen verändern wird. Hier habe ich in zwei Grafiken und mit einem anschaulichen Beispiel verdeutlicht, wo der Ausgangspunkt der Überlegungen liegt: Die dramatische Auswirklung der demographischen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt.

Momentan legen viele Arbeitgeber die Latte hoch – und zwar dahingehend, dass sie so ohne weiteres überhaupt keine Bewerbung annehmen. Ein Global Player, der etwas auf sich hält, zwingt die Bewerber durch ein Online-Formular. Da kann man für das reine Einpflegen der Bewerbung schon mal 2 Stunden brauchen. Ist eine derartige Hürde noch zeitgemäß?

Viele bloggende HR-Experten meinen, dass die 1-Klick-Bewerbung kommt. Einige wenige Unternehmen bieten dies schon an. Mit einem Klick auf einen Button namens “Mit-Xing-Profil bewerben” (oder adäquat Lindedin – in den USA bereits verbreitet) ist das Interesse des Bewerbers bekundet. Dann ist das Unternehmen am Zug. Logisch: Schließlich hat der Bewerber schon Recherche-Zeit aufgewandt, die Stellenanzeige des Arbeitgebers gelesen und darauf positiv reagiert.

Was sagen nun die relevanten Unternehmen auf der Personal Süd dazu? Die ersten Antworten sind vorhersehbar.  Stepstone und Monster wundern sich, dass man überhaupt auf eine so abwegige Idee kommen kann, die Stellenanzeige könne aussterben. “Wir leben doch davon” – scheint das Motto zu sein. Xing dagegen hält den 1-Klick für die einzig denkbare Zukunft.

Beim Nachhaken bei den Stellen-Portalen kommt allerdings ein Weg zum Vorschein, der active sourcing ähnlich ermöglicht, wie es bei xing machbar ist. Stepstone wie Monster haben Lebensläufe hinterlegt, die Recruiter systematisch durchforsten können (mehr dazu hier in Teil 4 meiner Serie).

Online-Formulare schrecken Kreative ab

Von einer sachkundigen aber neutralen Warte aus betrachtet der Geschäftsführer der Intraworlds GmbH, Stephan Herrlich, die Lage. Er sagte mir auf der Messe, er glaube nicht, dass die Online-Formulare aussterben. Seine Begründung: Die Vorteile für die Unternehmen sind zu groß. Und wer wirklich an einem Arbeitsplatz interessiert ist, investiert eben die nötige Zeit und Mühe. Damit steht er nicht allein.

Mir scheint allerdings: Je kreativer und selbstbewusster ein Bewerber ist, desto weniger wird er sich durch ein aufwendiges Online-Formular kämpfen wollen. Umgekehrt betrachtet: Mit der Verwendung des Online-Forumlars steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen Mitarbeiter fischt, die brav und fleißig arbeiten, weil sie genau das gute können – aber nicht mehr. Einverstanden: Aus solchen mittelguten Arbeitnehmern bestehen die Unternehmen hauptsächlich. Ohne sie könnte keine Organisation funktionieren, sie tragen die Hauptarbeitslast. Dennoch wäre wohl kaum ein Arbeitgeber mit einer Recruiting-Lösung einverstanden, die es unwahrscheinlich macht, wirklich entscheidende Köpfe  anwerben zu können.

Soll aber die 1-Klick-Bewerbung funktionieren, müssen die Profile aktuell sein. Pflegt ein wirklich begehrter Professional seine Profile? Und falls nicht: Wird damit nicht die Idee der 1-Klick-Bewerbung obsolet? Ich denke nicht. Das heißt einfach nur: Diese Leute wird man auch in Zukunft anders, per active sourcing oder headhunting, “jagen” müssen.

Fazit: 1-Klick-Bewerbung kommt

In Zukunft wird sich, so nehme ich an, die 1-Klick-Bewerbung verbreiten, auch wenn sie weder die Stellenanzeigen noch die Online-Profile gänzlich ersetzen wird. Dennoch liegt hier insofern die Zukunft, als die Unternehmen beim 1-Klick erheblichen Nachholbedarf haben. Ob die Plattform, worauf der Klick verweist, dann noch xing / linkedin oder anders heißt, steht auf einem anderen Blatt.

Teil 1 meiner 4-teiligen Messe-Nachlese zur Personal Süd 2014

Teil 2 – morgen: Fachkräftemangel – eine Sache der Einstellung

Teil 3 – Freitag: Der HR die Leviten lesen

Teil 4 – Montag: Active Sourcing liegt im Trend: Ansätze, Kosten, Innovationen

4 Kommentare

  • Ich kann Ihnen nur beipflichten, daß gängige Online-Formulare gerade die kreativen, engagierten potentiellen Bewerber außen vor lassen und nur brave, fleißige Ameisen rekrutieren helfen.. Die Alternative sehe ich aber nicht in einer “1-Klick-Bewerbung” mit Verweis auf vorhandene Profile, denn die sind ja per se nicht auf einzelne Situationen zugeschnitten. Viel spannender wäre doch, kreativen Köpfen auch entsprechende Möglichkeiten zu lassen…

    Antworten
    • Hallo Frau Struve,

      danke für Ihren Kommentar und die Zustimmung zu meiner Vermutung.

      Interessante Idee, die Sie beisteuern. Was stellen Sie sich genau vor?

      Sicher ist die 1-Klick-Bewerbung nicht die Lösung für alle Recruiting-Probleme. Aber Kreative können schnell entscheiden, ihre “Marke” zu hinterlassen und sich dann wieder dem restlichen kreativen Chaos widmen. [Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich meine hier nicht “die Kreativen”, wie sie z.B. als Gruppe bestimmter Mitarbeiter von Werbeagenturen u.ä. bezeichnet werden.] Klar, das Profil ist dann nicht zugeschnitten. Aber das liefe nach dem Motto: “Hab’ ich gesehen und Interesse, melde dich!”.

      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten
    • Guten Tag Frau Petschar,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und den passenden Link!

      Für alle, die etwas weniger Zeit haben und sich auf die Frage des One-Klick konzentrieren wollen: Der Abschnitt “Positive Erlebnisse vermitteln” in der Mitte des Knabenreich-Artikels geht auf diese Frage ein. Eindrucksvoll finden sich dort auch Zahlen zur Unbeliebtheit von Online-Formularen.

      Was den One-Klick über CV angeht: Okay und interessant, v.a. als zusätzliche Option.

      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten

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