Sinnsuche: Unsere Helden, unser Handeln

Wie kommen Sie dazu, Ihrem Leben Sinn zuzuschreiben? Wie schaffen Sie es, einen in Worten fassbaren „Sinn des Lebens“ für sich zu bestimmen? Einer der häufig beschrittenen Wege ist es, sich an Vorbildern zu orientieren. Dabei können Vorbilder die Augen öffnen – oder den Blick verstellen. Durch diesen Artikel gewinnen Sie Hinweise, wie Sie die Sinnsuche richtig angehen.

Sinnsuche: Einmalige Bedingungen bestimmen unser Leben

Vorbilder haben Außergewöhnliches geleistet. Derzeit ist Greta aktuell. Manche Fridays4Future-Kids sagen „Ich möchte sein, wie Greta.“ Was sie sich genau darunter vorstellen? Vielleicht

  • Schlau, belesen, engagiert, konsequent
  • eine Mission zu haben und ihr Geltung verschaffen
  • Jung aber dennoch wirksam zu sein.

Aber was zeichnet Greta Thunberg noch aus? Beispielsweise:

  • Asperger-Autistin, Schwedin, Künstlerfamilie, Familie mit diversen psychischen Besonderheiten bis hin zu massiven Problemen

Diese Seite will sicher keiner freiwillig haben. Aber sie gehört dazu. Genau diese Bedingungen haben erst ermöglicht, wie Greta gelebt und was sie erreicht hat. Autismus-typisch ist es beispielsweise, sich so sehr in ein Thema zu verbeißen, dass man extrem viel darüber weiß.

Albert Einstein, ein Vorbild für Physiker, wird auch ein Asperger-Autismus zugeschrieben. Genialität kann man nicht kopieren. Asperger, Spezialinteresse, psychische Leiden, Hyper-IQ – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Sie läuft darauf hinaus, dass jeder Mensch auf diesem Planeten einzigartige Bedingungen und Optionen hat.

Was sind Ihre Bedingungen?

Am Anfang des sinnerfüllten Lebens steht dieses Verständnis: Ich bin einmalig und wage es, dies zu leben. Was sind Ihre Bedingungen und Möglichkeiten? Ich traf einmal einen Mann, der mit 16 begonnen hat zu dealen und dann zwei Jahrzehnte alles durchgemacht hat. Ein richtig verkorkstes Leben bis hierher – und eine einmalige Chance, andere vor dem gleichen Weg glaubhaft zu warnen. Doch die Option sah er leider (noch) nicht.

Manche packen jetzt die ganz große spirituelle Idee aus. Sie sagen “ich muss entdecken, wofür ich bestimmt bin.” Darin schwingt der ehrfurchtsvolle Glaube mit, dass es “eine höhere Macht” gibt, die alles lenkt und bestimmt. Problematisch daran ist, dass sie das Heft des Handelns aus der Hand geben und delegieren. Die Gefahr ist groß, dass irgendein Guru oder Bischof daher spaziert kommt und ihnen den Weg diktieren will.

Die Idee, dass jeder Mensch seinen eigenen Sinn für sich entdecken entdecken kann, taugt für ausreichend Demut. Wir sind alle 13,8 Mrd. Jahre alt. Und wir sind permanent auf andere angewiesen (auch auf den kleinsten Krümel Natur).

Leben ist endlich – was machen Sie daraus?

Was bei der Sinnsuche hilft, ist eine Tatsache an uns heran zu lassen, der wir üblicherweise ausweichen, so gut es eben geht: Das Leben ist endlich. Andernfalls ergäbe es überhaupt keinen Sinn, sich nach dem Sinn zu fragen. Für ewig Lebende stellte sich die Frage nicht. Wozu jetzt irgendetwas angehen, wo ich das doch auch in 100 Jahren noch anpacken könnte? Oder in 500? Aus der eigenen Endlichkeit heraus ergibt sich erst die Suche nach dem Sinn.

Was verschärfend dazu kommt: Jeder Moment ist endlich und einzigartig. Sie selbst und die Welt verändern sich ständig. Der Augenblick, als Sie begonnen haben, diesen Text zu lesen, ist ein anderer als der aktuelle. Jeder Augenblick ist einmalig und einzigartig. Und erschreckend kurz. Aber überwältigenderweise folgt ihm ein frisch geborener neuer Moment. Fantastisch: Leben!

So stellt sich die Sinnfrage von Augenblick zu Augenblick neu. Dies beinhaltet die Herausforderung, möglichst im Moment zu leben. Wer in der Vergangenheit feststeckt oder sich in die Zukunft wegträumt, hat Schwierigkeiten mit dem Sinn des Moments und der richtigen, verantwortlichen Handlung jetzt und hier.

Alle Augenblicke Ihres bisherigen Lebens zusammen bestimmen die Möglichkeiten, Schranken und Chancen, die Sie genau jetzt haben. Jetzt ist der Augenblick, in dem Sie Ihrem Leben einen Sinn verleihen. Wobei Sie natürlich irgendeinen Sinn leben, ganz gleich, ob Sie sich darum sorgen oder nicht. Aber gewöhnlich empfindet man es weniger sinnvoll, zu zappen, zu daddeln oder zu grübeln. Nein, wenn das Leben nur so vor sich hinplätschert, mögen wir nicht von Sinn sprechen. Also meint die Sinnfrage immer einen „höheren Sinn“ oder “tieferen Sinn”. Und sei es der, wirklich in der Gegenwart zu leben.

Bei der Suche nach Sinn, können Sie die Tatsache der eigenen Endlichkeit bewusst nutzen. Als was für ein Mensch wollen Sie sterben, wenn das in 5, 10 oder 20 Jahren passiert? Wie alt sind Sie dann, wo und mit wem leben Sie? Wer von Ihren Lieben wird dann wohl noch leben? Jetzt haben Sie die Chance, ihnen zu begegnen, sich mit denen auszutauschen, die Sie mögen und gerne um sich haben. Über solche konkreten Fragen kommen Sie der Sache näher.

Wenn Sie sich diese konkreten Fragen beantwortet und eine Vorstellung von dieser Zukunft gebildet haben, können Sie wieder in diesen Moment zurück kommen und die Frage nach dem Sinn erneut stellen: Was folgt daraus für diesen Moment? Welches Handeln? Welches Projekt? Welche Priorität? Arbeit oder Privatleben? Berufliches oder gesellschaftliches Engagement? Weiter unten finden Sie eine Liste mit Lebensbedeutungen der Sinnforschung als ein konkreterer pragmatischer Zugang.

Fake News im eigenen Kopf

Eine weitere Hilfe zur Sinnfindung bietet ein Blick auf unser unbewusst wirkendes Selbst- und Weltbild. Die psychologische Forschung zur Ich-Entwicklung hat gezeigt, dass wir uns – auch im Erwachsenenleben – über verschiedene Stufen weiterentwickeln. Dies ist jedoch kein automatisch ablaufender, kontinuierlicher Prozess. Sondern wir bleiben häufiger auch stehen und lernen nur noch dazu – aber entwickeln uns als Persönlichkeit nicht mehr weiter. Jede Stufe ist gekennzeichnet durch ein spezifisches Selbst- und Weltbild. Filter für alles, Raster in die alles eingeordnet wird. Und so schwer zu entdecken, als wollten Sie die Brillengläser erkennen, durch die Sie aktuell sehen.

85 Prozent der Menschen sind, das ist empirisch umfassend belegt, beispielsweise durch eine der folgenden Perspektiven eingeschränkt:

  • Im Kern sind alle Menschen durch Egoismus bestimmt
  • Es gibt universell gültige Normen, nach denen sich am besten alle richten sollten
  • Die Welt lässt sich rational erkennen
  • Es gibt richtige Werte und Ziele

Wer beispielsweise dem ersten Glauben anhängt, wird seinen Sinn des Lebens vielleicht einfach darin sehen, stets Sieger zu bleiben. Oder von den anderen nicht zum Trottel gemacht zu werden. Wer an gültige Normen glaubt, versucht vielleicht ein guter Ehemann und Vater nach traditionellem Bild zu sein. So beinhaltet jede Stufe ihre Sinnangebote.

Anders gesagt: Ihre spezifischen Fake News. Schritt für Schritt können wir klüger und weiser werden. Aber was uns immer wieder im Weg steht, ist das eigene Ego. Wir wollen unsere Selbst- und Weltsicht behalten! Das ist bequemer. Doch dann kommen wir nicht weiter. Somit kann es ein Teil des Sinns des Lebens sein, daran zu arbeiten, die eigenen Scheuklappen nach und nach abzulegen.

Ob Sie dies nun in Angriff nehmen wollen oder nicht: In jedem Fall können Sie folgendes Mitnehmen: Der Unwille, das eigene Selbst- und Weltbild in Frage zu stellen, führt die Sinnsuche in die Irre. Auf welcher Stufe auch immer Sie stehen: Wenn Sie eine Idee haben, was Ihr Sinn des Lebens sein könnte, fragen Sie sich zur Kontrolle, ob dieser Sinn durch das eigene Ego bestimmt wird.

Die gern verdrängten Gefahren des Klimawandels

Wer die Diskussion um Stuttgart 21 auch nur beiläufig verfolgt, hört zunehmend folgenden Aussagen: „Wenn wir das damals gewusst hätten, wir hätten das Projekt nie begonnen.“ Oder: „Der einzige Grund, das Projekt jetzt noch weiter zu verfolgen, ist, dass wir schon mitten drinn sind und der Rückbau zu teuer ist.“ Damit wird ein klassischer Irrweg beschrieben. Wer vor Jahren meinte, wow, ich arbeite an einem tollen Projekt, das gibt meinem Leben Sinn, erlitt damit Schiffbruch.

Ähnlich ist es derzeit mit dem Klimawandel. Wir wissen grob, was auf uns zukommt. Aber wir ignorieren die Entwicklung. Wir gehen näheren Informationen aus dem Weg. Wir tun so, als wüssten wir nichts. Wir fahren in unseren Gewohnheiten fort und machen andere dafür verantwortlich, die Entgleisung der Wirtschaftsweise wieder hinzubiegen.

Die Fridays4Future-Bewegung hat dies ein Stück weit beendet. Was uns die Kids vorgemacht haben, ist die Option, den verantwortlichen Politikern nicht mehr zu vertrauen. Was hier am Beispiel Klimaschutz deutlich wird: Delegation von Verantwortung ist das Gegenteil sinnvollen Handelns. Sinnerfüllt leben heißt, selbst verantwortlich zu handeln.

Wenn Sie Ihr Leben sinnvoll leben wollen, entfällt jede Delegation – solange Sie etwas tun können. Sinn ohne Handeln ist inhaltsleer. Wenn Sie tot sind, zählt, was Sie getan haben, nicht, was Sie hätten tun wollen. Heute wurde ein Freund von mir beerdigt, der Vertriebstrainer und grandiose Mensch Manfred Schröder. Er hinterlässt nicht nur zwei Söhne und viele Menschen, denen er ein Stück weit Sinn schenken konnte. Sondern auch eine Organisation, die sich gegen Mukoviszidose engagiert. Und den Ditzinger Lebenslauf, der als großes Event jedes Jahr Spenden für die Erforschung und Bekämpfung der Krankheit sammelt. Er ist ein Vorbild, insofern er nicht wollte, sondern tat.

Manfred hat anderes mögliches Engagement ausgelassen – er konnte nicht die Welt retten. Niemand kann das alleine. Deshalb erwächst Sinn auch aus Gemeinschaft. Keiner kann alles tun. Aber etwas tun, geht. In meinem Post #ichbindasKlima habe ich eine Fülle von Handlungs-Möglichkeiten aufgezeigt, die sich aus den jeweiligen Bedingungen jedes Menschen in Bezug auf die Klimakrise ergeben. Die diesen persönlichen Bedingungen erst entspringen! Eine Greta könnte nicht ihren SUV verkaufen und aufhören zu fliegen – diese Optionen hat sie nicht. Und ein SUV-Besitzer kann meistens umgekehrt nicht seinen Schulbesuch bestreiken. Sinn entspringt aus den individuellen Bedingungen.

Folgende Determinanten stehen zusammengefasst für die Sinnsuche:

  • Sinn entspringt individuell aus den jeweils gegebenen Bedingungen
  • Sinn ist an die eigene Endlichkeit gebunden
  • Sinnvoll leben, heißt in der Einmaligkeit jedes Augenblicks zu agieren
  • Je mehr wir unsere alte Vorstellung bereit sind aufzugeben, desto mehr kann sich unser Geist weiten und Sinn entdecken
  • Sinn ist an mutiges Denken und tatkräftiges Handeln gebunden
  • Sinn beinhaltet, Erkenntnisse wahrzunehmen, die wir lieber verdrängen würden.

Sinn gewinnen aus Lebensbedeutungen

Die psychologisch-empirische Sinnforschung hat ergeben, dass Menschen ihren Sinn in einer oder mehreren von 26 Lebensbedeutungen finden. Sie können das zum Beispiel in meiner Praxis oder vielleicht auch beim Coach oder der Psychologin Ihres Vertrauens testen lassen. Vielleicht gelingt es Ihnen aber auch einfach, durch Überlegen herauszufinden, was Ihnen persönlich besonders wichtig ist:

  • explizite Religiosität (Religion im herkömmlichen Sinn)
  • spirituelle Einstellung (Spiritualität jenseits der Religion)
  • Soziales Engagement (Soziale, ökologische, politische Arbeit)
  • Naturverbundenheit (enge, emotional geprägte Beziehung zur Natur)
  • Selbsterkenntnis (Suche nach dem eigenen Selbst, evt. systematisch etwa über Yoga o.ä.)
  • Gesundheit (z.B. bewusste Ernährung, Sport)
  • Generativität (Generativität = Hoffnung, durch eigene Bemühungen einen positiven, bleibenden Beitrag für die Allgemeinheit leisten zu können)
  • Macht (Einflussnahme und Gewinn in einem Leben, das als Kampf empfunden wird)
  • Freiheit (Unabhängigkeit von Fremdeinflüssen und Beschränkungen. Der engen Einbindung in gesellschaftliche Systeme werden Selbstbestimmtheit und Ungebundenheit als Kontrast entgegengesetzt)
  • Individualismus. (Auch hier geht es um Unabhängigkeit. Der Fokus liegt jedoch auf der Wahl eines eigenen Lebensweges. Und zwar aufbauend auf eigenen Stärken und Interessen und in Abgrenzung zu anderen Menschen)
  • Entwicklung (Das Leben wird hier in offener Haltung angegangen, Lernbereitschaft und Veränderungswille prägen Einstellungen und Handeln, welche auf selbst gesetzte Ziele hin orientiert sind)
  • Wissen (Stetige Horizonterweiterung durch Informieren und Verstehen, konkret etwa durch wissenschaftliche oder philosophische Einstellung oder auch durch das Rezipieren von Informationen in Zeitungen, Internet, TV)
  • Herausforderung (Abenteuer, Risiko, spontane und neugierige Haltung z.B. Reisen, Extremsportarten)
  • Leistung (Ergebnisse, messbare Erfolge evt. Karrierestreben)
  • Kreativität (schöpferische Kraft, mit der das Leben gestaltet wird)
  • Ordnung (Festhalten und Bewahren, eine eher materielle und konservative Orientierung: Wohlstand und Sicherheit stehen im Vordergrund)
  • Vernunft (Rationalität und Mäßigung bestimmen hier das Denken und Handeln, Gefühle treten demgegenüber zurück)
  • Bodenständigkeit (pragmatische Haltung, Sinn durch eigene, händische Arbeit)
  • Moral (Werte, Normen, gutes Benehmen, Disziplin als Halt und Sicherheit)
  • Tradition (Schätzung des Altbewährten, Ordnung und Routine bieten Schutz und Halt, die Wahrung von Bräuchen und Traditionen geben Struktur)
  • Wellness (Hedonistische Lebenseinstellung – Entspannung, Genuss)
  • Spaß (vereinigt Menschen, für die Spaß, Unterhaltung, Fröhlichkeit das wichtigste sind, etwas, das sie mit einer humorvollen, heiteren Haltung erlangen)
  • Bewusstes Erleben (durch Aufmerksamkeit und Besinnung sowie die Ritualisierung subjektiv bedeutsamer Ereignisse z.B. im Jahresverlauf)
  • Liebe (Leidenschaft, Intimität, Einheit, romantische Liebe als Lebensmittelpunkt),
  • Fürsorge (positives Selbsterleben durch Dienst am anderen)
  • Gemeinschaft (Freundschaften, Beziehungspflege)
  • Harmonie (innerer Friede, Ausgewogenheit in sozialen Beziehungen)

Vergeben Sie beispielsweise jeweils einen Wert von -5 (sehr unwichtig für mich) und +5 (sehr wichtig). Damit kommen Sie Ihrem Lebenssinn schon ein Stück näher. Um sich dem Sinngehalt Ihres Berufs anzunähern, überlegen Sie im nächsten Schritt, in wieweit eine Lebensbedeutung sich durch Ihren Beruf erfüllt.

Fällt die Bilanz allzu mager aus: Können Sie Ihren Job so umbauen, dass Sie mehr der wichtigen Lebensbedeutungen erfüllen können? Würde ein Berufs- oder Jobwechsel dazu führen, dass Sie mehr Lebensbedeutungen erfüllen können?

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