Karriereberatung oder Coaching?

Was ist Coaching, was Karriereberatung? Beides sind getrennte Disziplinen und eigentlich recht einfach voneinander zu unterscheiden.

Coaching

Erst vor Kurzem las ich in einem Artikel über Jobcoaching: Es würden keine Ratschläge gegeben, das sei charakteristisch. Richtig ist: Im Coaching (ohne „Job-„)  sind Ratschläge die Ausnahme. Ein Coach pfuscht, wenn er oder sie dem Coachee erklärt, was zu tun ist. Zur Dienstleistung gehört zwingend, dass sich der oder die Coachee die eigenen Wege selbst erschließt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Klassische Fragen fürs Coaching sind z.B. „Was will ich im Leben?“ oder „Was tun nach der Trennung?“. Oder ein Sportler möchte die Wettbewerbsnervosität ablegen. Mit verschiedenen Techniken und Tools beginnt ein längerer Prozess. Es geht zu einem Ziel, das am Anfang unter Umständen nur lose formuliert werden kann. Teil der Arbeit ist es, von einem allgemeinen Anlass zu konkreteren Zielen voran zu schreiten. Es dreht sich um einen Prozess, der vom Coach moderierend und mit hilfreichen Übungen gestaltet wird.

Ausbildung zum Coach und Arbeitsmarkt für Coachs

Coaching ist seit mindestens einem Jahrzehnt in Deutschland etabliert. Es gibt zahllose Ausbildungsangebote zum Coach und sehr viele, die eine solche Ausbildung absolviert haben. Sehr sinnvoll ist die Ausbildung – die neutrale, moderierende Haltung und entsprechende Tools – beispielsweise für Führungskräfte, als Zusatzqualifikation. Man muss also keineswegs hinterher hauptberuflich Coach werden.

Die Chancen dafür stehen hierzulande ohnehin äußerst schlecht. Einer der bekanntesten Ausbilder (Dr. Migge) sagt, dass es maximal 20 % der Absolventen gelingt, die Ausbildungskosten innerhalb von zwei Jahren nach dem Ausbildungsende zu refinanzieren. Maximal 5 % machen daraus nach seinen Angaben ihren Hauptberuf. Als Berufsausbildung taugt die Coaching-Qualifikation also in der Regel nicht. Wirtschaftlich tragfähig ist sie, wenn etwa eine frühere Führungskraft ihre Kunden schon aus dem alten Unternehmen mitbringt. Oder eine etablierte Trainerin nimmt Coaching als zusätzliche Dienstleistung ins Portfolio auf. Eine gute Coaching-Ausbildung hat einen Wert an sich, weil sie einen persönlich voran bringt. Als Berufsidee funktioniert sie nur im Ausnahmefall.

Typische Fragen in der Karriereberatung

Auch wenn es sicher zahlreiche Themen gibt, die im Coaching bearbeitet werden können: Schon wenige Beispiele aus der Karriereberatung zeigen, dass die Themen dort ganz andere sind. „Wie ist meine berufliche Situation zu beurteilen? Welche Chancen habe ich auf dem Arbeitsmarkt?“. Auf solche Fragen wünscht sich der Kunde möglichst schnelle, präzise und fachkundige Antworten. Es ist eher wie beim Arzt-Besuch oder in der Auto-Werkstatt. Man braucht auch als Fachkundiger ein längeres Gespräch und eine genauere Untersuchung, um Antworten geben zu können. Aber dennoch sind die Fragen und dazu passenden Antworten konkret.

Sehen wir uns weitere typische Fragen aus der Karriereberatung an. „Ich möchte mich auf ein wichtiges Gespräch vorbereiten und zwar ….“ Das kann ein Vorstellungsgespräch sein, ein Personalgespräch oder eine Nachbesprechung nach einem wichtigen Projekt. Auch in einem solchen Fall gilt es, sehr konkrete Fragen zu beantworten. „Soll ich dieses Argument oder jenes anführen? Wie bringe ich meine Sichtweise rhetorisch zur Geltung? Mit wem im Unternehmen sollte ich wie über das Thema sprechen?“. Weitere Anliegen können sein: Eine Bewerbungsberatung, die Beurteilung einer Weiterbildung in Bezug auf das eigene Profil oder das Abwägen verschiedener vorliegender Jobangebote. Keine dieser Fragen führt zu einem Vorgehen, das vergleichbar ist mit einem Coaching-Prozess.

Notwendige Qualifikation von Karriereberatern

Sicherlich ist die notwendige Qualifikation von Karriereberatern abhängig von der jeweils angebotenen Dienstleistung. Der eine konzentriert sich auf Absolventen, die andere auf die Berufswahl nach dem Schulabschluss ein weiterer auf typische Führungsfragen. Eine größere Rolle spielt zuweilen auch der Branchenbezug.

Zum kompletten Kompetenzprofil von Karriereberatern gehört:

  • Lebensläufe lesen
  • Arbeitszeugnisse beurteilen
  • Bewerbungstipps in Bezug auf aktuelle Standards und kreative Bewerbungsideen
  • Online-Profile optimieren
  • Alternative Jobsuchwege kennen und empfehlen können
  • Testverfahren kennen und anwenden
  • Auswahlverfahren in Unternehmen kennen (z.B. auch AC, Telefoninterview, Video-Interview)
  • Rhetorik und strategische Kommunikation für Bewerber
  • Rhetorik und strategische Kommunikateion für Führungskräfte (am Arbeitsplatz)
  • Arbeitsmarkt kennen und beurteilen (Trends, spezifische Chancen, Branchenkenntnisse)
  • Weiterbildungsmarkt (Welche Anbieter gibt es? Worauf ist bei Buchung und Auswahl zu achten? Was bringt ein Abschluss?)
  • Psychologische Kenntnisse
  • Coaching-Tools kennen und anwenden können, die Coach-Haltung praktizieren können
  • Verhandlungskompetenz allgemein und spezifisch zur Gehaltsverhandlung
  • Kenntnisse zum Ablauf von ACs und über einzelne AC-Übungen (von Präsentation bis Postkorb)

Der Arbeitsmarkt für Karriereberater

Meine Vorhersage der Karrieretrends 2014 war – verbreitet in einer Pressemitteilung -, dass sich die Karriereberatung zunehmend als eigene Dienstleistung etabliert. Was daraus sofort in der Presse gemacht wurde: Es gibt gute Geschäftschancen für Karriereberater. Natürlich habe ich Verständnis für diese journalistische Zuspitzung.

An dieser Stelle habe ich allerdings den nötigen Platz, meine Aussage genauer zu erläutern. Wie Sie am Kompetenzprofil des Karriereberaters sehen können, ist seine Tätigkeit nichts, was Aufträge-Sucher unter den Coachs mal eben und schnell ins Portfolio übernehmen können. In Wirklichkeit überschneiden sich die Kompetenzprofile der beiden Professionen nur zum geringsten Teil. Und für das Kompetenzprofil des Karriereberaters braucht es oft jahrelange Erfahrung und ein allmähliches Erarbeiten des professionellen Know-hows.

Allgemein hat Karriereberatung (noch) keinen goldenen Boden. Sie werden nicht mit Aufträgen überschüttet. Vielleicht erscheint Ihnen das verwunderlich. Schließlich hängt von der Berufswahl einiges ab. Von der Entscheidung für oder gegen eine Stelle ebenso. Vom Vorstellungs- oder entscheidenden Personalgespräch erst recht. Und wer kann schon ein Zeugnis lesen? Hier habe ich errechnet, welche finanziellen Konsequenzen mit solchen Themen verbunden sind.

Der Grund für die zurückhaltende Nachfrage bei den Karriereberatern ist hauptsächlich: Die Etablierung der Dienstleistung fehlt. Sie kommt erst langsam in Fahrt.

Svenja Hofert bietet 2014 eine Qualifikation zum Jobcoach / Karriereberater , quasi die Schnittstelle aus beidem, an. Sicherlich kann auch dies nur ein erster Schritt zum Profi sein.

Ein Kommentar

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