DIE Karriere gibt es nicht – Svenja Hoferts Buch "Karriere mit System"

Was bedeutet Karriere heute? Svenja Hofert hat es fertig gebracht, ein anregendes, kluges Buch über diese Frage zu schreiben – ohne zu erklären, was sie mit „Karriere“ eigentlich meint.

Die Autorin von „Karriere mit System“

Die Bewertung eines Buches (Vortrags, Seminars, Coachings…) kann immer auf zweierlei Weise erfolgen. Die eine entsteht aus der Sicht eines Konsumenten. Hier urteilt ein Kunde, der gefälligst bedient werden will. Profis müssen damit leben, dass das passiert und sich dieser Form des Urteils stellen. Produktiv ist das nicht. Die andere kommt von einem Menschen, der sein Leben aktiv gestaltet und sich mit den anstehenden Themen neugierig und engagiert auseinander setzt.

Woran erkennen Sie die zweite Haltung? Auf die Frage nach der Güte eines Angebots erhalten Sie keine Noten, sondern eine Schilderung: „Das habe ich dazu gedacht und dieses gelernt, als ich das Buch las.“ Das Werk in Schulnoten oder  Amazon-Sterne zu pressen, ist unangebracht.

Ein paar Sätze über die Autorin helfen, die Nebensächlichkeit mit den Sternen zu erledigen. Svenja Hofert ist eine der Persönlichkeiten überhaupt, wenn es im deutschen Sprachraum um berufliche Entwicklung und Karriere geht. Dies macht sich fest an ihrer Erfahrung als Autorin mit hohem Anspruch, an Belesenheit, umfangreichen Praxiserfahrungen und an einem wachen, kreativen Verstand mit Mut zur eigenen Meinung. Die Sterne sind also nicht von Belang. Egal, was genau drin steht, in einem neuen Buch über Karriere von Svenja Hofert: Das muss man lesen und sich damit auseinander setzen, so man sich irgend fürs Thema interessiert.

Nun zum Inhalt.

Das Neue: Worklifestyle

Das hauptsächlich Neue im Buch ist die Kreation des Worklifestyles. Die Grundidee ist dabei die Auffächerung möglicher Arbeitsplätze in sieben Kategorien. Den eigenen Worklifestyle kann man testen, seinen Typ bestimmen und anschließend gezielt den passenden Arbeitsplatz suchen. Oftmals erkläre sich damit auch, warum eine frühere Berufsstation erfolgreich war, aber eine andere, sehr ähnliche, scheiterte: Der Unterschied lag nicht in den Aufgaben, sondern in den worklifestyles.

Konkret gibt es folgende Styles, von Svenja Hofert auch „Karrieresysteme“ genannt. Die „Family-Career“ bieten viele mittelständische Unternehmen. Menschen, die gerne persönliche Beziehungen pflegen und eine lange Betriebszugehörigkeit anstreben, sind hier richtig. Die „Dynamic Career“ ist oftmals zu finden in jungen, ungeordneten Unternehmen mit viel Freiräumen und schnellem Weiterkommen. Eine „Convential Career“ bieten eher Konzerne mit ihren wohldefinierten Strukturen und etablierten Prozessen. Die „Performance Career“ findet sich im „up or out“ vieler Unternehmensberatungen wieder. Eine „Cooperative Career„, die Teamarbeit in flachen Hierarchien betont, ist in vielen Start-ups üblich. Die“Flexi Career“ wird geprägt durch das Arbeiten ohne feststehende Arbeitsorte und -zeiten. Und schließlich: Die „Better World Career“ ist in vielen werteorientierten Organisationen wie Sozialunternehmen zu Hause. Man beachte allerdings: Manche NGO setzt sich für die Rechte Benachteiligter ein, ist aber intern straff und hierarchisch organisiert. Sie würde dann keinen Better World Style bieten.

Wer sich klar macht, welchen Style er selbst bevorzugt, kann bei der Vorab-Recherche und im Vorstellungsgespräch gezielt den dazu passenden Arbeitgeber suchen. Damit schafft er die Voraussetzung für den künftigen Erfolg.

Weitere Anregungen in Fülle

Im Buch finden sich zahlreiche weitere neue, aber „kleinere“ Anregungen. Radikal gedacht ist beispielsweise die Idee des „umgekehrten Vorstellungsgesprächs“. Kandidaten fragen das Unternehmen selbstbewusst: „was tun Sie, um Ihre Mitarbeiter zu qualifizieren?“ oder „Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?“.

Manchmal stehen größere Zusammenhänge und ganze Argumentationslinien hinter einzelnen Sätzen. Beispielsweise: „Ziel vieler Unternehmen ist es, möglichst gute Mitarbeiter zu bekommen (und nicht etwa möglichst passende!)“. Ein ebenso originelles wie klares Statement zur aktuellen Fachkräftedebatte und zum Recruitment / Employer Branding in knappster Form. Belege und Verweise fehlen häufig an solchen Stellen – kundige Leser können die Hinweise entschlüsseln. Die anderen werden nicht verwirrt. Ob sie dennoch Tipps zum Weiterlesen begrüßen würden?

Kwerkarriere und Worklifestyle

Einen ähnlichen Gedanken wie den Worklifestyle verfolgte ich vor drei Jahren für mein Buch „Karriere ohne Schleimspur“. Wo liegen Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?

Zentral für meinen Ansatz sind die Begriffe „Karrieremechanik“ und „Kwerkarriere„. Ersteres ist der Sammelbegriff für althergebrachte Karriereregeln. Jedes Unternehmen wird diese Regeln ausbilden. Beispielsweise gibt es ab einer gewissen Unternehmensgröße Chefs, die für etwas verantwortlich sind – egal, wie soft sie sich geben. Das ist keine Frage eines „Styles“, sondern eine notwendige Folge von Menschen, die sich in einem Wirtschaftsunternehmen organisieren. Dies gilt – mit Ausnahme weniger radikal anders aufgebauter Unternehmungen – immer.

Wie kann man sich zur Karrieremechanik verhalten? Die Antwort bestimmt die Karriereorientierung.

Hier gibt es erstens die konventionelle Karriere, angestrebt von Menschen, die sich gut anfreunden können mit der Karrieremechanik. Zweitens die Selbständigkeit, also das Arbeiten ohne Chef und fremde Regeln. Drittens die „Kwerkarriere„. Sie bezeichnet den Werdegang von Menschen, die sich trotz ihrer Anstellungen nicht recht in die Karrieremechanik fügen wollen. Beispielsweise wegen einer deutlichen Werteorientierung oder des Wunsches, Karriere, Freizeit und die Karriere des Lebenspartners unter einen Hut zu bringen.

Als Berater muss ich wissen, wenn ein Kunde Richtung Kwerkarriere unterwegs ist, denn jetzt müssen private Wünsche und „fremde“ Spielregeln miteinander versöhnt werden. Bestimmte Regeln der Karrieremechanik müssen wir ausführlicher besprechen. Und konkrete Lösungen für den Umgang mit ihr beispielsweise für die Kommunikation im Unternehmen oder fürs Vorstellungsgespräch ausarbeiten. Wie zum Worklifestyle gibt es einen Test, der die Einschätzung der Karriereorientierung erlaubt.

Wie verhalten sich die drei Karrieretypen (konventionell, selbständig, kwer) zu den sieben Systemen des Worklifestyle? Die offensichtliche Gemeinsamkeit: Beides sind Antworten, auf die neue Berufswelt – klare Absagen zum Undifferenzierten reden über „Die Karriere“.

Die meisten Kwerkarrieristen werden wohl bei den Worklifestyles Familiy, Cooperative oder Better-World, evt. Flexi, zu finden sein. Aufgrund der theoretisch unterschiedlichen Herkunft beider Ansätze, muss dies aber nicht zutreffen. Einen Style für Selbständige gibt es bei Svenja Hofert ohnehin nicht. Warum?

Fazit: Mein Dreier- und Svenja Hoferts Siebener-System ergänzen sich gut. Beide Systeme werden für eine zeitgemäße Karriereberatung nötig sein.

Karrierebuch ohne Karriere-Definition

Was heißt nun „Karriere“ nach Svenja Hofert? Förderlich sei, dass jemand einen auf seinen persönlichen Worklifestyle passenden Arbeitgeber findet. Außerdem sei die Laufbahn in Drei-Jahresschritten zu planen. Dann wird es wahrscheinlich, dass  jemand „aufblüht“ und seine Arbeit „Früchte“ trägt, wie Svenja Hofert im Vorwort schreibt. Man erfährt jede Menge über Karrieresysteme und -typen, es gibt Karrierewege und sogar ein Karrierequadrat im Buch. Nur  eben „Karriere“ an und für sich gibt es nicht.

Der frühere Telekom-Vorstand für Innovation Bernd Kolb sagte mir hier auf die entsprechende Frage: „Erfolg ist, wenn jemand mit sich und seinem Umfeld und seinen sozialen Kontakten glücklich und zufrieden ist.  Wenn er sich abends mit einem Lächeln ins Bett legt und morgens aufwacht, sich daran freut, was er tut und dass er gesund ist. Egal, ob das mit äußeren Lorbeeren geschmückt ist oder nicht. Erfolg ist etwas ganz Individuelles.“ Soll uns das genügen? Es bleibt jedenfalls spannend für alle, die sich um Karriere und Erfolg bemühen.

Link zu „Karriere mit System“ bei amazon

Link zum Test des Worklifestyles

Wenn Sie Ihre Karriereorientierung (konventionell, kwer, selbständig) interessiert, senden Sie mir bitte ein E-Mail. Sie erhalten entweder den Test kostenfrei oder für 25 Euro Test und Buch (Karriere ohne Schleimspur) per Post. Oder Sie bestellen das Buch (incl Test) bei amazon.

Mehr zu den Begriffen Karriere und Kwerkarriere

3 Kommentare

  • Hallo Christoph, Dankeschön für deine schönen Ausführungen. Ich denke: Karriere ist etwas, das sich jeder selbst definieren muss. Ebenso wie Erfolg, und beides ist nicht das gleiche. Es ist etwas Wunderbares wie die Projektion. Da eine Vorgabe zu machen wäre langweilig. Worklifestyles für Selbstständige sind übrigens geplant. Ich wollte erst mal die Statistik auswerten. Im Moment vermute ich, dass dynamic, flexi und better world am ehesten Selbstständige bzw. Gründungsinteressierte anspricht. LG Svenja

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    • Hallo Svenja, danke für deinen Kommentar. Ich denke schon, dass man eine Definition braucht. Natürlich keine Vorgabe. Aber einfach Klarheit, wovon überhaupt die Rede ist. Mein verlinkter Artikel war ein Versuch. Beste Grüße, Christoph

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  • Pingback: Buch über Recruiting-Herausforderungen der nächsten zehn Jahre - Jobnative Blog

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