Was ist "Karriere"? Was ist "Kwerkarriere"?

„Passen Karriere und Charakter zusammen, Herr Burger?“ So fragen mich Journalisten. Die unausgesprochene Botschaft lautet: Karriere und Charakter sind Gegensätze. Nach oben kommt, wer buckelt. Stimmt das? Schwer zu sagen – denn eigentlich müsste erst einmal geklärt werden, was „Karriere“ überhaupt ist.

Ein überholter Karrierebegriff

Früher war klar: „Karriere heißt Aufstieg.“ Der „Aufstieg“ – ein Begriff der Berge – wer am Meer eine Düne besteigt, spricht kaum von Aufstieg. Das geht erst weiter oben los. Das passt gut. Denn Akademiker und Führungskräfte reden ganz selbstverständlich von ihren Karrieren. Erzieherinnen oder Sekretärinnen meinen dagegen, das Thema ginge sie selbst nichts an. Ist das so?

Ursprünglich kommt das Wort „Karriere“ von Laufbahn und Karren. Und das gilt nunmal für jeden, der beruflich unterwegs ist. Jede und jeder bewegt seinen Karren auf der Bahn!

Beleuchten wir das Thema an zwei konkreten Beispielen.

Karriereschritte von Ulrich und Franzi

Ulrich ist ein junger Volljurist. Er bekommt seinen ersten Job. Super, der erste Karriereschritt ist getan, applaudieren wir, ohne zu zögern. Franzi hatte nach ihrem Abschluss zur Friseurin drei lange Monate einen Job gesucht. Jetzt endlich hat sie ihren ersten Arbeitsvertrag unterschrieben. Sollte man auch hier von „Karriereschritt“ sprechen? Da tun sich viele schwerer. „Irgendein Job, nach einer Ausbildung? Das kann doch keine Karriere sein!“.

Dieselben Personen, ein paar Jahre später. Ulrich hat es satt, sich immerfort für die Kanzlei zu zerreißen. Außerdem wurde er gerade Vater und findet die Zeit mit seiner Familie ausgesprochen bereichernd. Sein Chef will nichts von Ulrichs Teilzeit-Plänen wissen. Er ist sehr traditionell gestrickt. Seine Frau war zu Hause, er ging arbeiten. Aber Ulrich argumentiert geschickt. Er setzt sich durch und arbeitet fortan statt annährend 60 Stunden in der Woche knapp 40. Ist das ein Karriereschritt? Jetzt tun wir uns bei Ulrich schwer, zuzustimmen. Aber Franzi hat inzwischen die Leitung einer Filiale übernommen. Da scheint der Fall bei ihr klar zu sein: Sie macht Karriere!

Die Beispiele zeigen, wie sehr der Begriff „Karriere“ noch mit „Aufstieg“ verbunden ist, mit Beförderung, nicht mit Arbeitsplatz. Mit einem Einstiegsjob nach dem Studium, nicht nach der Lehre. Wachsendes Einkommen ist gemeint, keine Stundenreduzierung.

Für einen zeitgemäßen Karrierebegriff

Die Gleichsetzung von Karriere und beruflichem Aufstieg ist nicht mehr zeitgemäß. Heute geht es darum, das Leben als Ganzes erfolgreich zu gestalten. Diese Sichtweise hat die Generation Y angestoßen, aber sie verbreitet sich allgemein. Gehaltszuwachs und Beförderung stehen neben Freizeit und attraktiven Aufgaben und sind alle Bestandteile einer guten Arbeit. Karriere ist der berufliche Teil des Lebens.

Vorschlag: Kwerkarriere

Solange es noch nicht soweit ist, sich auf ein erweitertes Verständnis des Karrierebegriffs zu einigen, schlage ich einen Abgrenzungsbegriff vor: Kwerkarriere. Damit kann klar gemacht werden, dass es dem Sprecher oder der Schreiberin um ein neues Verständnis geht, um einen neuen Karrierebegriff. Dazu gehört: Aufstieg und äußerer Status sind nur ein Element der Berufslaufbahn. Aus der Arbeitslosigkeit in einen Job zu kommen, ist ein (Kwer-) Karriereschritt. Aus einem 60-Stunden-Job heraus zu treten und auf ein erträgliches Niveau zu gelangen, ist ein (Kwer-) Karriereschritt. Beruf und Familie in Einklang zu bringen oder sogar, Beruf, Familie und die Karriere der Partnerin zu vereinbaren, sind (Kwer-) Karriereziele. Der Begriff „Kwerkarriere“ bringt ursprünglich drei Ideen zusammen: „Wer“ (Persönlichkeit), „quer“ (neu, kreativ) und „K“ (Kommunikation). Zugleich steht er aber auch für die Idee, die genannten Aspekte (Familie, Werte, Privatleben, Körper-Psyche) zu berücksichtigen.

Von den Karriereschritten zur Karriere

„Er hat Karriere gemacht“ meint traditionell die mehrmalige Beförderung. Mehrere, aufeinander folgende Karriereschritte wurden also zum Begriff „Karriere“. Genauso ist es bei der Kwerkarriere. Mehrere aufeinander folgende Kwerkarriereschritte ergeben die Kwerkarriere. Wenn also Uli nach seinem Berufseinstieg die Reduktion des Stundenumfangs geschafft hat und er später diesen wieder ausbaut, befördert wird und sich dann vielleicht selbständig macht und das alles so wollte, ist das insgesamt eine gelungene Kwerkarriere. Nicht der einzelne Schritt, wohl aber die Summe der erwünschten Schritte ergeben die Kwerkarriere.

Die noch größere Perspektive

Der klassische Karrierebegriff bleibt auf den Beruf beschränkt. Das Ego des Einzelnen setzt sich in einer Art Wettbewerb durch.

Kwerkarriere dagegen sieht, dass der Mensch in der Gemeinschaft lebt. Es gibt Zwänge und Chancen, im Unternehmen wie in der Gesellschaft. Die Karriere ist kein einfacher Wettlauf mit anderen. Sie wird geprägt durch die Wirtschaftslage des Arbeitgebers, durch traditionelle Rollenbilder, durch Lebensstile und die Verfügbarkeit von Kinderkrippen. Die Karriere des Einzelnen passiert unter all diesen Randbedingungen.

Der Einzelne kann sich schlicht anpassen und einfügen. Damit bestimmen andere, wohin es geht. Die Lebensbilanz wird am Ende vielleicht etwas traurig ausfallen. Man hat nicht das eigene Leben gelebt, sondern eines, das durch die Wünsche anderer designt wurde.

Der Einzelne kann aber auch aktiv werden. Er kann seinerseits die Gemeinschaft prägen: Die eigene Familie wie das Unternehmen und sogar das Wirtschaftssystem (Stichwort Sozialunternehmen). Letztlich wird die Gemeinschaft durch viele Einzelne geprägt. Sie besteht aus nichts anderem. Aber nicht alle machen gleichermaßen mit.

Kwerkarriere ist immer aktiv! Die Karrieremechanik – die Summe der althergebrachten Regeln – und die Spielregeln der Gesellschaft werden erkannt und verändert. Dies ist die größere Perspektive. Sind Sie dabei? Ihnen winkt nicht nur Anerkennung, sicher. Aber bestimmt ein erfülltes Leben!

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