Zusammen ist man weniger allein: Im Konsens gegen die Klimakrise

Da wir als Menschheit gerade mit verschärfter Geschwindigkeit auf den Abgrund zurasen, lassen sich ein paar Dinge schön erklären. Zum Beispiel: Was unser Kernproblem ist. Dann: Wie wir es lösen. Und: Warum das richtig fein werden kann.

Zum Kern der Probleme

Ohne Egoismus funktioniert kein Hyper-Kapitalismus, kein Krieg, kein Zerstören der Natur, kein ungebremster Flächenverbrauch, keine Vergewaltigung, kein Kindesmissbrauch, kein Ausbeuten ärmerer Länder, von Arbeitern und Kinderarbeitern in Billiglohnländern, kein Export von Problemen wie Plastikmüll. Ohne Egoismus keine leeren Reden in Talkshows, keine Symbolpolitik, kein unverantwortlicher Konsum und keine Hassposts – die Menschen wären angenehmer.

Hinter der Politik, hinter dem Wirtschaften und dem Konsum steht immer das Ego, verstanden als Ansammlung kurzsichtiger, selbstbezogener Gedanken. Auch wenn wir immerzu politisch oder wirtschaftlich argumentieren, über Gesetze und Wahlen oder die Wirtschaft lamentieren. Der Kern unseres Denkens, Fühlens und Handelns, unserer gesamten Probleme, ist – derzeit – das Ego.

Schon Jesus hatte davon eine Ahnung, wenn er meinte, die Nächstenliebe sei das Gegenstück zu unseren Leiden. Sogar noch länger begleitet uns der Buddhismus: Er preist die Selbst-Losigkeit. Auch in den anderen Religionen schwingt etwas davon mit, wenn sie meinen, Gott sei größer als der Mensch. Die Naturwissenschaftler könnten mit ihren Naturgesetzen und der Evolution ähnlich verstanden werden.

Die Lösung: Weniger Ego – Ich-Entwicklung

Die offensichtliche Lösung, Teil 1, ist: Weniger Ego. Bedenkt man die Unterschiede zwischen Christen, Wissenschaftlern, Moslems und Buddhisten, erscheint dieser Gedanke aber entweder trivial – oder eben keine Hilfe. Denn obwohl man die Gegenrichtung zur egoistischen Weltzerstörung benennen kann, ist diese sich überhaupt nicht einig. Christen und Islamisten schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Verbal oder tatsächlich. Was für ein Durcheinander!

Daher braucht es die Lösung, Teil 2. Die Psychologie beschreibt im Konzept der Ich-Entwicklung eine spiralförmige Entwicklung des Menschen. Zunächst wird das Ich vom übermächtigen Ego dominiert. Am Ende jedoch dominieren die selbstbezogenen, kurzsichtigen Gedanken nicht mehr. Insgesamt weitet sich der Horizont und immer mehr andere Menschen werden einbezogen. Diese Entwicklung ist offensichtlich im Menschen angelegt. Denn sie kann weltweit beobachtet werden. Mit dem Zurückweichen des kurzsichtigen Egos ist vielerlei Positives verbunden. Wir können eine höhere Komplexität verarbeiten, überblicken einen weiteren Zeithorizont, entfalten ein reichhaltigeres Innenleben. Wir können zunehmend geliebte Menschen, frische Luft und freundliche Gedanken genießen. Wir müssen weder über Autobahnen brettern noch in ferne Länder fliegen, um uns reich und erfüllt zu erleben.

Beispiel: Klimakabinett

All das bringt nichts, wenn es nicht konkret weiterhilft. Also Tacheles: Am Vorabend des 20. September 2019, dem weltweiten Klimastreik, kam nach mehrmonatigen Vorbereitungen das Klimakabinett der deutschen Bundesregierung zusammen. Zeitgleich: Hunderttausende Aktivisten auf den Straßen. Kurz darauf: Die Klimakonferenz der Uno. Beste Bedingungen, endlich wirksame Klimapolitik zu machen. Das Ergebnis: Neben allerlei mehr oder weniger großen Maßnahmen ein zentraler Kernpunkt, der so wenig ist, dass man dazu kaum noch in positivem Sinne Klimapolitik sagen kann: Ein CO2-Preis von 10 Euro pro Tonne ab 2021 (dazu Erhöhung der Pendlerpauschale, die das gerade Gegenteil von Klimaschutz bedeutet). Dieser Preis entspricht in keiner Weise dem, was die Berater der Bundesregierung empfahlen. Kurz: Er ist unwirksam. Wie kam es dazu?

Auf Spiegel online (plus) kann man das nachlesen. Dort wird die Verhandlungsnacht rekonstruiert. Kurz zusammengefasst: Parteipolitik. Konkreter: Die CSU hat Angst, Stimmen an die AfD zu verlieren. Die SPD hat Angst, Stimmen ihrer Wähler zu verlieren. Die SPD hat Angst, bestimmte Ergebnisse nicht an die eigene Partei vermitteln zu können. Die CDU hat Angst, die Stimmen älterer Ölheizungsbesitzer zu verlieren. Angst um Wählerstimmen, die Macht und Einfluss bedeuten. Parteipolitik statt rationalen Handelns. Ego statt Vernunft.

Was wir dort sehen, ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Wir verlieren uns in Details und versäumen es, die große Linie zu erfassen. Das Modell der Ich-Entwicklung kann hier in zwei Punkten entscheidend helfen. Erstens: Wenn wir Menschen für eine Story gewinnen wollen, muss sie ein Entweder-oder bieten, denn 85 Prozent der Menschen reduzieren die Welt im Kopf auf dieses Muster. (2.) Der gesellschaftliche Diskurs befindet sich am Übergang von einem Relativismus, der uns orientierungslos macht zu dessen Überwindung. Wir stecken in der Relativismuskrise. Alles ist solala, woran noch Festhalten? Die Rückkehr in den Egoismus erscheint da als Lösung.

Der Rechtspopulismus ist eine Reaktion auf diesen Relativismus und die Orientierungslosigkeit: Weg mit Gendersternchen, Homoehe und Toiletten fürs Dritte Geschlecht, Flugscham-Quatsch und plötzlicher Klimahysterie: Das geht uns zu weit, das können wir nicht nachvollziehen, das verwirrt uns. Wir wollen unsere klare Orientierung zurück. Die AfD ignoriert die Fakten und tut so, als könnten wir um Jahrzehnte zurück gehen, wo wir allerlei Probleme noch nicht hatten oder sahen.

Rückschritt ist offensichtlich keine Option. Aber wir brauchen eine Orientierung – hierauf weist uns die AfD indirekt zu Recht hin. Und zwar eine Orientierung, die uns von heute an weiterbringt (nicht zurück). Die Relativismuskrise ist typisch in der Ich-Entwicklung. Sie wird überwunden durch die nächste Stufe. Diese bietet (1) neue Klarheit, eine Ordnung auf höherem Niveau, (2) die Akzeptanz der Beiträge aller vorigen Stufen – ohne dahin zurück zu wollen. Also beispielsweise ist der positive Beitrag der AfD-Wähler: Er weist uns auf unser Relativismusproblem hin.

Zurück zu Klimakrise und Klimakabinett. Obwohl nur 0,06 Prozent der Klimawissenschaftler keinen menschengemachten Klimawandel sehen und obwohl selbst die meisten AfD-Anhänger durchaus den menschengemachten Klimawandel akzeptieren, wird die AfD massenhaft gewählt.

Das Hauptargument der Klimawandelskeptiker und Gegner von konkreten Maßnahmen ist es, zu behaupten: Die Wissenschaft ist sich uneins, es gibt noch Forschungsbedarf. Damit schlagen sie genau in diese Relativismuskerbe und stiften gezielt Verwirrung. Die Unzahl der Beschlüsse des Klimakabinetts produziert die gleiche Verwirrung. Im entscheidenden Punkt und insgesamt: Kein klares Entweder-oder. In jeder Talk-Show und politischen Debatte wird diese Verwirrung reproduziert, indem sich die Parteien lauthals streiten, was zu tun ist. Obwohl sie sich – mit Ausnahme der AfD – eigentlich einig sind, dass wir etwas Wirksames tun müssen. Obwohl die Fakten klar sind, findet das Klimakabinett in der zentralen Frage einen Beschluss, der nach einhelliger Meinung der Wissenschaftler praktisch keine Wirkung hat. Warum? Weil sie Angst hat vor den Wählern, vor den anderen Parteien, vor den eigenen Parteianhängern.

Dem Konsens von 99,94 Prozent der Klimawissenschaftler steht ein stetes Streiten der Parteien gegenüber. Statt: einen Konsens in einer zentralen Frage – dem CO2-Preis – herzustellen, gemeinsam zu vertreten und vernünftig und verantwortungsvoll zu handeln. Relativismus und Orientierungskrise statt Klarheit.

Unsere feine Zukunft

Wenn die Politiker statt aus Angst zu handeln, Klarheit vermitteln, wird die Zukunft fein. Wenn sie sich darüber einigen, stets zu betonen, dass es nur über den konkreten Weg Streit gibt, aber keinesfalls über die Dringlichkeit entschiedenen Handelns, wird endlich klar: Die Wissenschaft bietet eindeutige Ergebnisse. Wir handeln eindeutig und vernünftig, indem wir sie respektieren. Alle Parteien in Deutschland sehen das so. Nur die AfD nicht – weil sie die Fakten ignoriert.

Dadurch wäre endlich klar: Es gibt eindeutige Fakten. Alle geradeaus denkenden Politiker und Parteien folgen ihnen. Es ist weniger wichtig, was ganz konkret getan werden muss. Sondern dass etwas Wirksames getan wird. Jenseits allen Klein-kleins muss die Hauptlinie stimmen: Ein wirksamer CO2-Preis und zwar schnell. Also mit einer Steuer beginnen, weil sie schneller wirkt und dann von mir aus ein Zertifikatehandel. Am besten also beides: Weil dies schnell wirkt.

Konsens von Wissenschaftlern, Konsens von Parteien, Konsens mit Fridays for Future

Parteipolitik, Wählerstimmen, hier Klientel, da Klientel ist weniger wichtig, als verantwortungsvoll fürs Land und alle Menschen zu handeln. Menschen, WählerInnen sind in der Lage, geradeaus zu denken. Sie sind in der Lage, Faktenleugner zu erkennen, wenn man sie ihnen zeigt. Und zwar, wenn alle zusammen sie ihnen zeigen. Alle rationalen, verantwortlichen Parteien müssen im Kern der Debatte, im CO2-Preis, einheitlich handeln. Sie müssen zu einer wirksamen Größenordnung finden. Wir brauchen diesen Konsens aller vernünftig und verantwortungsvoll handelnden Parteien und Politiker. Das sind derzeit: Alle, außer der AfD.

Und die Angst, Stimmen an die Grünen zu verlieren? Unberechtigt, denn wenn alle sagen, der Klimawandel verlangt unser Handeln jetzt – dann gibt es quasi wieder eine Waffengleichheit zwischen den vernünftigen Parteien und keinen großen Vorteil mehr für die Grünen. Nur weil die das als erste gesagt haben, werden sie nun nicht plötzlich alle wählen. Der Höhenflug der Grünen war berechtigt aufgrund der Vergangenheit und des Momentums der letzten Jahre. Und die Grünen werden auch in Zukunft stark bleiben. Zurückschrumpfen lassen sie sich nicht mehr so einfach: Findet euch damit ab.

Es geht nicht um Intelligenz, um Bildung. Das haben unsere Politiker zur Genüge. Es geht um weniger Ego und den Schritt zu einem weiterentwickelten Ich. Darin können unsere Eliten unsere Gesellschaft voranbringen. Dahin können wir alle kommen. Nicht verzichten müssen, sondern wollen – weil wir vernünftig und verantwortlich handeln. Weil wir unseren Spaß zunehmend weniger indirekt über den Konsum immer neuer Dinge finden, sondern immer mehr im direkten Zusammensein mit Menschen, in der Natur, wo sie noch intakt ist und in der Freude auf eine bessere Zukunft mit am Ende (nach dem spiralförmigen Prozess der Ich-Entwicklung) sehr viel weniger Ego.

Zum Thema auch: Menschenskinder: Aktivisten- und Politiker-Gehirne leiden unter dem gleichen Klimaproblem

und

Generation Weltrettung

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