Verdienst: Top- und Flopberufe

Berufsbildung lohnt sich – das ist bekannt. Doch in welchen Berufsgruppen wird trotz Ausbildung wenig verdient? In welchen ist es leicht auch ohne Studium möglich, ein hohes Einkommen zu erreichen? Eine neue Studie des IAB zeigt die Ausreißer-Berufe auf.

Bildung lohnt sich

Es kann nicht oft genug betont und erklärt werden: Bildung bringt eine höhere Rendite als Gold und Aktien. Hierauf hatte ich hier bereits deutlich hingewiesen. Die entsprechende Grafik sollten alle Schüler, deren Eltern und Lehrer kennen. Zum Gebrauch vor allem dann, wenn es mal hapert mit der Motivation, die Schule erfolgreich abzuschließen.

IAB Durchschnittliche Brutto-Lebensentgelte

Diese Grafik ist dem Kurzbericht 1/2014 des IAB entnommen, den Sie hier nachlesen können.

Es ist also vollkommen klar: Im Schnitt verdient ein Akademiker mehr als ein Helfer, z.B. ein Fahrer. Aber im Einzelfall? Da gibt es auch Akademiker, die als Taxifahrer arbeiten. Der Taxifahrer mit abgeschlossenem Philosophie-Studium verdient aber nicht mehr, als der Kollege ohne jeden Berufsabschluss. Umgekehrt hat es schon mal ein gewisser Joschka Fischer zum Außenminister gebracht, der keinen formalen Berufsabschluss besaß, nur einem Taxischein. Selbstverständlich bekam er auch ohne Studium das angemessene Außenminister-Gehalt für seinen anspruchsvollen Job.

Um diese Fälle abzubilden, wurde untersucht, wie der Zusammenhang zwischen Anforderungen des Arbeitsplatzes und Entgelt ist. Hierzu liegt nun der Kurzbericht 17/2016 des IAB vor. Darin werden vier Qualifikationsniveaus unterschieden. Das Ergebnis ist klar: Je höher die Anforderungen des Arbeitsplatzes, desto mehr Entgelt steht zu erwarten, wie folgende Abbildung zeigt.

IAB-Lebensentgelte nach Anforderung

Das Ergebnis besagt also: Bildung lohnt sich vor allem dann, wenn man dem Bildungsstand entsprechend arbeitet. Und ein Aufstieg in einer anspruchsvollere Tätigkeit macht sich in der Regel positiv im Geldbeutel bemerkbar, selbst wenn man die erforderliche formale Qualifikation nicht hat. Empfehlenswert ist allerdings, sie nachzuholen, um den Stand zu sichern. Auch dann, wenn ein Stellenwechsel erforderlich sein sollte.

Soweit die Hauptergebnisse des IAB. Der Bericht enthält jedoch noch weitere wichtige Informationen.  So liegt eine Auflistung der einzelnen Berufshauptgruppen vor. Hier sind Berufe, die einander ähnlich sind, zusammen gefasst. Häufig ist ein klarer Branchenbezug gegeben. Für die folgende Grafik habe ich diese Berufsgruppen nach Anforderungsniveau eingefärbt.

Einfärbung Anforderungsniveau

Dementsprechend ist beispielsweise die Berufshauptgruppe „Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe“ in vier Farben vertreten, je nach Anforderungsniveau der Tätigkeit. 36 Berufshauptgruppen werden unterschieden, wobei nicht für jede ausreichend Zahlen vorliegt, um die Brutto-Verdienste in allen vier Anforderungsstufen zu unterscheiden. Sehen wir uns zunächst das Bild an, das sich durch die Einfärbung der Berufsgruppen ergibt, wenn diejenigen mit dem besten Verdienst nach oben, die mit dem schlechtesten nach unten sortiert werden.

Einfärbung Berufshauptgruppen

Der visuelle Eindruck ist eindeutig. Ganz oben stehen ausschließlich gelbe Flächen – für akademische Berufe. Ganz unten findet sich das blau der Helferberufe. In der farblich gemischten Zone, die insgesamt den größten Teil der Grafik ausmacht, kann man sagen: Insgesamt stehen die meisten Experten-Jobs (gelb) oben, die meisten Helferjobs (blau) unten. Grüne Flächen für Spezialisten finden sich eher im oberen Teil aber nicht ganz oben, das Lila der Fachkräfte erscheint dagegen im unteren Teil, aber nicht ganz unten.

Die Grundaussage lässt sich also auch in der gewählten Darstellung erkennen: Experten verdienen am meisten, dann folgen Spezialisten, dann Fachkräfte, am Ende stehen die Helfer.

Allerdings fällt auch auf, dass es manche Spezialisten (grün) bis fast nach ganz oben schaffen. Sogar die Fachkräfte (lila) gewisser Berufsgruppen gelangen fast an die Spitze und überholen viele Akademiker.

Anders herum finden sich Spezialisten mancher Berufsgruppen weit unten in der Verdiensthierarchie. Und viele Fachkräfte verdienen nur auf Helferniveau. Welches sind diese Ausreißer noch oben und nach unten? In welchen Branchen lohnt sich ein Studium, wo bringt eine Ausbildung dagegen mehr als in anderen Feldern ein Studium? Darum geht es im Folgenden.

Finanziell lohnt sich nur das richtige Studium

Die Top-Studiengänge finden sich in folgenden Branchen:

Top - Experten

Das bedeutet beispielsweise: Humanmediziner verdienen im Schnitt der Angestellten am meisten. Das bedeutet aber nicht, dass sie alle gleich verdienen. Insbesondere in der Selbständigkeit gibt es erhebliche Unterschiede beispielsweise zwischen dem Radiologen mit einem absoluten Spitzenverdienst und Psychiatern oder den tapferen Betreibern von allgemeinmedizinischen Landarztpraxen. Die Selbständigkeit ist jedoch oben nicht erfasst. Aber auch jenseits der Selbständigkeit gibt es große Unterschiede zwischen Assistenzärzten und Klinimanagern. Trotzdem gilt insgesamt: Wer Humanmedizin studiert hat, macht in der Regel einen guten Schnitt. Ähnliches gilt für Akademiker in der technischen Forschung, der Fahrzeugtechnik, dem Vertrieb und der Unternehmensführung.

Sehen wir uns nun das andere Ende der akademischen Berufe an. Sie finden sich nicht am absoluten Ende der Gehaltsskala; denn da stehen die Helfer. Aber es gilt: Eine anspruchsvolle Tätigkeit auf Expertenniveau bringt in der schlecht bezahlendsten Branche kaum mehr als eine durchschnittliche Berufsausbildung ein. Wer also überlegt, Hotel- und Tourismusmanagement zu studieren, sollte sich genauer über die Verdienstmöglichkeiten informieren – und später möglichst im Beruf aufsteigen, damit sich das Studium lohnt.

Wessen Traum die Hotelerie ist, der wird sich nicht abhalten lassen. Und natürlich sollten Sie generell Ihre Berufsidee weiter verfolgen, trotz dieser Grafiken. Beispielsweise verdient ein Lebensmittelchemiker im Schnitt circa 500 Euro weniger pro Monat, als ein Chemiker. Er liegt aber dennoch auf einem sehr ordentlichen akademischen Niveau. Es kommt also am Ende auf den einzelnen Beruf an, nicht nur auf die Branche / Berufshauptgruppe. Und natürlich spielen viele weitere Faktoren beim Gehalt eine Rolle: Von der Arbeitgebergröße über die Hierarchiestufe bis zur Region Ihrer Anstellung.

Flop-Berufe Experten

Spezialisten-Berufe: Tops und Flops

Wenn man eine Ausbildung in Erwägung zieht, kann der zu erwartende Verdienst eine untergeordnete Rolle spielen – falls man nämlich die Weiterbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt fest eingeplant hat. Im ersteren Fall bietet sich zudem eine Selbständigkeit an – eine auch finanziell verlockende Perspektive für Leute mit Potential.

Allerdings gibt es auch auf Spezialisten-Ebene finanziell eindeutig unattraktive Wege. Welches sind also die Top- und Flopberufe unter den Spezialisten? Zunächst zu den Tops.

Top-Spezialisten

Damit liegen die meisten IT-Spezialisten wie auch solche in vielen Werbungs- und Marketingberufen bei einem höheren Verdienst als der durchschnittliche Akademiker. Viele Büro- und Industriekaufleute mit Weiterqualifizierung und / oder mit Führungsjob werden ebenfalls mehr einnehmen als beispielsweise Absolventen der Studiengänge Theologie oder Soziale Arbeit.

Flops-Spezialisten

Diese Zahlen sind so ernüchternd, dass sich folgender Gedanke anbietet: Ein Aufstieg in der Hotellerie von der Fachfrau zur Spezialistin lohnt sich insofern, als Sie auf Lebensarbeitzeit gerechnet ein Plus von rund 300.000 Euro erwarten können. Wenn Sie aber die Branche wechseln, haben Sie gute Chancen, sich damit zu verbessern, so viel höher liegen in anderen Berufsbereichen die üblichen Gehälter.

Ausbildung kann sich mehr lohnen als ein Studium

Wie sich an den unten stehenden Abbildungen zeigt, stößt ein Abiturient, der sich für eine Ausbildung entscheidet, durchaus in Verdienst-Kategorien vor, die sonst Akademiker besetzen. Vorausgesetzt, die Branche stimmt.

Top-Fachkräfte

Dies trifft auf die lukrativen IT-Berufe zu. Passenderweise werden hier tatsächlich vorwiegend Abiturienten für die Ausbildungsplätze ausgewählt. Aber auch die immer gefragten Bilanzbuchhalter können gut verdienen. Wer beispielsweise Immobilien- oder Groß- und Außenhandelskaufmann oder -frau gelernt hat, kann sich einerseits nur noch mit wenigen Akademikern messen. Der Lebenszeit-Brutto-Verdienst ist aber andererseits fast doppelt so hoch, als bei Restaurantfachleuten, Gebäudereinigern oder auch beim Sport- und Fitnesskaufmann – im Schnitt.

Flops-Fachkräfte

Eigentlich keine Alternative: Helfer bleiben

Als junger Mensch mit ausreichend Deutschkenntnissen ungelernt arbeiten ist aus einigen entscheidenden Gründen keine Alternative:

  1. Eine Weiterentwicklung ist nicht möglich. Der erste Schritt beim Aufsteigen ist eine Berufsausbildung bzw. ein Studium. Auf dieser Basis kann nachgelegt werden, beispielsweise durch die sogenannten Aufstiegsweiterbildungen zum Meister, Techniker, Fachwirt. Auch spezielle Qualifikationen wie die CNC- oder SPS-Fachkraft oder der Bilanzbuchhalter dienen der beruflichen Weiterentwicklung. Oder Qualifizierungen in BWL, Sprachen, EDV, Projektmanagement etc.. Ohne Beruf ist dies alles selten möglich und sinnvoll.
  2. Die Arbeitslosigkeit liegt bei Ungelernten im Schnitt bei 20 Prozent. Mit Ausbildung bleibt sie bei 5-6 Prozent, bei Akademikern halbiert sich diese Zahl nochmals auf circa 2,5 Prozent. (Würde die Arbeitslosigkeit im obigen Modell berücksichtigt, schnitten die Helfer im Verdienst noch schlechter ab, als dargestellt)
  3. Im Lauf der letzten Jahrzehnte nahm die Anzahl der Helferstellen immer weiter ab – ein Ende ist nicht in Sicht.
  4. Die Inhalte der Arbeit von Helfern sind häufig monoton und zuweilen auch gesundheitsbelastend.

Der Verdienst, solange man einen Job hat, gehört nicht zu den Gründen, die gegen ungelernte Arbeit sprechen. Besonders industrielle Schichtarbeit kann sich finanziell lohnen. Allerdings sind die entsprechenden Arbeitszeiten nicht für alle attraktiv. Vielen fällt es mit den Jahren zunehmend schwer, sie zu bedienen. Hier nun die Top- und Flopberufe unter den Helfern.

Top-Helfer

Flops-Helfer

Fazit: Informieren über Branchen und Verdienste

Ob es um eine Berufswahl oder um eine berufliche Umorientierung geht: Es lohnt sich in jedem Fall, vorab die möglichen Einkommen zu recherchieren, denn die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen / Branchen sind gewaltig.

Dabei wird das Geld bei Ihrer Entscheidung immer nur ein Aspekt unter mehreren sein – und das ist gut so. Allzu häufig werden allerdings Entscheidungen aus purer Naivität („Aufs Geld kommt es nicht an.“) falsch getroffen. Oder man ist zu bequem, sich ausreichend zu informieren. Dann bekommen Sie vielleicht später die Quittung – und das wäre schade.

Alle Grafiken und Zahlen sind allerdings solche der Vergangenheit bis Gegenwart. In Zukunft werden sie sich ändern – wenn auch wahrscheinlich nicht vollkommen grundlegend.

 

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