Skandal: TV-Experte Scholl äußert Meinung

Fußball-EM

Deutschland besiegt in einem offiziellen Fußballspiel Italien und ARD-Fußballexperte Mehmet Scholl hat trotzdem etwas zu kritisieren. Geht ja gar nicht! Oder doch?

Eklat um Kommentar von Mehmet Scholl

Der Vorfall

Jahrelang gelang es keiner DFB-Auswahl mehr, die Kicker Italiens in einem entscheidenden Spiel zu schlagen. Und dann klappte es doch. Alle freuten sich maßlos. Nur der Fußballexperte Mehmet Scholl äußert sich unzufrieden. Er kritisiert die Taktik, die Umstellung auf eine 3-er-Abwehrkette. Die Anpassung an den Gegner. Er greift gar den DFB-Spielbeobachter Urs Siegenthaler persönlich an.

Die Reaktion

Sofort reagieren die Medien aufgeregt. So war zu lesen, dass Scholl seine Position als ARD-Experte ausnutze. Und zu hören, dass er die falsche Form gewählt habe – die des persönlichen Angriffs. Der Spiegel fabuliert, er sei „Wiederholungstäter“. Was ist davon zu halten?

Charakter zeigen im Fernsehen und die Folgen

Spannend ist die ganze Geschichte in mehrerlei Hinsicht. Erstens ist es immer auffällig, wenn jemand im Fernsehen eine klare Position bezieht. Alles, was nicht stromlinienförmig daher kommt, zieht sofort die Kritik auf sich. Das wäre nach meinem Dafürhalten an sich schon ein Skandal. Wir leben schließlich in einer Demokratie und das ist gut so. Aber im Umfeld der deutschen Nationalmanschaft ist es genau anders herum. Als Peer Mertesacker im Interview nach einem heftigen Kampfspiel bei der WM 2014 auf die unattraktiv gewonnene Partie angesprochen wurde, herrschte er den Journalisten an, es gehe ja wohl um den Sieg, der sei äußerst hart errungen worden, das solle wohl genügen, er müsse jetzt erst mal drei Tage in die Eistonne, um sich zu erholen. Die Eistonne ist seither zum geflügelten Wort geworden.

Üblicherweise sind alle Nationalspieler darauf trainiert, auch noch die blödesten Fragen direkt nach dem Spiel höflich zu beantworten. Angreifer Max Kruse wurde wegen Fehlverhaltens von der EM-Teilnahme ausgeschlossen. Er hatte nach seinen Angaben einer Journalistin, die ihn bei einer Feier fotografiert hatte, ihr Smartphone entrissen. Und außerdem 75 Tsd. Euro im Taxi liegen lassen. Geht gar nicht, als Fußball-Nationalspieler. Man muss immer freundlich, medienkompatibel, bürgerlich-anständig sein. Typen sind nicht gefragt. Das ist so, bei den DFB-Fußballern. Und nun also Scholl.

Äußerungen im Ärger sind ehrlich

Es mag Menschen geben, die quasi über den Dingen schweben und sich über nichts mehr aufregen. Bei den meisten ist es aber so, dass null Reaktion auf Misstände bedeutet, dass wir gleichgültig sind oder keine eigene Meinung vertreten. Will heißen: Wer sich ärgert, ist zweierlei: Erstens engagiert und zweitens ehrlich.

Wenn wir einen Menschen, der Klartext spricht, anfeinden, stellt sich daher die Frage, ob es uns lieber wäre, wenn er geschwiegen hätte? Und wem dazu nur noch einfällt, dass die Form nicht okay war, zieht den Verdacht auf sich, dass er die Form über den Inhalt stellt. Hauptsache höflich, alles andere ist egal.

Charakterlos Karriere machen funktioniert nicht

Mehmet Scholl hat Charakter gezeigt, indem er seine Meinung offen geäußert hat. Wie bei den meisten Menschen üblich in der Aufregung (bitte an die eigene Nase fassen!) war die Form nicht ganz okay. Den persönlichen Angriff gegen Siegenthaler hätte er sein lassen sollen, ja. Dafür stehen der Inhalt und die Ehrlichkeit zu Buche. Unter dem Strich: So oder gar nicht – wir hätten diesen Inhalt von einem gänzlich abgeschliffenen charakterlosen Medienmenschen gar nicht bekommen. Den persönlichen Angriff nicht, aber eben auch nicht den Fußball-Experteninhalt. Denn das war es: Die Kommentierung einer Taktik in einem Spiel. Dafür wird der Experte angestellt. Das ist seine Job-Description. Schließlich war der Sieg glücklich. Verdient zwar, aber auch nicht wirklich souverän (Elfmeterschießen! 7:6!).

Kommen wir nun zum Inhalt. Spannend finde ich die Spiegelung: Scholl hat genau das von der Mannschaftstaktik forderte, was er gerade vorgelebt hat: Charakter zu zeigen! Zu dem zu stehen, was sie gut können, anstatt sich immerzu dem Gegner anzupassen! Ob er fußball-taktisch recht hat, kann ich nicht beurteilen. Und wir werden es nie erfahren. Denn das Spiel lief nun einmal so, wie es lief, mit 3-er-Kette, mit Höwedes und (zunächst) ohne Draxler. Mit sehr wenigen klaren Chancen.

Was den Beruf allgemein angeht, kann ich jedoch klarstellen: Charakter zeigen, d.h. im Zweifel klar und deutlich die Meinung zu sagen, ist auf Dauer erfolgversprechender, als sich so sehr anzupassen, dass keine eigene Meinung mehr erkennbar ist. Sicher, optimaler Weise achten Sie zusätzlich darauf, dass Sie Ihre Äußerung in eine höfliche Form bringen. Und wenn Sie es schaffen, gehen Sie zusätzlich taktisch klug vor. Wählen Sie den passenden Moment und den richtigen Adressaten. Das lässt sich im Karrierecoaching vorab besprechen.

Aber bei der eigenen Meinung fängt alles an. Wenn Sie also nur die Wahl haben, ob Sie sich eine ehrliche Position erarbeiten und im Extremfall, was die Form angeht, mal übers Ziel hinausschießen oder ob Sie sich duckmäußerisch zurück halten bis Sie selbst nicht mehr wissen, was Sie eigentlich richtig finden, rate ich Ihnen zur aufrechten Haltung.

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