So gelingt Ihr Bewerbungsanschreiben!

Wenn Sie Ihre Bewerbung mit einem Lebenslauf ausstatten und mit Zeugnissen unterfüttern: Welche Funktion hat dann noch das Anschreiben? Lässt sich in ein paar Tipps umreißen, wie ein Bewerbungsanschreiben richtig formuliert wird? Auf den Erfolgsweg kommen Sie vor allem, wenn Sie das Anschreiben als Lesehilfe für die Bewerbung nutzen.

Jung, qualifiziert, arbeitslos

Vor kurzem erschien hier auf Zeit-Online der Artikel einer gut qualifizierten Akademikerin, die trotz vieler Bewerbungen keinen Erfolg hatte. Meine Kollegin Svenja Hofert formulierte hier in einem Nebensatz, sie wette, dass die richtige Strategie den Erfolg brächte. Ich sagte, dass ich diese Wette auch eingehen würde. Ohne weitere Details der Autorin des Zeit-Artikels namens Neureuter zu kennen, fiel mir sofort ein Fehler auf, der mit ihrem Anschreiben zu tun hat.

Achtung: Der Personalchef ruft an

Die Rohdaten von Frau Neureuter: Bachelor-Studium, 3,5 Jahre Arbeit als Redakteurin und PR-Referentin, betriebsbedingt gekündigt. Dann 90 Bewerbungen, zahlreiche Vorstellungsgespräche, kein Job. Abgesehen von allen Fragezeichen, die ich hier schon hätte, schreibt die Autorin nun: „Ich bewarb mich auf alle Stellen, die nur irgendwie auf mich passen könnten, auch als Sekretärin. Daraufhin rief der Personalchef eines großen Technologiekonzerns an. Er fragte mich freundlich, aber irritiert, ob ich die Stellenanzeige auch richtig verstanden hätte. Ich sei doch eindeutig überqualifiziert für die Position als Sekretärin.“ Das bedeutet für mich: Die Autorin muss das Anschreiben – wie es die meisten Bewerber tun – in den Sand gesetzt haben. Warum?

Anschreiben richtig formulieren

Das größte Problem bei Anschreiben heißt: Thema verfehlt! Selbst wenn Sie mit Rechtschreibung und Grammatik sicher umgehen und griffig formulieren können; solange Ihnen das Ziel Ihres Textes unklar ist, werden Sie nichts Brauchbares zu Papier bringen. Was ist nun die Funktion des Anschreibens? Erstens „konzentrierte Werbebotschaft“, zweitens „Lesehilfe für die Bewerbung“.

Bewerbungsanschreiben als konzentrierte Werbebotschaft

„Nennen Sie drei Gründe, wieso wir Sie einstellen sollten“. Diese Aufforderung wird in Vorstellungsgesprächen gerne verwendet. Übertragen Sie sie ruhig auf Ihr Anschreiben. Damit erstellen Sie eine konzentrierte Werbebotschaft. Sie bringt Ihr Bewerberprofil und das Stellenprofil (in diesem, konkreten Unternehmen) zusammen. Anders gesagt: Müllen Sie Ihre wichtigen Argumente nie mit Floskeln und Trivialitäten zu. Verzichten Sie auf Verweise und auf Selbstlob, das niemand überprüfen kann (a la „Ich bin flexibel, einsatzfreudig, teamfähig.“ Das kann jeder sein oder behaupten.)

Bewerbungsanschreiben als Lesehilfe

Was will die Schreiberin? Was motiviert sie zur Bewerbung? Wie soll ich ihren Lebenslauf und ihre Zeugnisse insgesamt einordnen? Darüber muss das Anschreiben Auskunft geben, das ist die zweite Funktion des Bewerbungsanschreibens. Nehmen wir einmal an, die Entscheidung der Zeit-Online-Autorin, sich auch auf Sekretariatsstellen zu bewerben, sei richtig. Dann muss das Anschreiben diese Entscheidung für den Leser verständlich machen, erklären, begründen. Wenn ein Personalchef anruft und nachfragt, ob die Bewerbung ernst gemeint sei, bedeutet dies: Das Anschreiben erfüllt seine Funktion als „Lesehilfe“ nicht. Es kann richtig sein, sich unter Qualifikation zu bewerben. Aber das muss begründet werden! Allgemein gilt: Je weniger selbstverständlich Ihr Anliegen ist, desto sorgfältiger müssen Sie es erklären. Wohlgemerkt: Nicht lang! Sorgfältig!

Anschreiben misslingen in aller Regel

Meiner Erfahrung nach ist das Texten von Bewerbungsschreiben so schwer, dass es in aller Regel misslingt. Dies trifft ausdrücklich auch auf Akademiker-Anschreiben zu. In der Regel fällt dies nur nicht auf, weil Ziel und bisheriger Berufsweg zusammen passen. Meine Spekulation zum diskutierten Fall: Wenn die Autorin in einem offensichtlich dringend erläuterungswürdigen Bewerbungsanliegen (Bewerbung deutlich unter der Qualifikation) das Ziel so deutlich verfehlte, hätte sie in allen anderen Anschreiben mehr heraus holen können. Man könnte auch sagen: Schade, dass sie nicht rechtzeitig kompetente Hilfe in Anspruch nahm.

Im nächsten Beitrag befasse ich mich mit Storytelling im Anschreiben.

Anmerkung: Ich hoffe und nehme an, Frau Neureuter heißt in Wahrheit anders. Denn es geht hier natürlich nicht um sie persönlich.

Hier beschreibe ich einen einfachen Weg für Sie, Ihr Anschreiben aufzubauen: Anschreiben leicht gemacht.

2 Kommentare

  • Sie beschreiben es treffend:

    „Meiner Erfahrung nach ist das Texten von Bewerbungsschreiben so schwer, dass es in aller Regel misslingt. “

    Genau, es ist nach meiner Auffassung eine Wissenschaft, genau den richtigen Ton zur richtigen Zeit zu treffen und bis auf ganz wenige Menschen, kann das die Mehrheit, meine Person eingeschlossen, nicht.

    Warum lässt man nicht fünfe Grade sein und ist in diesem Punkt viel großzügiger?

    Ich bewerbe mich auch für das Ausland und in Belgien kommen meine kurze schnörkellose Texte wohl gut an. Und es gibt sehr viele Länder auf unserem Planeten, die kommen nur mit dem Lebenslauf und den Zeugnissen aus und die Leute kommen auch alle in Arbeit.

    Aber leider habe ich in Deutschland, das Land der Dichter und Denker, das Gefühl, das Anschreiben muss super gut perfekt sein und es ist scheinbar wichtiger zu sein als der Lebenslauf.

    Das Motiv, das man sein Geld verdienen möchte, ist doch jedem klar, aber reicht die Bewerbung doch nicht alleine aus, dass man sich genau diesen Betrieb ausgesucht hat, als Motivation, als Grund für die einzelne Firma?

    Ich schreibe, nachdem ich es lange Zeit überhaupt nicht gemacht habe, meine Punkte schnörkellos genau wie in Belgien ins Anschreiben, auch dass ich bei der Firma mein Geld verdienen möchte.

    In den Schreiben zuvor hatte ich die Unterstützung einer Beraterin, die man mir zur Seite gestellt hat, die hat aber meine Sätze immer glatt geschliffen, so dass keine Ecken und Kanten vorhanden waren. Keine einzige dieser Bewerbungen (ca. 50 Stück) hat zu einem Gespräch geführt. Eine Bewerbung, von ca. 10 Stück, wo ich die Beraterin noch nicht hatte, hatte zu einem Gespräch geführt. Mir gibt das immer zu denken.

    Diese eine in Deutschland vor der Beraterinenzeit und mindestens sieben von ca. 25 Bewerbungen (die Beraterin kann im Gegensatz zu mir kein niederländisch) nach Belgien führten zu Einladungen. Also müssen meine eigenen Texte gar nicht so schlecht sein.

    Antworten
    • Guten Tag Herr Krämer,

      danke für Ihren Kommentar mit ausführlicher Darstellung Ihrer Erfahrungen!

      Sie haben mich angeregt, einen späteren Artikel zu verlinken „Anschreiben leicht gemacht“ (s.o.). Mit dieser Bauanleitung gelingt es ganz gut, selbst funktionelle Anschreiben zu verfassen.

      Ihnen viel Erfolg beim Bewerben!

      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten

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