Storytelling-Anschreiben: Ein Beispiel

Manch einer mit Zick-Zack-Lebenslauf fragt sich: wie kann ich mein Profil in der Bewerbung positiv darstellen? Ein guter Weg ist häufig das Storytelling-Anschreiben. Damit geben Sie Ihrer Lebens- und Berufsgeschichte den richtigen Dreh – selbst wenn die Ihnen momentan nicht so gut gefällt.

Vom Industriemechaniker zum Bilanzbuchhalter

Vor einigen Wochen habe ich als Experte bei Monster mein Forum „Bewerben mit Ecken und Kanten“ betreut. Der Leser „Doki“ trug seinen Fall vor: Hauptschulabschluss, Ausbildung zum Industriemechaniker, Quereinsteiger bei einer großen Bank, Mittlere Reife, Ausbildung zum Versicherungsfachmann und zum Bilanzbuchhalter, zuständig bei einer Großbank für einige Milliarden Euros. Derzeit Arbeit suchend. Ein ziemlich bunter Lebenslauf, der damit eine Voraussetzung für das Story-Telling-Anschreiben erfüllt.

In meiner Antwort auf den Ratsuchenden schreibe ich: „die Frage ist tatsächlich, was Sie wollen. ‚Es hat sich alles so ergeben‘ schreiben Sie – das ist in der Regel genau das, was Unternehmen nicht hören wollen.

Die Personalabteilungen suchen nach einer schlüssigen, plausiblen Story. Der Kandidat soll greifbar und verständlich sein. Sie wollen kein Risiko einkaufen. HR-ler reißen sich auch nicht darum, schwierige Fälle aufzuklären. Deshalb muss die Person, die sich bewirbt, selbst erklären, was sie warum will und wieso sie es kann. Wenn sie selbst das nicht kann, wer soll diese Aufgabe sonst stemmen?

Mag sein, dass Ihre Geschichte schwieriger zu erklären ist. Dennoch gelingt es bestimmt, auch Ihre Story rund zu machen.“ soweit das Zitat aus dem Forum.

Zwei Varianten

Nun biete ich zwei Überschriften für eine Story an. (1.) „Multitalent sucht Einsatzgebiet“ oder (2.) „Vieles ausprobiert, jetzt am Ziel“. Auf den ersten Blick ähneln sich die Aussagen. Doch betrachten wir sie genauer.

„Multitalent sucht Einsatzgebiet“

Vor dem Hintergrund des beschriebenen, bunten Lebenslaufs: Welche Stelle könnte für eine solche Überschrift passen? Eine Idee: Bilanzbuchhalter bei einer Eventagentur. Eine andere: Bankberater bei einer „etwas anderen Bank“, beispielsweise der Bank für Sozialwirtschaft. Oder: Mitarbeiter eines Projekts für Mikrokredite. Man kann hier viel Fantasie einbringen. Und man sollte jeweils fragen, ob die Person Bezüge zu den Jobs hat. Ein Hobby-Risikosportler würde zur Eventagentur passen. Ein sozial Engagierter zum Ökoinvestment. Nehmen wir einmal letzteres als Beispiel an. Der Aufhänger kann dann oben auf dem Anschreiben („Betreff“) stehen. Der Text könnte so beginnen:

„Guten Tag Frau X,

Sie suchen einen Menschen, der sich schon immer für grüne Ideen engagiert hat? Sie suchen einen neuen Mitarbeiter, der solide Qualifikationen im Finanzbereich vorweisen kann und dennoch eine weite Perspektive mitbringt? In fünfzehn Jahren Berufslaufbahn habe ich anerkannte Abschlüsse erworben und viel Praxiserfahrung gesammelt. Dennoch konnte ich mir Offenheit und die Fähigkeit zum flexiblen Denken bewahren. …“ Vielleicht ändert sich durch das Formulieren des Anschreibens auch nochmal der Aufhänger. z.B. in „Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.“ Der Zick-Zack-Weg wird in dieser Variante als Beleg für Offenheit und Flexibilität verstanden.

„Vieles ausprobiert, jetzt am Ziel“

Was wird mit diesem Satz behauptet? Die vorigen Stationen waren eine Art Test, wo der Bewerber wirklich hingehört. Sie haben ihn bereichert. Er findet es wichtig, dass er manches ausprobiert hat. Aber letztlich ist er mit Herz und Seele Bilanzbuchhalter. Ein Text-Anriss fürs Anschreiben wäre:

„Sehr geehrter Herr X,

vielleicht muss einer erst Industriemechaniker lernen und Versicherungsfachkraft werden, um ein guter und leidenschaftlicher Bilanzbuchhalter zu sein. In meinem Fall war es so. Meine früheren Berufe sehe ich als Bereicherung meines Lebens, die zugleich die Qualität meiner Arbei erhöht. Wer erlebt hat, dass tausendstel Millimeter Abweichung eine ganze Palette Ausschuss produziert, lernt Zahlen von einer sehr praktischen Seite kennen. Heute …“

Sie sehen also: Besonders für Lebensläufe mit Ecken und Kanten eignen sich Storytelling-Anschreiben.  Vielleicht hat Ihnen Ihr „Menu of your life“ bisher nicht geschmeckt. Doch nur Mut: Mit dem richtigen Rezept hergestellt und fein abgeschmeckt wird Ihr Profil nicht nur bei Ihnen beliebter sein, sondern auch in vielen Personalabteilungen ankommen.

Zuletzt schrieb ich hier über Anschreiben.
Im nächsten Beitrag biete ich Ihnen eine Bauanleitung für innovative Storytelling-Bewerbungsanschreiben.

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