Smalltalk-Stuff: Fußball-Trainer-Karrieren zum Jahreswechsel

Der Berufsalltag ruht. Dafür gibt es verstärkt Gelegenheiten zum Small-Talk. Was für einen Stoff bietet hier die Fußball-Bundesliga? Einige Anregungen zum Small Talk zwischen Karriere und Sport.

Rückblick: Trainerwechsel Anfang 2012

Vor Monaten hatte ich hier den Charakterkopf unter den Trainern der Erstligavereine beschrieben: Christian Streich, Trainer des SC Freiburg. Anlass war damals der Beginn seiner Trainer-Zeit. Vorangegangen war die erste Trainer-Entlassung in Freiburg, verbunden mit Kommentaren wie „der Verein wird jetzt ein normaler Bundesliga-Club“. Für mich hingegen war Streich, der alte Freiburger Fußball-Hase, die Rückkehr zum Prinzip. Trotz Trainer-Entlassung. Oder gerade deswegen. Streich war es, der junge Spieler einbaute, der motivierte, der anders war. Ich huldigte diesen Anfängen mit einer kleinen Hymne auf den Erfolgsbringer Charakter.

Stand heute

Den ersten positiven Anfängen unter der Regie des aktuellen Trainers folgten weitere Erfolge. Der SC verabschiedete sich zügig aus dem Abstiegskampf und wurde eine der besten Rückrunden-Mannschaften. Genau so ging es in der laufenden Saison weiter. Freiburg steht zur Winterpause völlig verdient auf dem 5. Tabellenplatz (und im DFB-Viertelfinale). Der club wird allseits gelobt, insbesondere die Arbeit des neuen Cheftrainers.

Kult-Trainer mit Kernsatz

Streich agiert ähnlich, wie es erfolgreiche Kwerkarrieristen grundsätzlich tun. Ehrlicher, direkter und insofern engagierter als andere. Als die Spieler zu Beginn gefragt wurden, was anders sei, erzählten sie von dieser direkten Art. Wer in Sachen Fußball weniger bewandert ist, dem empfehle ich den „Streich der Woche“ – Interview-Ausschnitte aus Video-Konferenzen mit dem Trainer-Original. Wer etwa „Probleme mit Multitasking“ oder „Gebete und Badewannen“ hier ansieht, bekommt schnell einen Einblick – und erlebt den Unterschied zu den üblichen Phrasen, die rund um den Fußball gedroschen werden. „Gebete und Badewannen“ könnte als Lehrvideo für jede Führungssituation vorgeführt werden.

„Wir wissen, wer wir sind“

Zwischen lustigen, knorrigen Sätzen, finden sich immer tiefe, selbstbewusste, ernste Aussagen. Herausgehoben steht dabei der Satz „wir wissen, wer wir sind“. Darin spricht Streich gegen den Größenwahn, gegen ein System von Starspielern, gegen das Prinzip „Geld schießt Tore“ (weil ganz einfach zu wenig Geld da ist in Freiburg), gegen zu große Ziele und Erwartungen. Er redet davon, dass jeder seinen Job machen soll (jeder Spieler, jeder Trainer), dass es immer wieder um seriöse, engagierte Arbeit an den jeweiligen Fehlern geht (wobei er auch immer sagt: Junge Spieler dürfen Fehler machen). Das Beste aus seinen Möglichkeiten machen, gelingt nur so. Nicht mit hochfliegenden Träumen.

Hecking wechselt nach Wolfsburg

Eine Meldung von anderen Vereinen, großes Thema in der Winterpause: Dieter Hecking, drei Jahre Cheftrainer bei Nürnberg, wechselt zum VFL Wolfsburg. Wie kommt den das? Das passt doch gar nicht! Wolfsburg, der kräftig von VW gesponserte Verein, zuletzt durch Trainerentlassungen und einen von vielen Beobachtern als unfähig betrachteten Trainer-Manager-Sportleiter Magath geprägt. Hecking, der jahrelang treu bei Nürnberg arbeitete. Wie konnte er mitten im Geschäft ohne lange Ankündigung seinem alten Arbeitgeber den Rücken kehren, ihn im Stich lassen? Bei näherem Hinsehen erschließt sich der Fall – und zeigt nebenbei eine wichtige Karriereregel auf. Hecking hat gute Gründe: Nicht nur dass er bei Wolfsburg durch das größere Budget viel mehr Möglichkeiten hat. Seine Familie lebt in der Region. Möglich wurde der Deal durch eine Ausstiegsklausel im Vertrag.

In der Analyse gleicht der Fall daher „dem ganz normalen Berufsleben“. Ein Angestellter muss, solange er für seinen Arbeitgeber tätig ist, absolut loyal sein. Im Gegenzug hat er das Recht, selbst zu kündigen. Dies passt den Arbeitgebern gewöhnlich nicht. Es muss auch für den (Ex-) Angestellten nicht angenehm sein. Er darf es lieber anders haben. Aber – gerade im Bundesliga-Geschäft – weiß er auch: Der Arbeitgeber wird sich im Ernstfall nicht zurückhalten, seinerseits den Vertrag zu kündigen. Also muss ich auch nach mir schauen. Genau dies hat Hecking getan. Sympathisch finde ich, dass er gleichzeitig nach seiner Familie geschaut hat. Insofern vollzog er einen klassischen Kwerkarriere-Schritt.

Nachtrag 15.01.2013: Streich zum besten Bundesliga-Trainer gewählt.

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