Porträt Christoph Burger
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05.01.2017 Karriere mit Charakter Persönlichkeitsentwicklung

Mehr Energie für Ihre Karriere

Wollen Sie wirklich etwas erreichen im Leben? Eine zufriedene, erfolgreiche Zeit? Ihr Wille mag da sein, doch vielleicht sind Ihnen die Hände gebunden. Ein Grund dafür könnte sein, dass Sie sich Ihre Hände selbst zusammen gebunden haben – und den Strick täglich fester zurren.

Lebenslang die falsche Hälfte

Vielleicht kennen Sie das Beispiel: Zwei Menschen stellen nach langer Ehe fest, dass sie Jahrzehnte ihr Brötchen falsch aufgeteilt haben. Er mag lieber die obere Hälfte, sie lieber die untere. In der Annahme, dem anderen einen Gefallen zu tun, verzichteten beide auf ihre Lieblingshälfte. Das Ergebnis: Erstens verausgabten beide psychische Energie, um den Verzicht ertragen zu können. Zweitens aßen beide immer die falsche Hälfte.

Dieses Beispiel lässt sich übertragen auf das, was wir im Beruf und Privatleben häufig tun. Wir wenden viel Energie auf, um etwas zu bekommen, was wir gar nicht wollen. Die falsche Brötchenhälfte. Die Ursache: Wir trennen nicht klar zwischen uns und den anderen. Die Vorstellung von dem, was wir sind und wollen, vermengt sich mit dem, was andere von uns halten und wie sie uns haben möchten. Die Sache mit dem Brötchen lässt sich dagegen schnell klären, wenn beide Partner ihr „Ich“ ausschließlich über sich selbst definieren. Bei der Vermischung von „ich“ mit Vorstellungen und Wünschen des anderen über sich muss die Kommunikation scheitern.

Sehen wir uns ein berufliches Beispiel dazu an.

Studieren mit halber Kraft

Susi ist Anfang zwanzig und tut sich seit Jahren schwer mit ihrem Studium. Jetzt steht sie vor dem Bachelor und sollte lernen, aber es läuft nicht besonders gut. Sie vertrödelt viel Zeit in der Kneipe, mit Freunden, im Internet. Irgendwie kann sie sich nicht richtig konzentrieren, sie organisiert sich schlecht und erleidet zwischendurch regelrechte Panikattacken, wenn sie an ihre Prüfungen denkt.

Grund dafür ist, dass von Anfang an unklar war: Wer hat letztlich ihre Studienentscheidung getroffen? Irgendwie wollte sie dieses Studium und ihre Eltern fanden es gut. Aber zu welchen Anteilen? Inwiefern hat der Wille der Eltern ihre eigene Entscheidung beeinflusst? Kurz: Was will sie wirklich? Genau auf diese Frage läuft es letztlich hinaus. Und sie kennt die Antwort nicht.

Der Ausweg kann nur persönliches Wachstum sein: Sich selbst entwickeln und klarerer trennen zwischen der eigenen Vorstellung und der anderer. Ergebnis: Das Studium mit voller Kraft oder etwas anderes – ebenfalls mit voller Kraft. Denn die Energie bleibt dann nicht mehr auf der Strecke.

Unklares Verhältnis zum Chef

Mark möchte das Verhältnis zu seiner Chefin verbessern und weiter kommen. Seine Vorgesetzte ermuntert ihn immer wieder dazu, eigene Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig möchte er den einleuchtenden Ratschlag beherzigen, dass die Karriere immer nur über den direkten Vorgesetzten führen kann. Das wiederum hieße, die eigenen Entscheidungen am Willen seiner Chefin auszurichten. Was also tun? Sein Dilemma stürzt ihn immer wieder in Entscheidungskonflikte. Er versucht aus den Hinweisen schlau zu werden, die ihm die Chefin gibt. Doch das ist schwierig: Mal fordert sie seine eigene Entscheidung ein, mal kritisiert sie seine Aktionen. Sein Selbstbewusstsein könnte besser sein und jetzt hat er auch noch gehört, dass man ihm eine Führungsposition aufgrund seiner Persönlichkeit nicht zutraut.

Auch hier ist der Grund für die Schwierigkeiten: Die Grenze zwischen Mark und Chefin ist unklar. Sein „Ich“ ist nicht eindeutig als „Sein Ding“ definiert, sondern ist immer wieder auch daran orientiert, was seine Chefin von ihm will. Er verbraucht viel Energie mit dieser ganzen Auseinandersetzung und kommt dennoch nicht richtig vom Fleck.

Der Ausweg besteht im persönlichen Wachstum, das dahin führt, klar zwischen sich und dem anderen zu trennen. Mark wird – am Ende dieses Weges – eine eigene Persönlichkeit sein, die sich klar umschreiben lässt. Im Begehen von Fehlern, im Feedback von anderen, wird er dann lernen, Verantwortung zu übernehmen für seine Entscheidungen. Er wird immer schneller und sicherer entscheiden, denn seine Energie geht nun nicht mehr im sinnlosen Versuch verloren, sein altes, unsicheres „Ich“ zu retten.

Tägliche Energieverschwendung stoppen

Bisher habe ich an zwei Beispielen die groben Linien verdeutlicht. Wir können uns aber auch den kleinen, täglichen Kampf ansehen: Ebenso inneffektiv, was das inhaltliche Ergebnis und die verausgabte Energie angeht. Menschen, die – wie die meisten von uns – auf einer Ich-Entwicklungsstufe stehen, die sich selbst zum Teil über andere definieren ….

Wenn Sie den einen oder anderen Punkt davon bei sich wieder erkennen, spricht viel dafür, dass die Beschreibung insgesamt auf Sie zutrifft:  Sie befinden sich dann auf einer Ich-Entwicklungsstufe E4/5 – wie circa 55 % der Bevölkerung. Aber wenn Sie diese Probleme sich selbst zuordnen können, tragen Sie bereits das Potential zum Wachstum in sich. Sie haben dann die Chance, sich in der Richtung einer starken Persönlichkeit zu bewegen.

Das bedeutet konkret:

Andere Energieverschwendungen stoppen

Wenn Sie in der Beschreibung andere erkennen, aber sich selbst auf keinen Fall, könnte dies zwei Ursachen haben. Erstens: Sie sind auf einer Vorkonventionellen Ich-Entwicklungsstufe, die durch Eigennutz bestimmt ist und haben die anderen noch gar nicht als regelmäßige Bezugsquelle für Ihre eigene Meinungsbildung gewonnen (E3) – rein statistisch ist dies unwahrscheinlich (circa 4% der Bevölkerung – und vermutlich circa 0% Leser dieses Blogs).

Zweitens: Sie haben sich bereits auf eine Stufe hin entwickelt, auf der Sie klar zwischen Ihrer Persönlichkeit und anderen trennen. Ist dies der Fall, fragen Sie sich vielleicht, wie Sie die Konflikte mit Menschen lösen, die ich oben beschrieben habe oder wie Sie diese gut führen können? Hier geht es darum, dass Sie Ihre eigene Ich-Entwicklungsstufe und das Modell kennen. Daraufhin können sie Ihr Verhalten entsprechend einstellen und Ihr eigenes Potential produktiv nutzen – statt auf frühere Stufen und Lösungen wie „ich setze mich mittels Macht durch“ zurück zu fallen.

Wenn Sie also zur Minderheit gehören, die klar zwischen sich und anderen trennt (E6 oder höher), gibt es wiederum zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie sind üblicherweise ruhig, haben klare Werte, treffen sichere Entscheidungen. Ihr Leben richten Sie an Ihren Überzeugungen aus. Sie sind sich sicher, die richtigen Werte zu vertreten. Wenn jemand ganz anders lebt oder arbeitet, können Sie sich darüber sehr aufregen. Trifft diese Beschreibung auf Sie zu? Das spricht für die „eigenbestimmte“ Ich-Entwicklungsstufe E6. Ihre Entwicklung – so Sie weiter kommen wollen im Leben – geht in der Richtung, die eigenen Werte zur Disposition zu stellen und situationsgerecht zu reflektieren. Ihr Vorteil liegt dann darin, weniger Energie damit zu verbringen, sich über andere aufzuregen. Zusätzlich wird es Ihnen gelingen, Ihre Kraft dafür zu nutzen, von anderen Sichtweisen zu profitieren. Und zwar egal für welches Wertesystem er oder sie steht.

Wenn dies alles für Sie bereits ein alter Hut ist, gehören Sie erstens zu einer Minderheit von lediglich circa 15 Prozent der Bevölkerung (E7 und höher). Zweitens sollten Sie sich zunehmend damit auseinander setzen, wo andere (die Mehrheit!) stehen und wie Sie mit diesen effektiv kommunizieren, arbeiten und leben können. Denn wenn Sie „Ich“ sagen und wenn jemand auf z.B. E4 oder E5 (gemeinschaftsbestimmt / rational) „Ich“ sagt, liegt zwischen diesen Wörtern ein himmelweiter Unterschied. Drittens können – selbstverständlich – auch Sie sich weiter entwickeln – und sich ausgesprochen spannende Erlebnisse ermöglichen.

Nur lesen – oder auch etwas tun? Hier geht es weiter zur eigenen Entwicklung: Mehr Energie für Ihre Karriere.

 



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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