Porträt Christoph Burger
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21.12.2016 Allgemein

Ein Terrorist ist ein Terrorist

Politiker von AFD und CSU fordern nach dem Anschlag von Berlin: Änderungen der Flüchtlingspolitik. Sie fordern Lösungen. Doch dieses Denken wird uns hindern an der wahren Lösung, die erkennt: Ein Terrorist ist ein Terrorist.

Ein Terrorist ist ein Terrorist

Wer betont, Terrorismus habe etwas mit Flucht zu tun, vergrößert unser Problem. Denn: Terrorismus hat etwas mit Terrorismus zu tun. Das ist zutreffend. Das ist wichtig.

„Aber war nicht der Attentäter ein Flüchtling?“ könnte man einwenden. Vielleicht. Aber ganz sicher war er oder sie ein Terrorist. Warum ist das wichtig? Weil wir nur eine Chance haben. Wir müssen erkennen: Selbst wenn der Attentäter ein Flüchtling war, dann gilt: Der Terrorist war AUCH ein Flüchtling. Ein Terrorist ist ganz sicher ein Terrorist, das unterscheidet ihn von friedlichen Menschen. Aber ein Terrorist ist nur manchmal etwas Bestimmtes anderes auch. Es gab schon Terroristen, die waren AUCH Christen. Und es gab schon Terroristen, die waren AUCH Deutsche.

In der braunen Zeit finden wir sehr viele deutsche Christen, die waren Verbrecher. Wer war Verbrecher, wer „Mitläufer“? Um dies herausfinden zu können, müssen wir genau hinschauen. Wer hat welche Taten begangen? Und wenn wir die Antworten haben, können wir sagen: Dieser Mensch war ein Verbrecher, jener war es nicht. Deswegen waren auch nicht alle Deutschen Verbrecher vor gut 60 Jahren. Aber leider viele. Wer genau? Um das zu bestimmen, muss man es sorgfältig untersuchen. Ohne genau hinzuschauen, können wir es nicht wissen. Und ebenso ist es heute: Wir müssen genau hinschauen. Ohne die Fakten ist alles unsicher.

Verbrecher sind Verbrecher

Deshalb sollten wir uns danach richten, was wir wissen: Verbrecher sind Verbrecher. Und Terroristen sind Terroristen. Daneben kann ein Terrorist AUCH Moslem sein. Ein Terrorist kann AUCH Christ sein. Er kann AUCH dunkle oder AUCH helle Hautfarbe haben. Er kann AUCH männlich oder sie kann AUCH weiblich sein. Wir müssen darauf achten, dass ein Terrorist ein Terrorist ist – und alles andere kann er auch sein.

Wenn wir so tun, als sei er auf jeden Fall auch etwas Bestimmtes – aus Pakistan, aus Afghanistan oder ein Moslem – dann leisten wir auf lange Sicht dem Terrorismus Vorschub. Denn wir teilen uns in Linke und Rechte, in CDU und CSU. Wir tun so, als sei diese Unterscheidung wichtig, bedeutend, wichtiger als vieles andere in dieser Frage. Wir tun so, als löse diese Unterscheidung wirklich etwas. Dabei teilt sie eine Gruppe, die eigentlich zusammen gehört. Sie teilt zwischen Abendland und Morgenland, zwischen  Christen und Moslems – ob friedlich oder nicht. Sie teilt zwischen Schwarzen und Weißen, zwischen Deutschen und Flüchtlingen – ob friedlich oder nicht. Je mehr wir diese falsche Teilung betonen, desto mehr gerät aus dem Blick, worum es eigentlich geht: Wir müssen Teilen zwischen Terroristen, die Terroristen sind, und friedlichen Menschen, die friedlich sind. Das ist die Teilung, die uns rettet – jetzt und in Zukunft.

Alle, die friedlich leben wollen, gehören zusammen

Alle, die friedlich leben wollen, egal welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts oder Herkunft, welcher Parteizugehörigkeit oder Religion, gehören zusammen. Wir sollten geschlossen auf der einen Seite stehen. Und die Terroristen stehen auf der anderen Seite. Das ist die einzige Teilung, die sinnvoll ist und die uns in Frieden leben lässt.

Denn „weiche Ziele“ kann man überall angreifen. Und solange der Hass in den Menschen wohnt, wird es diese Taten geben. Wir können sie jetzt, mittel- und langfristig nur verhindern, wenn wir sie gemeinsam ablehnen. Alle Demokraten, alle Christen, alle Moslems, alle Frauen, alle Männer, alle Deutschen und alle Zuwanderer. Das müssen wir alle deutlich machen. Moslems müssen es noch deutlicher machen. Und Anhänger aller Parteien müssen lauter, entschieder und vernehmlicher dazu stehen. Die linken Politikerinnen müssen die rechten dazu einladen, wenn sie es noch nicht begreifen und dies geduldig tun, solange, bis sie es begreifen.

Betonklötze vor Weihnachtsmärkten – das kann schnell gehen

Nur dadurch können wir den Hass aus den Herzen vertreiben und zu Respekt und gegenseitiger Achtung einladen. Und das kann lange dauern, aber wir können heute damit beginnen. Betonklötze vor Weihnachtsmärkte platzieren oder die Geheimdienstaktivitäten hoch fahren – das kann schnell gehen. Und dann ist es schon fertig. Aber das ist nicht die Lösung. Es hilft weiter, im Gegensatz zur politischen, trennenden Diskussion. Aber es ist nicht die Lösung.

Diese kann nur darin bestehen, dass wir zusammen halten und uns nicht irre machen lassen in unserer Haltung. Und nicht ungeduldig machen lassen, denn Friede, Vertrauen und die positive Verbindung von Menchen sind im Hauruck-Modus nicht zu haben.

Was hilft: Dass wir uns gegenseitig immer wieder daran erinnern, worum es geht. Es geht darum, die Grenzen zwischen uns abzubauen. Nicht den Ideologen eines IS auf den Leim zu gehen, diese Grenzen zu betonen und als das Problem anzusehen. Sondern wir müssen sie abbauen, wo immer es möglich ist. Daran müssen wir uns gegenseitig immer wieder erinnern, wo immer es nötig ist. Das ist unsere Aufgabe für die Zukunft und der einzige Weg, mit dem Terrorismus fertig zu werden. Und eine Grenze gibt es, die wir nur dadurch klar machen können, dass wir zusammen stehen: Die zwischen uns auf der einen Seite und den Terroristen auf der anderen. Ein Terrorist ist ein Terrorist.

Die „christliche Tradition“ sollte kein Graben sein

Die Verteidiger des Abendlandes rufen: „Wir müssen das Christentum schützen“. Als hätte es nicht kriminelle Taten im Namen des Kreuzes gegeben. Als seien alle Christen heute gut.  Bundesinnenminister de Maizière sagte, Weihnachtsmärkte, seien eine christliche Tradition. Da bin ich mir nicht sicher. Denn auf den Weihnachtsmärkten sind Christen wie Atheisten zu finden. Und ich bin sicher, dass auch einige Moslems gerne Glühwein trinken und gebrannte Mandeln knabbern. Viele friedliche Menschen unterschiedlicher Religion besuchen gerne Weihnachtsmärkte. Terroristen greifen sie an. Das macht den Unterschied aus.

Ich glaube, Weihnachtsmärkte als christliche Kultur zu bezeichnen, macht den Graben wiederum an der falschen Stelle auf. Wenn schon an die christliche Tradition anknüpfen, dann bitte an die Kultur des Friedens, des Verzeihens, des Sich-die-Hand-reichens, des geduldigen Glaubens und Arbeitens an einer besseren Zukunft. Und des Sich-erinnerns und gegenseitig Ermunterns, dass wir es zusammen besser schaffen. Wir müssen Gräben zwischen uns zuschütten. Nicht zuletzt die sozialen Ungleichheiten. Gerade in dieser Vor-Weihnachtszeit. Und dürfen nicht vergessen: Ein Terrorist ist ein Terrorist.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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