Kommunikation: Wie Sie andere überzeugen – ohne zu moralisieren

„Du musst das glauben!“ Da sind Sie sicher! Aber der andere denkt: „Nur noch weg hier!“. Je überzeugter Sie von etwas sind, desto schwieriger kann es sein, andere zu überzeugen. Führungskräfte werden menschlich abgelehnt und nur noch als Boss gesehen. Und die Aktivisten von Fridays4future erscheinen als unangenehme Moralapostel. Der folgende Post zeigt Hintergründe und Auswege.

Moral heißt „gut“ und „böse“

„Flugscham“ ist nicht nur ein Wort, sondern fasst auch gut zusammen, wie wir heute oft miteinander reden. Es geht ums richtige Verhalten angesichts der Klimakrise. Wir sprechen moralisch und verteilen Zensuren. Radfahren ist gut, SUV-Fahren ist böse. Haben Sie gerade „böse“ gelesen? Ja, denn das ist hier tatsächlich das, was mitschwingt. Falsch, klima- und menschenschädlich, zukunftsfeindlich, eben: Böse. Egal, worüber wir sprechen, die Moral schwingt mit. In der Politik wird dies sofort erkannt. „Du moralisierst“ ist ein wirksamer Vorwurf. Die Fakten geraten sofort aus dem Blickfeld. Aus um ihre Zukunft besorgten Jugendlichen werden plötzlich Moralisierer. Unangenehme Menschen, die ihre Kompetenzen eindeutig überziehen und in der freiheitlichen Gesellschaft im Grunde nichts zu suchen haben. Je mehr Moral mitschwingt, desto erfolgloser das Argumentieren. Die Sache, um die es eigentlich geht, wird in den Hintergrund gedrängt.

Vergangenheit und Zukunft trennen

„Wer einen SUV sein eigen nennt und gerade von einer Fernreise zurückkehrt, hat sein Umweltbudget auf Kosten von anderen überzogen.“ Man beachte die Vergangenheitsform in diesem Satz. Sie kennzeichnet eine physikalische Tatsache: Was hier kritisiert wird, liegt in der Vergangenheit! Wer anderen die Vergangenheit vorhält, treibt sie moralisch in die Enge. An dem, was bereits geschehen ist, können sie doch nichts mehr ändern. Für das, was war, bleibt uns nur noch das Schuldgefühl. Die Religion und unser Strafrecht hält viel von Schuldgefühlen. Aber ist dadurch wirklich etwas zu gewinnen? Der Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation erklärt, dass es für einen Straftäter viel schlimmer ist, sich die Folgen seiner Tat wirklich bewusst zu machen, als Schuldgefühle zu empfinden. Die Höchststrafe ist es, sich auf einen ehrlichen Dialog mit einem Opfer einzulassen. Schuldgefühle sind da nur hinderlich.

Wie viel Schuldgefühl ist angemessen?

Was hat uns an den heutigen Punkt unseres Lebens gebracht? Unsere Gene, unsere Eltern, Erzieher, Lehrer, gesellschaftliche Normen und Gepflogenheiten. Unser Freundeskreis, die Nachbarn. Dazu, wie wir heute sind, hat beigetragen: Wo wir geboren wurden, in welchem Land, an welchem Ort, in welche soziale Schicht. Frühere Entscheidungen – die jeweils zu ihrem Zeitpunkt von allem anderen, was dem vorausging, abhingen – prägen uns. Sie bestimmen, welche Entscheidungen uns heute bleiben oder möglich sind. Zufälle, Pleiten, Pech und Pannen spielen eine Rolle, genauso wie glückliche Fügungen. Wie viel freie Entscheidung bleibt dann noch, um gerechtfertigt von Schuld zu sprechen? Selbst wenn Sie auf der Annahme der persönlichen Willensfreiheit bestehen, werden Sie zustimmen: Es wurden ungeheuer viele Weichen in der Vergangenheit gestellt. Je mehr Bedingungen uns aber in unserer Handlungsfreiheit einschränken, desto weniger Raum bleibt, um von persönlicher Schuld zu sprechen.

SUVs sind die Cash-Cows der Autoindustrie – was sind die Cash-Cows der Ökos?

Die Autoindustrie wird von Seiten der Umweltbewegung vielfach kritisiert, weil sie unverdrossen auf die umweltschädlichste Fahrzeugsparte setzt: SUVs und Geländewagen. Darüber habe ich schon viel gelesen. Noch nie habe ich dagegen von einer Kritik am zugrundeliegenden Kalkül gehört. Der Gedanke der Industrie ist schlicht: Mit diesen Fahrzeugen verdienen wir am meisten Geld. Wo können Ökofreunde beim persönlichen Verhalten von anderen am meisten herausholen? Bei den größten Umweltverbrauchern. Bei den SUV-Eignern, den Fernreisenden und Vielfliegern. Für die Industrie ist klar: Die besten, einträglichsten Kunden werden umworben. Die Klimaschützer jedoch machen eher das Gegenteil. Sie umwerben ihre potentiell besten KundInnen nicht, sondern reden ihnen ein schlechtes Gewissen ein. So, als würden sie damit die Vergangenheit verändern können. Geht aber nicht! Für niemand! Wenn wir heute mit anderen sprechen, können wir nur in der Gegenwart deren Gedanken beeinflussen. Und nur ihr zukünftiges Handeln prägen. NIE jedoch die Vergangenheit. Es spricht also eigentlich nichts dagegen, besonders freundlich mit denen umzugehen, die die größten Umweltverbraucher sind. Sie sind die Cash-Cows der Ökos und sollten umworben werden.

Gemeinsamkeiten suchen

Da gibt es zum einen die Fakten. SUV-fahren ist umweltschädlich, weil … Fliegen ist das schlechteste, was man als Einzelperson für die Umwelt tun kann, weil … . Zum anderen gehört zu einer Verständigung miteinander, sich über die jeweiligen Werte zu unterhalten. Etwa: Wenn wir in einem begrenzten verbleibenden CO2-Budget mehr verbrauchen, als uns zusteht, nehmen wir anderen ihr Budget weg. Wer sich in einem reichen Land dafür entscheidet, trotz allem eine Flugreise anzutreten, nimmt einem Menschen in einem armen Land das Recht, sich ein Moped zu kaufen. Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmung und Respekt sind beispielsweise Werte, die hier berührt sind. Für mich ist das einfach nicht okay, den armen Schluckern der Welt die Entwicklungsmöglichkeiten zu rauben. Aber mit Schuld hat das nichts zu tun. Zur Erinnerung: Die Vergangenheit ist nicht zu ändern. Es gilt, sich um die Zukunft zu kümmern.

Argumentieren mit Werten – ohne Moralisieren

Das Argumentieren mit Werten ist angemessen. Werte gehören zum Leben dazu. Wenn wir über Werte statt über Moral sprechen, haben wir höhere Chancen, dass das Gegenüber offen bleibt, statt zu blockieren. Sobald dessen Selbstschutz-Mechanismen aktiviert sind, ist es vorbei mit dem offenen Gespräch. Das gilt leider auch für das vollkommen unabsichtliche Aktivieren der Barrieren. Es geht nicht darum, dem anderen den eigenen Lebensstil aufzudrücken. Es geht um Fakten und Werte, die zu einem Verhalten gehören. Indem wir aktiv ansprechen, dass es uns um die Zukunft geht und nicht um die Entscheidungen der Vergangenheit, die ohnehin nicht mehr zu ändern sind, nehmen wir dem anderen die Schuldgefühle und erhalten seine offene Gesprächshaltung. Das ist kein argumentativer Trick, sondern Physik.

Werteorientiert führen

Während in solchen Gesprächen ein Austausch von Werte-Vorstellungen angebracht ist, hat die Führungskraft den Hut auf. Natürlich heißt das nicht, dass sie sie eigenen Werte nicht auch mit anderen besprechen kann. Letztlich entscheidet sich der/die Vorgesetzte jedoch selbst, bestimmten Werten zu folgen. Wesentlich ist hier, dass die propagierten Werte auch gelebt werden. Im Führungskräfte-Coaching ist es mir daher wichtig, die Werte der Führungskraft zu erkunden. Und klarzustellen, in welchen Situationen, sie welches Handeln begründen. Wenn Werte im Großen wie im Kleinen gelten und im täglichen Handeln und Kommunizieren immer wieder thematisiert werden, entsteht im Team eine klare Vorstellung davon, was von der Chefin zu erwarten ist. So kann gemeinsam an einem Strang gezogen werden.

Werteorientiert in die Zukunft

In der Gesellschaft ist es nicht anders. Wer andere überzeugen will, muss auch mit seinem Verhalten die Werte ausdrücken, um die es geht. Für mich heißt das beispielsweise: Unser Bundesverkehrsminister Herr Scheuer kann von mir aus mit dem Panzer zur Arbeit fahren – wenn er eine umweltgerechte Verkehrspolitik macht. Das CO2-Budget, das er mit politischen Entscheidungen verursacht, liegt um einen Faktor von Hunderttausend höher als sein Privat-Budget. Nur: Er verhält sich sowohl im Hinblick auf seinen Dienstwagen, als auch auf seine Politik höchst umweltschädlich. Das ist ein Problem. Aber vor allem ist ihm seine Politik anzukreiden. SUV-Fahrer und Vielflieger sind insofern meine besten Freunde, als ich sie als Cash-Cows der Umweltbewegung ansehe. Sie können am leichtesten am meisten beitragen und sollten daher von Menschen- und Zukunftsfreunden umworben werden. Statt sie mit Moral zu verprellen. Hier müssen wir alle, die sich für die menschliche Zukunfte engagieren, umdenken. Leute, niemand will euch die Freiheit rauben! Wir brauchen nur eine vernünftige Sozialpolitik und das Umlegen der Umweltkosten auf die privaten Entscheidungen. Das fördert die Gerechtigkeit und erhält die Freiheit des einzelnen. Und den Planeten.

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