Klimakrise: Alles einfach! Wir stehen uns nur selbst im Weg

Ja, Natur und Umwelt sind voller komplizierter Wechselwirkungen. Klimaprozesse zu beschreiben und technische Lösungen zu entwickeln war schwer. Doch heute ist die Lage glasklar. Komplex und verwirrend ist jetzt nur noch unser Innenleben. Aber das müsste nicht sein.

Gravierende Krise – Handeln erforderlich

Bis weit in die Öko- und Aktivisten-Szene hinein reicht das Reden davon, dass die Klimakrise schwierig und alles komplex sei. Das ist kontraproduktiv – und es stimmt auch nicht! Die Lage der Menschheit kann in wenigen Sätzen klar benannt werden. Die Klimakrise greift die Lebensgrundlagen fundamental und umfassend an. Wir müssen so schnell als möglich dagegen steuern. Was zu tun ist, wissen wir. Wie wir es umsetzen könnten ist bekannt. Wir wissen um die Emittenten der Klimagase. Alternativen der Fortbewegung und der Energieerzeugung stehen bereit. Wir müssen es nur tun. Es betrifft uns alle. Sämtliche Instanzen und Personen müssen sich beteiligen. Vorneweg muss der Politik Druck gemacht werden, endlich die Verantwortung und Führung zu übernehmen. Andernfalls droht kaum vorstellbares Leiden bis hin zum Verlust der menschlichen Zivilisation.

Dazu gibt es zwar viele Details – aber im Grunde ist das die ganze Wahrheit. Um das so klar sehen zu können, brauchte es tausende wissenschaftliche Studien mit komplexen Klimamodellen. Wir greifen auf allerhand Technik wie Photovoltaik, Windenergie und Speichersysteme zurück. Wir nutzen Erkenntnisse aus vielen Wissensgebieten. Aber insgesamt sind die Befunde und Konsequenzen vollkommen klar und eindeutig.

Der weltweiten Forschung mit ihren seit Jahrzehnten bestehenden Erkenntnissen zu vertrauen, ist nicht schwer. Zugfahren ist nicht schwierig, Radfahren gesund. Ein Windrad hinterm Haus kann unangenehm sein, aber dafür gibt es Lösungen wie z.B. finanzielle Kompensation. Und wenn das Überleben auf dem Spiel steht, ist die Entscheidung klar. Dass es Quatsch ist, die Photovoltaik zu deckeln und gleichzeitig neue Kohlekraftwerke zu bauen und mit 50 Milliarden pro Jahr den CO2-Ausstoß zu sponsern, ist offenkundig.

Aber alles ist doch viel komplizierter …

Nein, ist es nicht. So lässt sich die Lage beschreiben. Jeder, der das mit etwas Abstand (z.B. von der ISS/ Overview-Effekt) betrachtet, würde das so sehen. Was die Situation kompliziert erscheinen lässt, was uns Kopfschmerzen bereitet, was in uns unangenehme Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung erzeugt, ist ein einziger Punkt: Unser Ego. Es sind unsere selbstbezogenen Gedanken. Was wird aus mir? Was bin ich bereit zu tun? Was soll ich von mir halten, wenn ich bisher nichts getan habe?

Wir brauchen nur wenig Intelligenz und Bildung, um die paar Sätze abstrakt-kognitiv zu erfassen, die unsere Lage beschreiben. Doch unser Ego verlangt, diese Katastrophe mit unserer eigenen Existenz zusammen zu bekommen. Und darüber, was die Lage für uns persönlich bedeutet, gibt es unendlich viele Sätze. Hier eine kleine Auswahl:

  • Das ist alles zum Verzweifeln für mich
  • Politik und Wirtschaft müssten endlich umsteuern, finde ich
  • Vielleicht ist alles doch viel komplizierter?! (wenn das nicht so wäre, wäre es echt krass und das will ich lieber gar nicht denken und fühlen).
  • Das ist einfach nicht vorstellbar. Was wird denn aus mir und aus meinen Lieben?
  • Selbst, wenn ich etwas machen wollte, ich weiß nicht wo anfangen.
  • Sollen doch die anderen was machen?! (mein Beitrag ist nur ein kleiner Teil. Wieso soll ich zurückstecken?)
  • Muss ich mich wirklich umstellen? Dazu habe ich wenig Lust!
  • Ich hasse diese Umweltfreaks.
  • Ich wollte dieses Jahr eine Fernreise machen.
  • Ich lasse mir nichts verbieten.
  • Was konkret soll ich machen, wo anfangen? Das ist schwierig!
  • Muss ich mich jetzt auch noch politisch engagieren? Wie und wo?
  • Ich habe keinen Mut und keine Hoffnung.
  • Die Politik müsste anfangen. Die Wirtschaft müsste anfangen. Irgendjemand anders müsste anfangen.
  • Solange die Politik nicht beginnt, kann es nicht so schlimm sein.
  • Man müsste die ganze Wirtschaftsweise umstellen – davor graut mir.
  • Mein Arbeitsplatz könnte in Gefahr sein, weil er an der fossilen Technik hängt.
  • Ich habe kein Geld für sowas.
  • Das alles ist sicher übertrieben. Die Forschungslage ist vielleicht nicht eindeutig. Vielleicht wird es auch einfach nicht so schlimm kommen. Ich will lieber daran glauben, als an das andere.
  • Heißt das alles, ich habe mein Leben falsch gelebt?
  • Ich traue mich nicht daran zu denken, wie es meinen Kindern einmal gehen wird.
  • Was passiert eigentlich international? Machen wir nicht schon genug?
  • Schadet es unserer Wirtschaft, wenn wir konsequenten Klimaschutz betreiben?

Sie merken: Es gibt tausende Fragen und Bedenken. Sicherlich sind Ihnen spontan auch viele eingefallen, die hier noch gar nicht genannt sind. Nun können Sie ein kleines Experiment machen:

  • Schreiben Sie sich alle Ihre Fragen auf, die Sie haben und alle Probleme, die Sie sehen.
  • Nehmen Sie sich im zweiten Schritt jeden Punkt vor. Vergleichen Sie genau: Ändert Ihr Punkt irgendetwas an dem, was ich oben als vollständige Beschreibung der Situation bezeichnet habe?

Wenn Sie ernsthaft der Meinung sind, dass ein Punkt etwas an meiner Beschreibung der Situation ändert, markieren Sie sich Ihren Einwand und prüfen Sie, was dahintersteckt.

Beispielsweise könnten Sie annehmen, dass die Wissenschaftler sich uneins sind. Sie werden bald feststellen, dass das eine Behauptung anderer Egos ist, die nichts verändern wollen. Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD war, dass 99,94 % (Antwort des Bundesumweltministeriums an die AfD, August 2019) der Wissenschaftler hier klar sind. Es gibt einen vollständigen wissenschaftlichen Konsens, seit langem.

Es gibt allerdings auch Gegenkampagnen, gesteuert von den betroffenen Egos besonders von Exxon Mobile ausgehend – seit Jahrzehnten. Konkreter: Seit ExxonMobil in den 1970er Jahren klar wurde, dass es den Klimawandel unstrittig gibt. Damals wurde die Strategie geboren, zu behaupten, alles müsse noch genauer erforscht werden. Handeln sei voreilig. Seit 50 Jahren! (dazu ist v.a. das Buch “Losing Earth” zu empfehlen).

Wenn Sie sich unsicher sind, ob wir die Mittel zum Umstieg haben, hören Sie sich den Experten für erneuerbare Energien Volker Quaschning im Interview mit jungundnaiv an.

Sie werden feststellen: Unsere Lage ist tatsächlich in diesen wenigen Sätzen beschreibbar. Es ist sehr einfach. Alles, was es schwierig macht, hängt mit selbstbezogenen Gedanken zusammen. Der Kern des Problems ist es, dass wir einen anderen Umgang mit der Sicht auf uns selbst und auf die Welt finden müssen.

Das ist aber gar nicht so schwer. Verblüffenderweise ist dies sogar im Menschen angelegt. Die persönliche Entwicklung des erwachsenen Menschen wird seit Jahrzehnten von der Psychologie beschrieben und in vielen Kulturen und Ländern der Welt beobachtet. Was dort zu sehen ist: Je mehr sich der Mensch traut, sich selbst zu hinterfragen, desto mehr weiten sich die geistigen Kapazitäten. Der Abstand vom eigenen Ego wird weiter. Bereits die erste Entwicklungs-Stufe beinhaltet die Abkehr vom Bild, nach dem alle Menschen Egoisten sind. Ab hier basieren unsere Freundschaften auf Vertrauen. Diesen Schritt schaffen 95 Prozent der Menschen [Modell der “Ich-Entwicklung” nach Jane Loevinger, Referenz-Verteilung nach Rooke, D., Tobert, W.R. (2005). Seven transformations of leadership, Harvard Business Review, 4, 66-76].

Damit sind die Grundlagen für die Demokratie, für Forschung, gesellschaftliche Regeln und Normen erreicht. Wir müssen nicht mehr alles selbst herausfinden, sondern können die Forschung beispielsweise den Klimaforschern und den von ihnen aufgebauten wissenschaftlichen Kontrollsystemen anvertrauen. Es ist für sie klar, dass folgendes Argument gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft völlig absurd ist: „Der ist Klimaforscher, der lebt doch davon, dem ist nicht zu trauen“. Jedenfalls pauschal und wenn man meint, als gelernter Kfz-Mechaniker oder Juristin besser Bescheid zu wissen. (Andernfalls würden Sie, wenn Sie krank sind, allen trauen, nur nicht den Ärzt*innen, denn “die leben ja davon” – mehr dazu hier).

Gemeinsam kommen wir aus der Klimakrise

Natürlich ist Ihr Beitrag gering – das trifft auf alle einzelnen Menschen mit ihren Egos zu. Aber wir haben uns alle gemeinsam in diese Krise hinein manövriert. Es geht auch – und nur – gemeinsam wieder heraus.

Für politisches Engagement gibt es viele Möglichkeiten, vom Unterschreiben von Petitionen, dem Gespräch in der Nachbarschaft über das Demonstrieren oder die Mitarbeit bei den parents4future oder anderen 4future-Gruppen.

Wenn Sie sich nicht einschränken wollen, nur Mut. Glückshormone gibt es überall! Auch woanders als im SUV, im Flieger oder beim Fleisch essen. Entdecken Sie, wie gut es sich anfühlt, sich wieder mehr selbst zu bewegen, die Heimat und die vielfältige vegetarische Küche zu entdecken. Und ab und zu ein Stück Wild oder Biofleisch, wenn Sie das gerne essen, ist absolut okay, na klar. Wir reden hier bitte nicht von Verzicht. Das ist das völlig falsche Wort. Es geht nur ums Umstellen von Gewohnheiten, um mehr nicht. Früher hielten wir Muttermilch für das Einzige und Größte, heute ist das anders. Und wer auf dem Land lebt, fährt eben erstmal mit einem Spritsparer, einem E-Auto oder mit anderen zusammen in einem Wagen zum Aktivist*innen-Treffen oder Sport, bis ihr oder ihm was besseres einfällt. Wir müssen nicht perfekt sein, sondern anfangen.

Der einfachste Schritt ist: Streichen Sie aus Ihrem Kopf den Gedanken, dass das Klimathema schwierig ist. Und intervenieren Sie, sobald das jemand behauptet. Schwierig ist nur, für sich herauszufinden, wo man jetzt effektiv loslegt. Aber das ist nur der Anfang und bald überwunden.

Warum leugnen Klimaleugner?

Vielleicht fragen Sie sich auch: Warum leugnen Klimaleugner? Warum verhalten sich die Menschen so kurzsichtig? Wie können wir nur so verdrängen?

Ähnlich wie bei den Klimawissenschaften gibt es hier einige komplexe Modelle. Menschen können sich ablenken, verdrängen, bequem sein. Psycholog*innen nennen das Mind-Behavior-Gap, führen “Kognitive Dissonanz” an, kognitive Verzerreffekte und vieles andere. Vielleicht möchten Sie das alles auch genauer verstehen – hierzu gibt es Quellen. Aber lenken Sie sich damit nicht von dem ab, worum es geht (mehr dazu im Interview / Podcast): Tun.

Fakt ist: Das einzige, was uns wirklich weiter hilft, ist es, der Wahrheit bestmöglich ins Gesicht zu sehen und per adäquatem Handeln bestmöglich darauf reagieren. “Entscheidend is aufm Platz” ist eine alte Fußballer-Weisheit, die sich hier mal wieder bestätigt. So ist es! Just do it! Kommen Sie ins Handeln und Sie werden sich besser fühlen. Tauschen Sie sich mit anderen aus und Sie werden Gleichgesinnte finden. Klimakrise ist einfach – lassen Sie sich nichts anderes einreden.

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