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03.11.2014 Karriereplanung

Job-Argumente: Fragen zum Sinn der Arbeit

Verursacht der Gedanken an Ihren Job helle Freude? Und stehen Sie montags begeistert auf, um schnellst möglich an Ihre Wirkungsstätte zu gelangen? Oder gehören Sie zu jenen, die sich mühsam zusammenreißen müssen, um sich überhaupt zum verhassten Arbeitsplatz zu quälen?

Vielleicht freunden Sie sich auch weder mit dem einen, noch dem anderen Extrem an. Mit welchen Fragen können Sie in diesem Fall prüfen, wie schlimm oder gut es aktuell um Ihren Job bestellt ist?

Folgende zwei Ansätze helfen Ihnen dabei einzuschätzen, wie sinnvoll und passend Sie Ihren Arbeitsplatz derzeit erleben. Monetäre Ansätze bleiben dabei außen vor. Stattdessen gilt die Maxime: Das Leben ist zu kurz für eine sinnentleerte Arbeit. Ungeheurem Zeitverlust und vergeudeter Energie können rechtzeitig vorgebaut werden.

Sollten Sie am Ende feststellen, dass Sie mit Ihrer Arbeit zwar unzufrieden, mit der exquisiten Honorierung (manche nennen es dann „Schmerzensgeld“) jedoch sehr einverstanden sind, bleibt es immer noch eine Option, sich so oder so zu entscheiden. Der Fragenkatalog hilft lediglich dabei, die Arbeitsstelle unter Ausblendung des Gehalts zu betrachten.

Kriterien zur Sinnhaftigkeit der Arbeit

Der folgende Fragenkatalog stammt aus einem Interview mit der Sinnforscherin Tatjana Schnell. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass Sinn nichts Subjektives und Privates geblieben ist, sondern wissenschaftlich erfasst werden kann. Der von ihr und Peter Becker entwickelte Fragebogen LEBE gibt Auskunft über Lebensbedeutungen und Lebensssinn (und findet auf Wunsch in meiner Karriereberatung Anwendung).

Hier nun die Fragen, welche Tatjana Schnell vorschlägt, um den Sinngehalt der eigenen Berufstätigkeit zu erfassen. Nehmen Sie sich zur Beantwortung eine ungestörte halbe Stunde Zeit.

  1. Passt meine berufliche Tätigkeit zu mir und meinem Lebensentwurf?
  2. Kann ich hier ich selbst sein und meine Fähigkeiten gut nutzen?
  3. Hat das, was ich mache, eine Bedeutung – oder ist es egal, ob ich etwas tue und wie ich es tue? (Bedeutsamkeit heißt, dass mein Handeln von anderen wahr- und für wichtig genommen wird; von Kolleginnen, Vorgesetzten und/oder der Gesellschaft)
  4. Kann ich hinter den Zielen des Unternehmens stehen?
  5. Trage ich mit meiner Arbeit zu etwas bei, das ich gutheiße, worauf ich stolz bin? Oder widerspricht es meinen Werten?
  6. Habe ich das Gefühl, ein Teil des größeren Ganzen zu sein? Des Kollegiums, des Unternehmens, der Institution… (Zugehörigkeit führt zur Übernahme von Verantwortung und Identifikation. Ich weiß: ich werde gebraucht.)

Drei Kriterien für die Motivation bei der Arbeit

Eine andere Möglichkeit, die eigene Arbeitsstelle zu bewerten, bieten folgende drei Kriterien. Sie sind dem Buch Escape-Manifest entnommen und wurden von Daniel H. Pink (sein Buch: Drive) entwickelt. Sie dürften, insbesondere in einer Anstellung, schwerer zu erfüllen sein.

  1. Autonomie – das Bedürfnis, das eigene Leben selbst zu gestalten
  2. Meisterschaft – der Wunsch, in etwas, das uns wichtig ist, immer besser und besser zu werden
  3. Sinn – die Sehnsucht, etwas zu leisten, was im Dienste von etwas steht, das größer ist als wir selbst

Damit haben Sie zwei Instrumente an der Hand, Ihre aktuelle Arbeitsstelle oder Ihre Projekte zu bewerten. In der Folge könnten Sie daran arbeiten, Ihre momentane Position zu verbessern, eine andere Stelle zu suchen oder zunächst (ggf. mittels Coaching oder Karriereberatung) genauer zu erforschen, wie Ihre Situation ist und welche Perspektiven sich ergeben. Oder natürlich, Sie sind gänzlich zufrieden mit Ihrem aktuellen Job. Dann beglückwünsche ich Sie zu dieser seltenen, hervorragenden Situation und wünsche Ihnen, dass es lange so bleibt. Vielleicht schreiben Sie mir – oder in den Kommentaren – sogar etwas zu Ihrem Traumjob.

Wenn es Ihnen um mehr Werte bei der Arbeit geht, könnte dies für Sie interessant sein: „Mehr Sinn in die Arbeit“

Zur Frage der Art der benötigten professionellen Unterstützung: „Karriereberatung oder Coaching?“



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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