"Mehr Sinn in die Arbeit"

“Mehr Sinn in der Arbeit” – das möchte mein Kunde. Durchaus verständlich und seine Argumentation leuchtet ein: “Ich verbringe mehr Zeit an der Arbeitsstelle, als sonstwo im Leben.” In dieser Zeit möchte er nicht nur einen gut strukturierten und bezahlten Job machen, sondern auch die Welt verbessern. Welche Möglichkeiten gibt es dafür?

Mehr Freiheit

Schnell kommen wir auf das Thema “Freiheit” zu sprechen. Ebenso rasch wird aber klar, dass “mehr Freiheit” die Welt nicht unbedingt besser macht. Am deutlichsten wird das  im Individualverkehr. Die Tatsache, dass die meisten von uns sich die Freiheit auf ein eigenes Auto nehmen, macht die Welt nicht unbedingt besser. Autofahrer genießen eindeutig größere Spielräume. Doch Abgase und Lärm sind schlecht für die Umwelt, uns eingeschlossen. Der Slogan “Freie Fahrt für freie Bürger” ignoriert die Tatsache, dass ein Tempolimit zu weniger Verkehrstoten führen würde. Obwohl die unbeschränkte Fahrt zweifellos die Entfaltung des Einzelnen erhöht. Wir müssen also weiter suchen.

Selbständig automatisch besser?

Wer sich selbständig macht, wirft die Abhängigkeit von seinem Arbeitgeber über Bord. Dafür wird er oder sie ab sofort von Kundenwünschen begrenzt. Außerdem verlangt die Selbständigkeit leider Selbstdisziplin. Theoretisch könnte ich als selbständiger Karriereberater mir jederzeit einen ausgiebigen Spaziergang genehmigen. Eine Runde schwimmen, joggen, Fernseh-schauen – alles möglich. Aber: Dann macht keiner meine Arbeit.

Es mag also sein, dass Sie mit der Selbständigkeit für sich selbst mehr Freiheit erreichen. Ein Automatismus ist dies jedoch nicht. Es hängt immer davon ab, wie Sie Ihre Existenzgründung konkret ausgestalten.

Soziale Arbeit studieren?

Viele, die über sinnreichere Arbeit nachdenken, sind schnell beim Fach “soziale Arbeit” und ähnlichen. Klar, wer im Kindergarten die Erziehung der jungen Menschen gestaltet, wirkt an einer besseren Zukunft mit. Ebenso diejenigen, die sich um die Resozialisierung von Straftätern oder die Integration von Migranten kümmern. Aber muss man soziale Arbeit studieren, um etwas zu verbessern? Nein. Dieser Weg ist eher von Milieu-Gebundenheit getragen, als dass er privilegiert wäre, die Welt zu verbessern.

Mit einigem Recht kann man umgekehrt argumentieren: Gerade weil sozial denkende Menschen eher im sozialen Milieu neben ihresgleichen dümpeln, werden andere Professionen gebraucht. Beispielsweise bieten die noch bestehenden AKWs in Deutschland und anderswo die nächsten Jahrhunderte höchst sinnvolle Arbeit für Atomphysiker. Ein sicherer Job also – denn abseits des Trends – und sehr verantwortungsvoll. Ich würde den Rückbau der Atomkraftwerke und die Einlagerung des Mülls äußerst ungern in die Hände von schlecht ausgebildeten Hilfsarbeitern legen. Ebensolche Fachleute braucht es anderswo: BWL-ler bei Greenpeace und Umwelt-Techniker bei Daimler!

Caritas, NGO & CSR

Wer kurz denkt, landet bei der Suche nach einem Hort für soziales Engagement bei Caritas und Diakonie. Wer etwas weiter blickt, entdeckt NGOs (non govermental organizations) wie “Menschen für Menschen”, campact oder amnesty international. Weiterhin unterhalten viele Unternehmen CSRs: Corporate Social Responsibilitys. Das könnte beispielsweise ein Bereich eines Unternehmens sein, der statt Gewinn abwerfen zu müssen, ein soziales Anliegen fördert.

Im schlechtesten Fall geht es aber leider um “Greenwashing”. Im Kerngeschäft verseucht das Unternehmen dann etwa die Weltmeere, während das CSR desselben Konzerns ein Schmetterlingsprojekt unterhält und im Marketing heraus stellt.

Wer dies bedenkt, geht vielleicht lieber zu einem Arbeitgeber der Industrie, dessen Produkt die Welt verbessern könnte. Die Palette reicht hier vom Windradbauer bis zu folgender, genialer Erfindung: Dem “Mine kafon”. Das Ding sieht laut taz aus wie eine “Pusteblume aus dem Weltall”. Die Kugel aus recyclebarem Kunststoff und Bambusstäben steht im Museum of Modern Art. Im Gegensatz zu den anderen Kunstwerken dort hat sie jedoch einen praktischen Zweck. Setzt man sie in die Wüste, treibt der Wind sie voran. Ergebnis: Liegen dort Landminen, werden sie zur Explosion gebracht, ohne dass Menschen dabei in Gefahr geraten. Die Kosten liegen bei einem Bruchteil der üblichen, gefährlichen Methode.

Sozialunternehmen

Die interessanteste Entwicklung der letzten Jahre für Kwerkarrieristen wie meinen Kunden dürften die Sozialunternehmen sein. Was das ist? Z.B. könnte sich Unternehmen gründen, um den Mine Kafon kommerziell, aber ohne Gewinnabsicht herzustellen und zu vertreiben. “Kommerziell” + “ohne Profitabsicht” + “Sozialer Zweck” = Sozialunternehmen. Über ein anderes, weniger exotisches Beispiel, Coffee Circle, das (besonders) fairen Gourmet-Kaffee vertreibt informiert dieses Interview auf diesem Blog.

Der von den neuen Sozialunternehmen gebotene Arbeitsmarkt ist faszinierend. Gefragt sind Bewerber, die ein gewöhnliches, solides “Handwerk” wie Programmieren oder Qualitätsmanagement gelernt haben. Lesen Sie zu diesem neuen Arbeitsmarkt das Interview mit Dennis Hoenig-Ohnsorg von Ashoka auf diesem Blog.

Fazit: Es gibt viele Optionen, ins eigene Arbeitsleben “mehr Sinn” hinein zu bringen. Da sollte jede/r mit ein wenig Aufwand (und vielleicht der Unterstützung des richtigen Karriereberaters) etwas finden!

3 Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Burger!

    Eine sehr anschauliche und gelungene Zusammenstellung von Beispielen, in seinem Job “die Welt verbessern zu können” – und zwar in allen Bereichen!
    Ein wunderbarer Beitrag, der genau das tut, was er beabsichtigt – den Blick weiten und neue Wege entdecken!
    Ganz herzlichen Dank
    Ulla Schneider

    Antworten
    • Guten Tag Frau Schneider,
      vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar!
      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten

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