Porträt Christoph Burger
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09.10.2017 Allgemein, Karriereplanung, Persönlichkeitsentwicklung

Wie Sie innovativ denken und handeln

Gemeinsames Kennzeichen veralteter Ansätze, die in der Zukunft erfolglos sein werden: Schnelle Antworten, altbekannte Sprache, Einfache Muster. In drei Handlungsfeldern möchte ich Ihnen zunächst zeigen, wie dieses alte Denken funktioniert. Und dann Anregungen für Neues geben: In der Politik und Wirtschaft sowie der persönlichen Karriereplanung.

Veraltet in der Politik

Gerade verhandeln CDU und CSU über die Deutung des Wahlergebnisses der Bundestagswahl 2017 und die Konsequenzen daraus. Die Ansicht der CSU ist klar. Die Rede ist von der „offenen rechten Flanke“. Die CSU wähnte schon seit langem das fehlende rechte Profil als Problem. Da nun bei der Wahl vor allem die AfD gewonnen hat, sieht sie sich bestätigt. Diese Ansicht ist:

Schnell – die CSU hat diese Deutung sofort nach der Wahl verbreitet
Altbekannte Sprache – das altbekannte rechts-links-Schema
Einfach – einfach nur nach rechts rücken, fertig

Was ist daran falsch? Eine völlig veränderte politische Landschaft ist nur unwahrscheinlich mit genau denselben Worten und Mustern zu beschreiben, wie Politiklandschaften und Wählerverhalten der Vergangenheit. Es bräuchte Zeit, um zu analysieren, was wirklich geschah. Es bräuchte die Suche nach neuem Denken. Und den Versuch, komplexere Erklärungen zu probieren. Die CSU übersieht in ihrem Übereifer sogar, dass sie innerhalb der Union überdurchschnittlich verloren hat – obwohl sie im Wahlkampf die rechtesten Sprüche klopfte. Auch in anderen Ländern hat das Nachahmen der Rechtspolulisten nicht zum Erfolg der bürgerlichen Parteien geführt.

Veraltet in der Wirtschaft

Die deutsche Automobilindustrie ist massiv in ihrem Fortbestand bedroht. Der Diesel, sogar der Verbrennungsmotor insgesamt, wird in einigen Jahren Geschichte sein. Daran hängt ein Großteil der Zulieferindustrie samt der Wertschöpfung, die im After-Sales-Bereich liegt (incl. Werkstattbesuchen). Die Reaktion ist kurzsichtig: Die Politik wird durch Lobbyismus gedrängt, das alte Geschäftssystem vor dem Untergang zu bewahren. Je länger damit die Umstellung hinausgezögert wird, desto weiter enteilt die Konkurrenz, die sich der Situation stellt.

Schnell – Dieselgipfel = Dieselupdates, preisgünstige Lösung
Altbekannte Sprache – Dieselupdate, Umweltprämie für Neukauf
Einfach – Preisgünstig, Lobbyismus national wie auch international soll „weiter so“ gewährleisten

Was ist daran falsch? Der Untergang wird dadurch befördert, dass man an einem offensichtlichen technischen Auslaufmodell festhält. Gefragt sind Lösungen für die Zukunft. Wie kann auf den in vielen Ländern bereits beschlossenen Ausstieg aus der Verbrennungsmotor-Technologie reagiert werden? Wie kann man junge Menschen erreichen, denen ihr Smartphone wichtiger ist, als ein eigenes Auto?

Veraltet in der Karriereplanung

Karriere wird bezogen auf das nächste, offensichtliche Problem. Der nächste Job soll besser werden – zweifellos ein vernünftiger Ansatz, aber nicht genug. Oder: „Ich weiß zwar nicht, was ich studieren oder später einmal werden will, aber ich fange einfach mal mit irgendeinen Studiengang an“ – das klappt selten.

Schnell – ein Job, ein Versuch sollen es richten
Altbekannte Sprache – Verbleib im Muster „Arbeitsstelle“ oder (richtiger) „Studiengang“
Einfach – ein schnelle/r Arbeitsvertrag / Immatrikulation sollen gründliche Orientierung sparen

Was kann daran falsch sein? Die reduzierte Sicht, die schnelle (billige) Lösung vernachlässigen viele Aspekte, die relevant sein könnten. Oft sind sie es: Der nächste Job bringt es auch nicht – häufig, weil er andere Nachteile hat. Die Studienentscheidung war doch falsch – im schlimmsten Fall „probiert man einfach etwas anderes“. In der Hoffnung, das sei besser. FSJ, BFD, Arbeiten und Reisen etc. werden gar nicht in Betracht gezogen.

Neue Politik: Kulturelle Sicherheit

Mal angenommen, Forscher wie Prof. Armin Nassehi und Prof. Holger Lengfeld haben Recht und die Probleme der AfD-Wähler sind nicht in einem rechts-links-Schema zu verorten. Und auch ihre wirtschaftliche Lage ist nicht ihr Hauptproblem. Und auch das gute, alte Ost-West-Gefälle wäre altes Denken. Sondern die Gründe sind vorrangig ein kulturelles Abgehängtsein.  Diese Menschen finden sich nicht wieder in der aktuellen BRD. Es sieht zwar so aus, als wünschten sie sich eine Welt der 1950er Jahre zurück. Aber auch sie wollen – und müssen – in die Zukunft. Dann wäre ein Angebot, in dem sie sich kulturell wieder finden, attraktiv und würde ihre Probleme lösen.

Was das sein kann? Natürlich wäre es völlig vermessen, wenn ich behaupten würde, diese Frage beantworten zu können. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass bei der Suche nach einer Antwort eine Rolle spielen: (1) Faktisch etwas tun (beispielsweise die Digitalisierung auf dem Land voran bringen). (2) Eine Sicherheit bezüglich Einwanderung bieten (Einwanderungs- und Integrationspolitik mit klarem Konzept. Abschottung der Grenzen ist zu wenig). (3) Emotional taugliche Leitlinie bieten. Eine einheitliche emotionale Klammer eines Politikangebots sollte im Idealfall als Leitlinie dienen- z.B. „Mitgefühl“.

Dazu würde gehören, geduldig und beharrlich zu erklären, dass eine Politik, die Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lässt, genauso wenig mitfühlend ist, wie arrogante Politiker, die nicht in den Osten reisen. Und aufzuzeigen, welche Vorteile die Digitalisierung bietet. Und natürlich: Zuhören! Sowohl als Mittel, den richtigen politischen Weg zu finden, als auch als Prinzip der Politikführung. Einem Durchwurtschteln wie bisher würde durch ein Konzept begegnet. Auch falls Sie anders denken, sollten diese Anregungen klar gemacht haben: Das CSU-Konzept steckt im Vergleich zum hier Angeregten in einem einfallslosen alten Denken fest.

Neue Automobilkonzepte: Abseits der Mobilität

Erzählt wird, das Automobil sei eine Mobilitätslösung. Eine alte Geschichte! Gegenüber der Pferdekutsche bot das Auto dem steuernden Menschen auch andere, wesentliche Vorteile. Beispielsweise die Herrschaft über eine 100 PS-Maschine. Statt über zwei Pferde, die ihren eigenen Kopf hatten. Automobile boten also etwas, das mit Selbstbestimmung und Macht sehr viel mehr zu tun hat, als mit Mobilität. Dazu kommen Aspekte wie Status, die das Auto brachte. Mag sein, dass zu Anfang der automobilen Entwicklung die Idee der Mobilität vorherrschte. Aber es ist entschieden mehr daraus geworden – und in diesem Mehr liegt die Erfolgsgeschichte.

Wir können also annehmen, dass der Siegeszug von Daimler und BMW zutreffend anders zu beschreiben wäre, als mit der Vokabel Mobilität. Ein kleiner Blick auf andere Technologien der Neuzeit macht das noch deutlicher. Was führte zum weltweiten Erfolg der Personalcomputer? Sie befriedigen Bedürfnisse von Einfluss, Kommunikation und Entertainment, die keine Vorläufertechnologie kannte. Menschen, die diese Geschichte nicht vorhersahen, dachten (in ihrem alten Schema), dass das neue Produkt in Funktionsweise und Leistung die Fortsetzung der Schreibmaschine sei, nichts weiter. Und die Erfolgsgeschichte des Smartphones? Hier könnte man  zunächst „Mobilität“ nennen – denn Smartphones konnten im Grunde wenig anderes als das, was Computer vorher auch konnten, nur eben mobil. Inzwischen eröffnet das Reich der Apps zusätzlich etwas, das mit „Individualität“ bezeichnet werden könnte. Die einen nehmen mittels Smartphone ab, die anderen erkennen Flugzeuge oder Musik etc. etc.

Die Zukunft des Automobils wird keine vorrangige Mobilitäts-Lösung sein. Die Zeichen stehen eher dahin, dass zur Mobilität ein anderes Moment hinzu kommt, das mit Selbstbestimmung und Entertainment zu bezeichnen wäre. Denn was macht ein Fahrer, der nicht mehr selbständig lenken muss? Er hat Zeit für Informationsaustausch, sich zu unterhalten … – was weiß ich?! Die Erfolgskonzerne der automobilen Zukunft werden sich jedenfalls nicht damit beschäftigen, wie der Motor zu optimieren ist und das Interieur aufgehübscht wird. Die Erfolgskonzerne werden Anworten auf die Frage gefunden haben, was der Mensch in einem Auto anstellt, das alleine fährt. Man muss es nicht mehr selbst besitzen, um – was? – zu machen? Jedenfalls nicht nur, um sich fortzubewegen. In diesem Licht betrachtet haben Unterhaltungs- und Informationsunternehmen wie Amazon, Apple und Google mitsamt ihrer Automobilexperimente ein völlig anderes Bedrohungspotential für die deutsche Automobilindustrie, als wenn es bei der Zukunft des Automobils tatsächlich um Mobilität ginge.

Neue Karrieren: Jeder Kunde = ein Projekt

Tagtäglich werklen meine Kund_innen und ich daran, sich neu zu erfinden für die Zukunft. Die meisten Interessierten an meiner Karriereberatung fragen genau das an. Sie möchten herausfinden: Was zeichnet mich aus? Welches Potential könnte ich verwirklichen? Wie könnte ich meine Zukunft gestalten? Dabei geht es explizit nicht einfach um einen irgendeinen nächsten Job. Sondern um eine noch nicht beschriebene Zukunft in neuen Worten, mit neuen Ideen. Natürlich auf Basis der bisherigen Erfahrungen – denn jede Zukunft muss am Vergangenen ansetzen. Aber sie sollte nicht die Begriffe der Vergangenheit und die Lösungen der Historie verwenden, wenn es um die Gestaltung des Neuen geht.

JedeR Kunde/in ist ein neues, spannendes Projekt. Immer geht es darum, sorgsam zuzuhören, systematisch zu analysieren, möglichst viele und relevante Aspekte einzubeziehen und dann offen und kreativ an Zukunftsideen heran zu gehen. Schnelle, einfache Antworten sind nicht zielführend.

Der Job ist Teil unseres Lebens. Die einzigen Konstanten im Leben aber sind:

  1. Unser Leben ist zeitlich beschränkt und daher unendlich kostbar.
  2. Wir haben keine Zeitmaschine zur verfügung, die uns die Vergangenheit neuschreiben ließe.

Das Neue kann nicht in alter Sprache formuliert und in alten, einfachen und schnellen Mustern verstanden werden. Es geht darum, das Neue in neuen Begriffen und Ideen zu fassen Und entwicklungsoffen anzugehen.Wir alle werden uns in der Zukunft neu erfinden. Und je mehr wir in der Vergangenheit festhängen, desto weniger wird uns das gelingen.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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