Wie macht man Karriere?

Wie macht man Karriere? Diese Frage stellte mir unlängst die Süddeutsche Zeitung. Die Vorgabe: Bringen Sie alles auf einer Drittel Din-A4-Seite unter. Geht das? Wie ich feststellen durfte: Ja. Aber natürlich war der Text dann extrem dicht. Deshalb nutze ich den Platz hier, um etwas “zwischen den Zeilen” zu erläutern.

Nachdem die Frage des bescheidenen Raums für die Antwort geklärt war, folgte für mich die nächste Aufgabe. Es gab nämlich eine Akzent-Setzung: Wie macht man schnell Karriere, in welchen Branchen wird gut bezahlt? Darüber musste ich einen Moment nachdenken: Geht das denn, gezielt „schnell Karriere machen“? Auch bei der Frage nach den aussichtsreichsten Branchen hatte ich den Eindruck, dass das vielleicht die falsche Fragestellung sein könnte. Deshalb musste ich die Themen zunächst neu ordnen und dann damit anfangen, wo es für mich eigentlich los geht.

Am wichtigsten ist die eigene Persönlichkeit

So lautete der erste Satz meines Beitrags. Weiter:

Um sie zu bilden, sind Umwege, Irrtümer, Ausprobieren wichtig. Auch Langeweile, die man mittels Kreativität überwindet. Wer durch diese Lebensschule geht, wappnet sich für alle späteren Entscheidungen.

Was ich behaupte, ist ungefähr das Gegenteil dessen, was immer gesagt und gedacht wird, wenn es um die Karriere geht. Weiterhin: Wenn man diesen Teil meiner Antwort mit der These vom „schnell Karriere machen“ vergleicht, stößt man auf einen gewissen Widerspruch. Denn Umwege, Irrtümer, Ausprobieren, das verlangt Zeit. Es gibt also keine Abkürzung zur großen Karriere (wie die Top-Mangement-Coachs Assig/Echter mir Kürze in diesem Blog beipflichten werden). Der Grund: Wie wollen Sie je Entscheidungen treffen, wenn Sie sich nicht auf persönliche Werte und Eindrücke verlassen können? Wie kann ein Mensch, der zeitlebens nur Vorgaben erfüllte je als Leader funktionieren? (Vorgaben erfüllen heißt: Stets lernen, was der Lehrer verlangte/ Praktikum bei xy, weil die den größten Namen haben / Auslandspraktikum, weil das empfohlen wird …). Nein, das kann nicht gehen.

Und schon sehr viel vorher, bevor es um den ersten Führungsjob gehen könnte, zeigen sich Defizite in der Entscheidungsfähigkeit dramatisch. Ohne den sicheren Boden des eigenen Urteilsvermögens werden die falschen Kommilitonen und Professoren angesprochen und für wichtig gehalten, die falschen Seminare gewählt und so weiter. (Genaueres zur Bildung der Persönlichkeit folgt in den nächsten Beiträgen auf diesem Blog.)

Solide Ausbildung

Dann natürlich: Eine solide Ausbildung. Das darf auch die Abfolge Bachelor, Praxis, Master, Praxis usw. sein.

Selbstverständlich kommt der guten Ausbildung eine erhebliche Bedeutung zu – zumal in Deutschland. Ich berate hervorragende Autodidakten. Und was ist schwerer, sich etwas selbst, aus eigener Energie, anzueignen und auf ein sehr gutes Niveau zu bringen, oder seine Scheine nach Vorgabe abzuleisten? Dennoch zählt in Deutschland das Papier immer mehr und ohne das passende Dokument ist es schwer, sich auf qualifizierte Stellen zu bewerben.

Studienwahl

Die Wahl des Studienfaches sollte in Kenntnis der Chancen getroffen werden (bei MINT-Fächern aussichtsreicher als bei Geisteswissenschaften). Gleichzeitig müssen die individuellen Stärken berücksichtigt werden. Zum Beispiel: Ein Sprachgenie mit Zahlen-Furcht kann sich zum ausgezeichneten Juristen entwickeln, aber nie zum Spitzen-Ingenieur.

Auch dies ein extrem verdichteter Text. Ich plädiere dafür, sich vor der Studienwahl zu informieren, welche Berufschancen nach dem Studium warten. Und sich dennoch nie blind, also allein nach diesen kolportierten Chancen, für etwas zu entscheiden. Denn zumindest muss ein Mensch genug Talent für ein Fach mitbringen, um einen ordentlichen Abschluss – ohne jahrelange Quälerei durchs Studium – zu gewährleisten. Alles andere ist keine Option.

Andererseits kenne ich beispielsweise die großen, erschreckten Augen der Germanistik-Studierenden im Karriereseminar an der Universität Mannheim, wenn ich Ihnen wenig rosige Aussichten für die Zeit nach dem Abschluss vorhersage. Beispielsweise auch im gewünschten Gehalt. Dann habe ich den Eindruck, sie setzen sich jetzt, nach einigen Semestern Studiums, zum ersten Mal mit der Perspektive nach Studienabschluss auseinander. Nein, die Reihenfolge muss anders herum sein: Erst Information, dann Studienwahl. Und auch: Ausrichtung des Studiums. Denn mit Nebenfächern, Praktika, Themen, kann man ja in jedem Studium etwas für den Berufseinstieg tun. So könnte man beispielsweise als Sprachtalent statt Germanistik auch Jura studieren und dann innerhalb der Juristik gezielt Schwerpunkte setzen. Beispielsweise Richtung Sozialrecht, weil man ein Herz für die Schwächeren der Gesellschaft hat.

So gelingt der Aufstieg

Auch hier muss ich Erwartungen enttäuschen: Es gibt weniger ein Rezept für den Aufstieg, als Kenntnis darüber, was ihn verhindert. Geschrieben habe ich:

Später gilt: Aufstieg weniger durch Richtig-machen, als durch Fettnäpfchen-vermeiden. In einer eigenen Studie konnten Berufstätige im Schnitt nur 40 Prozent der gestellten Karrierewissensfragen richtig beantworten. Die logische Folge sind berufliche Fehlentscheidungen.

Deshalb setze ich mich in einem meiner Vorträge mit Karrierewissen auseinander. Damit es anschaulich wird am Beispiel beruflicher Fehlentscheidungen und Fettnäpfchen (in Kürze geht auch ein Blogbeitrag dazu online, den ich auf Einladung des vdi geschrieben habe). Wer nicht weiß, welche Regeln zu beachten sind, macht früher oder später zwangsläufig etwas falsch.

Karriere mittels Karriereberatung

Und der nächste Fehler besteht häufig darin, Hilfe erst zu spät in Anspruch zu nehmen. Also: Besser früher professionelle Beratung suchen.

Häufig führt erst gehöriger Leidensdruck in die Karriereberatung. Anders gesagt, wenn schon viele Karrierefehler begangen wurden. Jeder einzelne Fall ist zu viel. Aber zum Glück kommen auch oft Kunden, denen es um rechtzeitige Planung und Hilfestellung geht. Das ist, wie Sie leicht erkennen, der bessere Weg.

Interessante Branchen

Und dann erst zur Akzentsetzung des Beitrags:

Dynamische Branchen, wie die MINT-Fächer mit der Industrie 4.0 stellen sich heute positiv dar. Gleichzeitig werden in traditionellen Branchen wie Stahl, Pharma, Banken, hohe Gehälter gezahlt.

Am spannendsten finde ich dabei, bei den Themen zu suchen: Was ist aktuell? Was davon begeistert mich? Ein Studium kann so hervorragend gestaltet werden. Und ein Jobwechsel wird richtig erfolgreich, wenn er in ein neu aufkommendes Zukunftsthema führt.
An das Ende meines Beitrags setzte ich noch etwas zum Nachdenken:
Viel Einsatz bringt vor allem dann Vorteile, wenn der Chef sich Ärger spart – und dann, wenn er dadurch selbst beim Chef-Chef punktet.

Auch dies eine Perspektive, die häufig vernachlässigt wird. Kaum jemand denkt so, obwohl es doch eigentlich auf der Hand liegt: Wenn Sie Ihrem Chef in seinen eigenen Interessen weiter helfen, dann bekommen Sie dafür die größte Anerkennung. Das kann inhaltlich etwas ganz anderes sein, als das, was in Ihrer Jobbeschreibung steht.

Hier gehts zur Online-Ausgabe des Süddeutsche-Magazins (November-Ausgabe 2015)

Erster Artikel meiner Blogserie zur Berufswahl

 

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