Wie kriegen Sie Ihr Kleinkind karrierefit?

Englisch ab zwei, Softskills ab vier – man kann nicht früh genug anfangen, seine Kinder auf die spätere Karriere vorzubereiten, oder? Ja, es stimmt, egal ob Ihr Kind erst 4 oder bereits 14 ist, Sie sollten sofort damit anfangen, die Kleinen für die spätere Berufslaufbahn zu trainieren. Dieser Artikel verrät Ihnen, was Sie konkret tun können.

Kleinkindkurse für die spätere Karriere

In den letzten Jahren boomen die (Klein-)kindkurse. Englisch und Chinesisch, Schach und Computer for Kids. Sie können Ihrem Kind mühelos einen Wochenplan zusammen stellen, der dem des künftigen Managers gleicht. Den engagierten Eltern zum Trotz warnen Pädagogen und Hirnforscher in der Regel vor solchen Kursen: Im besten Fall schadeten sie nichts, meinen viele. Aber kann man gar nichts tun? Doch kann man. Sollte man auch. Wenn auch ganz anders.

Unreife Erwachsene und unerzogene Kinder

Wie ist ein Mensch, dem man die Karriere wirklich zutraut? Er ist eine gereifte Persönlichkeit, entscheidet sicher, handelt selbstbewusst, eigenverantwortlich und konsequent. Er verfügt über eine gute Kinderstube, Neugier, Kreativität und Leistungswillen. Häufig genug Mangelware – bei Jungen wie Alten. Unreife Erwachsene mogeln sich hier ebenso hilflos und karrierefern durchs Leben, wie rotzfreche Bengel und gemeine Teenie-Zicken. Damit es nicht soweit kommt, ist Training nötig. Das zeigen folgende Beispiele.

Beispiel 1: Fehler und der richtige Umgang damit

Im Plausch mit der Nachbarin kommt heraus, dass mein Sohn mit seinem Kumpel und mittels eines Fußballs den Gartenschmuck der Nachbarn zerschossen hat. Schon vor ein paar Tagen. Uns hat er nichts gesagt.

Meine Tochter hat sich zu ihrer Freundin verabschiedet: “Nur noch kurz, ich bin in einer halben Stunde wieder da!” Viel zu spät, nach anderthalb Stunden, kriegen wir unseren Teenager wieder zu Gesicht.

Im Seminar kommt heraus, dass die Teilnehmer einen wesentlichen Punkt nicht verstanden hatten. Gesagt haben sie nichts – bis zur Rückmelderunde am Ende.

Fehler sind normal, bei uns allen. Sie sind also nicht zu vermeiden – aber wie geht man richtig damit um? Man kann sich kleinkariert um die Schuldfrage streiten, man kann die Verantwortung übernehmen oder auch nicht.

Mein Sohn spricht bei so einer Angelegenheit gerne von den schlechten Bedingungen. Meine Tochter sagt reflexhaft “ja, tut mir Leid” und hofft, dass es damit erledigt ist. Nein, ist es nicht. So ein Verhalten zieht bei mir als Erzieher eine längere Diskussion nach sich – nicht unbedingt sofort, aber zeitnah. Haarklein, wenn es sein muss, wird die Tatsache diskutiert, dass man das Geschehen als Fehler deklariert und einer Person zuodnet, die die Verantwortung übernimmt. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen.

Worum es dagegen kaum mal geht: Dass ein Fehler gemacht wurde. “Du hättest den Ball nicht dahin schießen dürfen” – das ist affig. Entweder die Jungs dürfen da spielen oder nicht. Kinder bekommen sehr genau mit, was uns Erwachsenen am wichtigsten ist. Geht es uns im tiefsten Herzen um die zerstörte Vase und unser Ansehen bei der Nachbarin? Oder ist uns die Ehrlichkeit unseres Kindes am wichtigsten, und dass es lernt, Verantwortung zu übernehmen? Letzteres wäre meine Empfehlung!

Wer von den Großen im Seminar sofort sagt, wenn er etwas nicht verstanden hat, ist die Ausnahme. Er empfiehlt sich für eine verantwortliche Position. Wer eigene Fehler leicht eingesteht, macht es richtig. Wer bei Fehlern von Kollegen nicht lange bei Schuldzuweisungen stehen bleibt, sondern sich vor allem dafür interessiert, wie Fehler künftig vermieden werden können, erweist sich als kompetent für den Chefposten.

Beispiel 2: Klarheit und Konsequenz

Mein fünfjähriger Sohn tobte: Nein, dieses Essen könne er ganz und gar nicht herunter kriegen. Und er wolle auch keineswegs probieren. Zuvor hatte ich schon erklärt, dass zumindest probiert wird. Und dass er außerdem die Kartoffeln essen müsse, wie sonst auch, sonst gebe es nichts anderes.

Mein Teenager-Kind war alleine zu Hause. Statt ihr Geschirr in die Spülmaschine und diese anzustellen, platzierte sie alles auf die Ablage. So konnte die Maschine nicht laufen.

Meine Studierenden diskutierten mit mir, dass ein Referat ja wohl reiche. Sie wollten nicht auch noch einen Test absolvieren. Sie versuchten, mich mit Argumenten umzustimmen. Ich hörte mir alles an und diskutierte mit ihnen.

Und dann? Mein Sohn machte sich Hoffnungen, durch sein Toben ein Müsli zu bekommen. Meine Tochter zeigte deutlich, dass sie rein gar nichts von meiner Rüge hielt. Meine Studierenden erwarteten ganz offensichtlich, dass sie nun keinen Test machen müssen. Jedoch: Mein Sohn verzichtete an diesem Mittag aufs Probieren des Gemüses und auf das Essen der Kartoffeln – und bekam nichts zu essen. Meine Tochter erledigte die nächsten Hausarbeiten ohne weitere Aufforderung – sie kennt mich halt schon eine Weile. Meine Studierenden waren höchst erstaunt, dass ich lediglich die Bedeutung des Tests in der Gesamtnote veränderte, sie aber sehr wohl einen Test machen mussten.

Liebe Leserinnen und Leser: Anders geht es nicht! Denn Alte wie Junge wissen ganz genau, Wenn Sie uns einmal mit quengeln, toben, nölen herum kriegen, wird ihnen das in der Zukunft erneut gelingen. Fragen Sie sich selbst: Gilt Ihr Wort oder gilt es nicht? Übrigens: Strafe ist etwas anderes als Konsequenz! Strafe passiert überraschend. Erzieher oder Chefs legen sie spontan fest. Konsequenz ist dagegen, was von vornherein festgelegt wird oder sicher absehbar war. “Wenn du x tust, passiert y”. Und dann muss y passieren! Das ist Konsequenz und so soll es sein. Wenn jeder sicher weiß, “auf x folgt y” können Erwachsene wie Kinder entscheiden, wie sie sich verhalten wollen. In diesem Sinne, das habe ich bereits hier ausgeführt, halte ich Kinder nicht für unerzogen, sondern für uninformiert. Und bitte werfen Sie Ihren Kindern nicht vor, dass sie trotz allem ab und zu ausprobieren, ob ihre Erzieher noch funktionieren und dazu z machen. Das passiert den besten Eltern.

Beispiele 3 bis unendlich

Meine Tochter sagte, sie komme rechtzeitig mit öffentlichen Verkehrsmitteln – aber verpasste die letzte Bahn. Mein Sohn versprach, Abends sein Instrument zu üben und wollte sich nicht mehr daran erinnern. Mein Mitarbeiter versäumte mehrere Termine und brachte dann eine Fülle von Entschuldigungen und Ausflüchten vor. Ein Lehrer fordert von seinen Schülern Selbständigkeit, aber lässt sie nicht zu Wort kommen. Und, und, und. Die Beispiele fordern uns täglich heraus.

Sie merken: Kinder brauchen dringend eine Erziehung zur Führungskraft. Anders gesagt: Sie müssen unbedingt auf eine Welt vorbereitet werden, in der sie für ihre Versprechen verantwortlich sind. In der sie ihre Fehler eingestehen. In der sie über die Fehler von anderen hinweg sehen. In der sie konstruktiv mit anderen an Lösungen arbeiten, statt nach Schuldigen zu suchen oder Rechthaber zu spielen. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen einen klaren Rahmen setzen und ihnen alle Kompetenzen zubilligen, die sie schon haben können. Erwachsene, die klare Aussagen treffen und zu ihrem Wort stehen. So geht das, mit dem Charakter zeigen. Und wenn Ihre Kinder das nicht bei Ihnen zu Hause lernen: Wer soll es ihnen dann später noch beibringen? Na also!

4 Kommentare

  • “Kinder brauchen dringend eine Erziehung zur Führungskraft.”

    Ich muss sagen, Ihr Text macht mich in vielerlei Hinsicht betroffen. Ich bin froh, zu keiner Führungskraft erzogen worden zu sein. Ich bin trotzdem meinen Weg gegangen und gehe ihn.

    Besten Gruß, Huberta Weigl

    Antworten
  • Hallo Frau Weigl,

    danke fürs Lesen und für Ihren Kommentar. Jetzt wüsste ich gerne, in welcher Hinsicht Sie der Text betroffen macht.

    “Erziehung zur Führungskraft” würde ich nur akzeptieren, wenn die Führungskraft des eigenen Lebens gemeint ist. Wenn Sie Ihren Weg gegangen sind, heißt das nichts anderes, denke ich. Oder verstehe ich da etwas falsch?

    Schöne Grüße,

    Christoph Burger

    Antworten
  • “Betroffen”?

    Ja, denke ich an die, die sich keine Zeit nehmen – für ihre Mitmenschen, Kollegen, sogar die eigenen Kinder – und lieber, teils lautstark Tadel und Verbote verkünden. Basta, ich habe fertig.

    Nein, denn ich lese Liebe und Zuneigung zwischen den Zeilen. Ohne diese ist all das geforderte nie machbar.

    In diesem Sinne froh und selbstbewusst
    StStCB

    Antworten
  • Sehr geehrter Herr Burger,

    als Elternberater finde ich diesen Artikel sehr interessant. Eltern als Führungskräfte zu verstehen ist auch ein Ansatz den ich als LIFE’S’COOL Trainer vertrete.

    Wobei ich eher das Konzept eines guten Leader vorziehe. Einige Führungskräfte haben leider einen negatives Bild in Unternehmen hinterlassen und die Verbindung “Führer & Familie” steht in Deutschland eh unter einem schlechten Stern.

    Das aber Instrumente und Ethische Kommunikation eines guten Leader zu einer Stärkung der Familienentwicklung beiträgt ist ein Ansatz, der in der Praxis bestens funktioniert nur leider kaum bekannt ist. Wir von LIFE’S’COOL sind von diesem Konzept nicht nur überzeugt, wir lieben und leben es.

    Anbei für Sie eine kleine Leseprobe, wie man die Motivationsanalyse von Mitarbeitern im Familienleben nutzen kann:

    http://lifescool.de/images/lifescool/elternschule/pdf/Leseprobe_Motivation.pdf

    Ein angenehmes Pfingstwochenende
    Enrico Kramer

    Antworten

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