Überqualifikation: Wissen Sie zu viel, um Karriere zu machen?

„Überqualifiziert“ und abgelehnt! Für viele Bewerber ein niederschmetternder Befund. Wissen auch Sie zu viel, um Karriere zu machen? In letzter Zeit häufen sich solche Fälle in meiner Stuttgarter Karriereberatung.

Als Techniker überqualifiziert

„Der ist doch gut qualifiziert, der findet was“ – ist das Urteil der Beobachter. Beispielsweise könnte dies zutreffen auf einen Industriemechaniker, der sich zum Techniker weitergebildet hat. Angenommen, er war in der Entwicklung von PV-Modulen tätig und zwar die letzten zehn Jahre. Doch der Eindruck von Laien und die Sicht des Karriereprofis bzw. die Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt unterscheiden sich deutlich.

Der Eindruck: Die Aufstiegsweiterbildung vom Facharbeiter zum Techniker hat die Kompetenz erhöht und die Chancen erweitert.

Die Wirklichkeit: Auf die Tätigkeit als Facharbeiter kann der Kandidat nicht mehr zurück kommen, das ist zu lange her. Und der Einsatz als Entwickler? Entwickler sind sehr gefragt in ihrem Fachgebiet. Sie eignen sich Spezialkenntnisse an, die für die Hersteller z.B. von PV-Modulen höchst interessant sind. Wenn aber leider alle Photovoltaik-Bauer in Europa schließen, wird dieser Weg zur Sackgasse.

Auswege für Überqualifizierte

Der Techniker hat nun mehrere Möglichkeiten. Er kann auf seine Basisqualifikation als Techniker zurück kommen und sie systematisch erweitern. Beispielsweise für den Bereich „technischer Vertrieb“ durch kaufmännische Kenntnisse. Dieselben kaufmännischen Inhalte könnten ihn auch in den technischen Einkauf führen. Ferner bestehen Chancen als Projektmanager ggf. über den Aufbau der Projektmanagement-Kenntnisse. Konstruktionsschulungen könnten ihm das Feld des Konstrukteurs eröffnen. Und er könnte über eine Initiativbewerbungs-Kampagne sein Know-how anbieten. Ferner, bei entsprechender menschlicher Eignung, wäre der Weg ins Qualitätsmangegement, evt. auch ein Führungsjob denkbar. Je ähnlicher die künftige Branche der alten in technischer Hinsicht ist, desto größer sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Beschäftigungsfähigkeit: Bevor Sie in die Verlegenheit kommen

Seit einigen Jahren macht zu Recht der Begriff „Beschäftigungsfähigkeit“ / employability Karriere. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass man sich die Anschlussfähigkeit an den Arbeitsmarkt erhalten sollte. Wer sich in eine Technik vertieft, sollte immer darauf achten, dass diese Technik nicht das einzige berufliche Standbein bleibt. Entsprechendes gilt für jede berufliche Richtung. Es kann sich immer etwas ändern. Sie können immer vor der erzwungenen Umorientierung stehen. Seien Sie also jederzeit gewappnet für diesen Fall. Dazu gehört beispielsweise auch, sich jederzeit auf dem Stand der aktuellsten Software zu halten – egal, wie veraltet die Versionen an Ihrem Arbeitsplatz sind. Und es umfasst auch die Fremdsprachen-Kenntnis: Halten Sie Ihr Englisch aktuell, gleichgültig, wie wenig Sie es an Ihrem aktuellen Arbeitsplatz brauchen.

Wenn Sie ferner Ihren Berufsweg noch vor sich haben: Die breitere Grundqualifikation des Ingenieurs bietet eine größere Sicherheit als die des Technikers. Die letzten Jahre wurde letzterer immer mehr entwertet. Trotzdem ist die Bildungsrendite grundsätzlich hoch. Bildung lohnt sich. Wenn möglich, sollten Beruf und Weiterbildung zusätzlich gut gewählt sein.

Kommen wir vom konkreten Fall des Technikers wieder auf die allgemeine Ebene zurück, so gilt: Sie wissen nie zu viel, um Karriere zu machen. Nur: Das, was Sie wissen, sollte möglichst breit und dringend nachgefragt sein.

Im nächsten Beitrag geht es um überqualifizierte Führungskräfte.

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