Das Storytelling-Anschreiben: Eine Bauanleitung

Haben Sie einen schwierigen, erläuterungswürdigen Lebenslauf? Dann ist ein Storytelling-Anschreiben oft die richtige Lösung, um einen passenden, neuen Job zu finden. Im Folgenden erhalten Sie eine Bauanleitung.

Schwieriger Lebenslauf? Storytelling hilft.

Zuletzt hatte ich hier erklärt, dass der häufigste Fehler bei Anschreiben ist, das Thema zu verfehlen. Sodann hatte ich hier ein Beispiel diskutiert, wie ein Storytelling-Anschreiben beginnen könnte. Nun erhalten Sie eine ausführlichere Bauanleitung für Ihr Storytelling-Bewerbungsanschreiben.

Die erste Zutat fürs Storyanschreiben: Ihr Charakter

Ausgangspunkt ist Ihre Persönlichkeit. Sie haben den Weg gewählt, der sich letztlich als kurvenreich erwies. Ihr Charakter ist also der Schlüssel, der allem Sinn verleiht. Natürlich gibt es immer äußere Bedingungen, die Ihre Entscheidungen prägen. Aber die Art und Weise, wie Sie sich zu diesen Bedingungen verhalten, ist Ihre persönliche Note. Sollte Ihnen daher noch nicht bewusst sein, wie Sie zu Ihrer Laufbahn kamen, müssen Sie dies zunächst klären. Dabei könnte ein kompetenter Berater weiterhelfen.

Formulieren Sie einen Kernsatz

Nachdem Sie sich einen Reim auf Ihre Lebens- und Berufsgeschichte gemacht haben, bringen Sie den Roten Faden auf den Punkt. Welcher Satz trifft den Kern Ihres bisherigen (Berufs-) Lebens? Sollten Sie noch auf der Suche sein: Vielleicht gibt es ein Zitat, das Ihnen wichtig ist. Oder eine Persönlichkeit, die Sie geleitet hat. Denken Sie an die Charaktereigenschaften, die Sie besonders verehren. Mutmaßlich sind Sie selbst ähnlich gestrickt. Oder Sie halten sich umgekehrt an diejenigen Züge, die Sie nicht mögen. Wahrscheinlich sind Sie selbst ungefähr das Gegenteil davon.

Vom Kernsatz zum Aufhänger

Häufig beschreibt der verdichtete Satz einen wichtigen Punkt, ohne jedoch schön formuliert oder anschaulich zu sein. Suchen Sie in diesem Fall nach passenden Bildern oder Zitaten. Veranstalten Sie ein kleines Brainstorming in eigener Sache. Was ich meine, können Sie an meinem ersten Buchtitel nachvollziehen. Ich wollte ein Buch über die positive Seite des Ärgers schreiben. “Prima Ärger” war eine der ersten Ideen. Doch das war zu abstrakt. Nach ausführlichem Herumspinnen kam ich dann auf das neu geschaffene Wort “Zornkönig”. Dieser Begriff lässt sofort eine Fülle von weiteren Ideen entstehen. Für Ihr Anschreiben können Sie die Latte tiefer hängen – es muss kein Neologismus sein, der sofort eine Vorstellungswelt eröffnet. Dennoch: Orientieren Sie sich ruhig an dem Beispiel, wenn Ihr Ursprungssatz zu abstrakt daher kommt.

Ihre Story

Vielleicht gelingt nun der Anriss Ihres Anschreibens von alleine. Sollte dies nicht der Fall sein, orientieren Sie sich an den Grundmustern jeder Erzählung. Da gibt es z.B. die klassische Heldengeschichte. Ein junger Mann zieht mit einer wirren Idee und reichlich unbedarft los. Dann macht er Erfahrungen, das Schicksal beutelt ihn. Letztlich kommt er als gereifte Persönlichkeit zurück. Oder: Die Innere-Mission-Story. Eine Frau hat einen Traum. Doch vernünftige, “gute” Ratschläge kommen ihr dazwischen. Am Ende findet sie zu ihrer Bestimmung zurück. Oder: Eine Ordnung wird zerstört, aber letztlich wieder hergestellt. Oder: Die Wirklichkeit gibt Rätsel auf, die gelöst werden. Oder: Erst eine Katastrophe oder Krise enthüllt den wahren Kern, der immer schon da war. Oder: Ein besonderes Ereignis markiert den entscheidenden Wendepunkt. Jeder Film, jedes Buch läuft auf ein solches Grundgerüst heraus. Dieses sogenannten Plots sind älter als Filme und Bücher und tief in unserem Unterbewussten verankert. Wenn Sie Ihre Anschreiben-Story damit konstruieren, fühlen sich die LeserInnen daher sofort angesprochen.

Anfang Ihrer Story

Wie fangen Sie an? Der Beginn könnte ein Bild, ein Zitat oder eine Frage sein. Dann schildern Sie in lebhafter Sprache, worum es geht. Zur Verdeutlichung als Beispiel: Sie schreiben ins Betreff: “Von einem der auszog, Bilanzbuchhalter zu werden …”. Davon ausgehend schildern Sie Ihren Weg. “Am Anfang stand meine Faszination für Zahlen. Schon als kleiner Junge wusste ich genau, wie viel Murmeln ich hatte und in wie vielen Tagen Weihnachten war. Meine Liebe begleitete mich durch mein Abitur (Leistungskurs? Mathematik!) und durch ….”

Verdichtung Ihrer Story

Bis zur fertigen Text-Gestalt wartet dann noch einige Arbeit auf Sie. Um einen solchen Prozess zu kennzeichnen, habe ich zum Erscheinen meines letzten Buches folgenden Aphorismus formuliert: “Gute Texte werden nicht geschrieben, sondern aus dem, was man schreibt, herausgeschält.” In diesem Sinne müssen sie jetzt an Ihrem Anschreiben arbeiten. Machen Sie die Sätze einfacher und kürzer. Streichen Sie überflüssige Füllwörter. Ersetzen Sie Abstraktes durch Anschauliches (“Murmeln”, “Weihnachten” …). Verdichten Sie den Text auf das Wesentliche, ohne das Bildhafte preis zu geben.

Ihre Vorteile

Am Ende steht eine Story, die Sie mit wenigen Strichen skizziert. Und hier die Vorteile: (1) Sie haben eine Form geschaffen, die positiv auffällt in den Personalabteilungen. (2) Sie haben Ihr Profil griffig erklärt. Das Storytelling-Anschreiben ist ein Mittel, das Ihnen als Bewerber oder Bewerberin mit Zick-Zack-Lebenslauf gänzlich neue Chancen eröffnet. Auch und gerade für die Initiativbewerbung. Viel Erfolg!

Ein Kommentar

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