Porträt Christoph Burger
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19.10.2012 Karriereplanung

Spitzenleister und ihre (Karriere-) Feinde

Die wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen verdanken ihren Erfolg Führungskräften mit Ecken und Kanten. Dies ergab jüngst eine umfangreiche Studie, über die ich hier berichte. Wie aber kommen die Spitzenleister selbst voran und vermeiden den Karriere-Absturz?

Spiky Leaders

In der genannten Untersuchung wurde der Wirtschaftserfolg von 50 großen Unternehmen aller Branchen erfasst. Parallel wurden über 5000 der dort angestellten Führungskräfte der oberen Ebenen untersucht. Das Ergebnis: Die erfolgreichsten Unternehmen verzeichneten 50 Prozent mehr Spiky Leaders. Das sind Menschen, die einige exzellente Stärken mit einigen deutlichen Schwächen vereinen. So gut die Spikys ihren Unternehmen tun, so beschwerlich verläuft zuweilen ihre Karriere. Namentlich drei Feinde lauern auf ihre Fehltritte. Worauf müssen aufstiegswillige Charakterköpfe bei der Karriere besonders achten?

Feind Nr. 1: Das ausgeglichene Umfeld

Sind Sie ein Mensch, der aufgrund seiner ausgeprägten Persönlichkeit zuweilen aneckt? Dann werden Sie wissen, dass dies einige aus Ihrem Umfeld massiv stört. Die Forschung darüber, wie Gruppen funktionieren, erklärt dies als üblichen Vorgang. Gruppen einigen sich sehr schnell auf Verhaltensnormen. Wer sie missachtet, wird abgestraft. Genau dies beobachten Spiky Leader: Sobald Sie eine ihrer exzellenten Stärken oder ihrer deutlichen Schwächen zeigen, ernten sie Protest: „Wir wollen nicht, dass du das machst“, ist die Botschaft. Oder auch: „Mir ist unangenehm, was du machst. Viele Leute stört das“. Logisch wäre nun, auf das Umfeld zu hören – eine falsche Strategie für Spikys. Wenn Sie sich zu sehr anpassen, verlieren Sie ihr eigentliches Potential.

Feind Nr. 2: Risiko-optimierte Personalabteilungen

Den Erfolg einer Personalabteilung beim Recruiting misst sich daran, Typen zu finden, die nicht anecken. Wieso? Exzellente Leistungen, wie sie Spiky Leaders erbringen können, werden gar nicht erwartet. Wer gut oder sehr gut arbeitet, erfüllt bereits das Soll. Das reicht für einen guten Ruf im Unternehmen und eine entsprechende Karriere. Spitzenleistungen sind zwar jederzeit willkommen, aber keiner verlangt oder erwartet sie. Wer sich jedoch einen Wutanfall leistet oder ein arrogantes Abkanzeln von Mitarbeitern oder offensichtliche Wissenslücken, der gerät sofort in einen Problemstrudel. Er erzeugt ein Ärgernis im Betrieb, das sofort Kreise zieht. Die Personalabteilung wird herbeizitiert und befragt: „Wen haben Sie denn da eingestellt?!“ Spitzenleistungen, wenn zu diesem Zeitpunkt schon erbracht, können da auch nichts mehr retten. Der Problem-Mitarbeiter – so wird der Spiky nun gesehen – wird angezählt und bei nächster Gelegenheit ausgetauscht.

Feind Nr. 3: Schwache Chefs

Was macht ein souveräner Chef, dessen Mitarbeiter sich daneben benimmt oder durch fehlende Branchen- und Marktkenntnisse auffällt? Er braucht eine starke Position im Unternehmen, um an seinem Spiky festzuhalten. Der Chef weiß, dass das schwer wird und ihn Anstrengung kostet, wobei ein Erfolg trotz allem nicht garantiert ist. Vielleicht wird er es dennoch wagen und sich die zusätzliche Mühe aufladen. Als starker Chef ist er souverän genug. Er wartet noch etwas ab und setzt auf einen späteren Erfolg. Was jedoch tut der schwache Chef? Er entsorgt seinen schwierigen Spiky möglichst rasch und geräuschlos.

Ihre zweigeteilte Strategie

Als Spiky Leader, der diese Feinde besiegen will, brauchen Sie eine zweigeteilte Strategie. Erstens müssen Sie sich Ihre Schwäche eingestehen und sie mit schonungsloser Offenheit analysieren. Eventuell wird ist es nötig, dass Sie sich am Riemen reißen. Vielleicht ergibt die Analyse aber auch, dass Sie und andere mit der Schwäche ganz gut leben können. Erster Teil Ihrer Strategie ist also, sich mit Ihren Defiziten aktiv auseinander zu setzen – aber es dabei nicht zu übertreiben. Der Ausbau Ihrer Stärken bringt Sie mehr voran! Der zweite Teil: Verpacken sie bei Bedarf ihre schwachen Seiten kommunikativ geschickt. Dazu müssen Sie wissen wer genau Sie sind, was Sie auszeichnet. Analysieren Sie dann die Spielregeln der Kommunikation im Unternehmen bzw. auf dem Arbeitsmarkt – oder lassen Sie sich dabei per Karriereberatung kompetent unterstützen.

Genau so machen Sie erfolgreich Kwerkarriere („wer“ sind Sie?, „quer“=neu, kreativ, „K“ = Kommunikation). Dies ist das zeitgemäße Konzept, nach dem ich meine Kunden berate.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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