"Bei mir treffen Sie leicht ins Schwarze" – wie Sie Ihre Sympathiewerte mittels Schwächen erhöhen

Dicksein ist out, es wirkt anti-dynamisch, ungesund und undiszipliniert. Dennoch schlägt einer derzeit ein ungeheures Sympathiepotential aus seiner Körperfülle: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Wie schafft er es, die Werte zu verkehren und was können wir daraus lernen?

Rhetorik par excellence

Peter Altmaier war zum Tagesgespräch geladen, einem 5-Minuten-Radio-Interview mit dem SWR 2 (einem Baden-Württemberger Radiosender). Die Moderatorin eröffnete das Interview mit einer kleinen Provokation. Winfried Kretschmann, der grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs habe Altmaiers Vorgehen in der Frage des Atommüllendlagers kritisiert. Ob er damit nicht ins Schwarze treffe? „Wissen Sie“, entgegnet Altmaier, „ich bin schwarz und kaum zu übersehen. Da ist es leicht, bei mir ins Schwarze zu treffen“. Dann macht er Kretschmann ein Kompliment: „Ich schätze ihn sehr.“ Dann antwortet er in der Sache und weist die Kritik zurück. Rhetorisch geschickter kann man so etwas nicht machen. Sehen wir uns die Redebestandteile im Einzelnen an.

Drei rhetorische Kniffe

Erstens: Zunächst einmal macht sich Altmaier über sich selbst lustig – darauf will ich gleich noch zu sprechen kommen. Zweitens: Das Kompliment für den politischen Gegner. Das kommt gleich aus mehreren Gründen gut an. Welcher Politiker sagt so etwas schon? Das trauen sich wenige, da sie fürchten, die andere Seite damit zu stärken. Komplimente verleihen dokumentiert aber auch die eigene Souveränität: „Ich habe die Größe, Leistungen anzuerkennen. Ich verliere dadurch nicht selbst an Format.“ Schließlich: Kretschmann ist ein populärer Ministerpräsident. Und er ist der Chef im Ländle. Wenn also einer, der in Berlin lebt, einem Schwaben im Südwestrundfunk ein Kompliment macht, sammelt er bei den Hörern und Hörerinnen Punkte. Je beliebter der Gelobte bei den eigenen Leuten ist, desto mehr. Bei Kretschmann momentan: Mehr. Drittens die sachliche Stellungnahme, die Seriösität verleiht.

Offenheit ist die beste Verteidigung

Kommen wir nun auf den ersten rhetorischen Kniff zurück: Die Körperfülle, eine offensichtliche Schwäche in unserer Zeit (und unserem Kulturkreis). Wo immer Ihre Schwäche liegt, dort sind Sie am empfindlichsten. Das wissen Ihre Gegner und zielen genau da hin. Beim Angriff an dieser verletzlichen Stelle ist ihnen der Triumph im voraus gewiss. Es sei denn, Sie gehen mit Ihren schwachen Seiten derart klug um, wie Peter Altmaier es tut. Wenn Sie sich selbst über Ihre Schwächen mokieren, nehmen Sie jedem Angreifer den Wind aus den Segeln. Was soll er noch sagen, wenn der Dicke selbst Witze über seine Pfunde reißt? Ihn darin noch übertrumpfen? Da lacht der doch nur!

Selbstverteidigung auch ohne Schlagfertigkeit

Altmaiers Jokes über seine eigene Schwäche bringen ihm Sympathiepunkte in der ganzen Bevölkerung, egal welcher Partei sie jeweils zugeneigt ist. Selbst die Inhalte seiner Politik werden dadurch unangreifbarer. Altmaiers „Trick“ ist nicht aufs Dicksein beschränkt, sondern funktioniert bei jeder beliebigen Schwäche. Auch wenn Ihnen der Humor und die Schlagfertigkeit nicht im Altmaierschen Maß gegeben sind, können Sie davon profitieren. Reißen Sie dann keine Witze über sich, aber sprechen Sie Ihre schwache Seite offen und großzügig an. Erklären Sie für andere, die damit noch nicht vertraut sind, in wenigen Sätzen, wie Sie dazu kommen. Das gilt insbesondere als Mobbing-Prävention. Sagen Sie beispielsweise: „Ich kann mich leider der Kaffee-Runde nicht anschließen, weil ich das Koffein nicht vertrage. Aber ich setze mich gerne mit einem Glas Wasser dazu.“ Oder: „Direkt nach Feierabend kann ich heute schlecht mit auf ein Bier kommen, weil mein Hund zu Hause wartet und raus muss. Aber nächste Woche ist gut, da ist mein Mann daheim, da komme ich gern mit.“ Mit solchen Sätzen haben Sie schon eine kleine Schutzwand aufgebaut. Der nächste Schritt ist es dann, die eigene Schwäche immer und überall zuzugeben und nach Möglichkeit über sie zu lachen – egal wer die Witze macht. Damit fahren Sie immer gut, gleichgültig, ob Ihre Kollegen und Kolleginnen Ihnen wohlgesonnen sind oder eher kritisch gegenüber stehen.

Wie Sie Ihre Schwächen in Bezug auf Ihre Karriere deuten sollten, darüber schreibe ich im nächsten Artikel.

Siehe zu Schwächen und Stärken auch die Debatte mit meiner geschätzten Kollegin Svenja Hofert hier.

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