Probleme lösen – dank Realität

Wer sich mit der Realität anlegt, verliert. Immer. Daher gehört es für alle Glückssucher dazu, wesentliche Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Doch sowohl bei Fakten, die das persönliche Leben betreffen, als auch bei solchen zu Politik und Gesellschaft beschönigen wir die Lage gerne mal.

Die Realität – eine Überlebensfrage

Hier einige Tatsachen:

  • Wir werden sterben – früher oder später
  • Wir können nicht in die Zukunft sehen – nicht einmal eine Sekunde
  • Materieller Wohlstand oder Erfolg garantieren weder Glück noch Zufriedenheit

Diese Fragen ergänzen jene, die der Psychologe und Journalist Prof. Christian Stöcker in seiner letzten Spiegel-Kolumne anführte. Bei ihm ging es um die gesellschaftlichen Themen der Homosexualität wie der menschengemachten Klimakrise. Doch Selbst- und Weltbild hängen zusammen, wie sich gleich zeigen wird.

Wie und wann akzeptieren wir Menschen die Realität? Das ist zur Überlebensfrage der Menschheit insgesamt geworden. So schreibt die Tagesschau über den (geleakten) Berichtsentwurf des nächsten IPCC-Berichts, „Klimaschutzmaßnahmen zahlten sich insbesondere in der zweiten Jahrhunderthälfte aus und könnten die Menschheit vor dem Aussterben bewahren“. Da der IPCC die besten Wissenschaftler:innen versammelt, die im Auftrag der Weltgemeinschaft über den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel berichtet, ist klar: Es ist sehr, sehr ernst!

Angesichts dessen, erscheint es als vollkommen irre, womit sich heute die Medien füllen und was gerade auf der politischen Bühne im Wahlkampf diskutiert wird. Wir verdrängen und verleugnen die Tatsache unserer persönlichen Endlichkeit ebenso, wie die elementare Bedrohung unserer gesamten Spezies. Das ist kein Zufall. Beides hängt eng zusammen. Wenn wir Menschen die Struktur unserer Wahrnehmung ändern, betrifft dies immer sowohl unser Selbst- als auch unser Weltbild (so die Forschung zur Erwachsenenentwicklung von Jane Loevinger, Robert Kegan u.a.).

Armins Auftrag

Betrachten wir einen Moment lang einen konkreten deutschen Mann in der zweiten Lebenshälfte: Armin Laschet. Sein derzeit vermutlich wichtigstes Ziel ist es, die Bundestagswahl zu gewinnen und der nächste Kanzler zu werden. Dies ist kein Ego-Tripp: Herr Laschet wurde von seiner Partei mit dem Anliegen betraut, die Wahlen zu gewinnen. Somit stehen tausende Parteimitglieder und Millionen unionstreuer Wähler:innen hinter ihm. Sie alle wünschen sich, dass die Union auch die nächste Bundesregierung anführt.

Wahlkampf bedeutet: Jede von Laschets Äußerungen und das Wahlprogramm der CDU werden analysiert und bei Bedarf in den Medien zerpflückt und von den politischen Gegner:innen dramatisiert.

Da Klimakrise und Artensterben sich nach langem politischem Nichtstun dramatisch zugespitzt haben, mutet jeder angemessene Satz dazu radikal an. Ein bequemes Weiter-so ist faktisch unmöglich. Doch das hätten die Leute am liebsten. Mit anderen Worten: Jeder Satz zu den ökologischen Krisen, der der Realität entspricht, steht im eklatanten, direkten Widerspruch zu Armin Laschets erwünschtem Wahlerfolg.

Wir Verdrängungs-Profis

Würde Herr Laschet die reale Klimakrise an sich heranlassen und seine persönliche Betroffenheit zugeben, müsste er einen Weg finden, Realität und Wahlkampf zusammen zu bringen. Irgendwie. Doch das ist schwierig. Daher verdrängt er dieses Problem lieber.

Und, jetzt kommt der harte Satz: Wie wir alle vieles verdrängen!

Wollen wir das Menschheitsproblem Klimakrise in den Griff bekommen, müssen wir zugeben: Die Kunst des Verdrängens ist uns allen gegeben.

Wir alle machen es uns am liebsten bequem – essen ungesund und in den falschen Mengen. Wir bewegen uns zu wenig und vernachlässigen Vorsorgeuntersuchungen. Wir engagieren uns stark für unser Bankkonto, obwohl der Konsum uns vermutlich weder zufrieden noch glücklich macht. Wobei wir gleichzeitig beim Leid anderer wegsehen.

Wie hängt das Verdrängen der persönlichen Belange mit dem Verdrängen der globalen Krisen zusammen? Vielleicht können Menschen sich erfolgreich um ihr individuelles Glück bemühen, ohne die großen ökologischen Krisen zu betrachten. Ganz sicher aber geht es nicht umgekehrt: Wollen wir die aktuellen Schicksalsfragen der Menschheit lösen, müssen wir beides im Blick haben: Selbst- und Weltbild.

Die persönlichen Karrierewünsche von Armin Laschet sind untrennbar mit den gesellschaftspolitischen Folgen seiner Kanzlerschaft verbunden. Und unser persönlicher Lebensstil prägt unsere politische Haltung. Die Liebhaber von Steaks, Kreuzfahrten und Flugreisen ziehen eher selten mit #LaschetVerhindern-Parolen durch die Straßen.

Genau in dieser Perspektive liegt wohl der Schlüssel zur Lösung der großen Probleme. Dass wir Selbst- und Weltbild zusammen denken. Realität gibt es hier wie dort zu beachten.

Entwicklung statt Resignation

Ein Grund zur Resignation? Eher weniger. Denn dieselbe Forschung (von Jane Loevinger und Robert Kegan), die auf das Zusammenhängen von Selbst- und Weltbildern hinwies, deutet auch an, wie wir Menschen unsere Probleme lösen können.

Wir können uns weiterentwickeln. Und mit jeder Stufe dieser Entwicklung weitet sich der Geist und erweitert sich der Zeithorizont. Das Interesse wandert vom Konsum ab und wendet sich mehr dem Innenleben zu. So ändert sich radikal, wie wir die Welt „verstoffwechseln“. Im Außen wie im Innen. Selbst- und Weltbild gehören zusammen.

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