Persönlichkeit: Aufbruch in ein selbstbewusstes Leben

Kommen Sie normalerweise bei Ihrem Chef gut an, aber sind dennoch unzufrieden und fühlen sich oft auch nicht geschätzt? Es könnte sein, dass Sie in diesem Fall in einem Dilemma feststecken, das Sie mit sehr vielen anderen teilen. Und für das es eine klare Lösung gibt – allerdings liegt diese ziemlich genau entgegengesetzt zu dem, was Sie bisher vermutlich versucht haben.

Als Hänschen / Lieschen gelernt…

Die meisten von uns haben eine Kindheit erlebt, in der ihre Eltern ein bestimmtes Verhalten eingefordert haben. “Wenn du x tust, machst du es richtig. Dann hast du mein Wohlgefallen verdient.” So ungefähr ließe sich diese elterliche Grundhaltung zusammen fassen. Für alle. Nur dass das “x” sich von Fall zu Fall unterscheidet. Bei den Älteren unter uns könnte x “artig, brav, fleißig” sein. Etwas später vielleicht “fleißig, ordentlich, höflich”. Prinzipiell könnte es aber auch im wahrsten Sinne des Wortes etwas x-beliebiges anderes sein (die Rolling Stones, Mozart oder Techno lieben, Pearcings cool finden – whatever). Auf das Muster, welches sich bei Ihnen eingeprägt hat, kommt es an: “Tue x, dann wirst du anerkannt.”

Egoistische Jugendliche werden Teil der Gesellschaft

Früher in der Kindheit kam es zu Auseinandersetzungen, wenn x scheinbar verfehlt wurde. Beispielsweise: Das Zimmer wurde nicht aufgeräumt. Kein x. Die Lösung: “Tue x”, räume auf. Wahrscheinlich waren Sie sogar jemand, der das bereits versucht hat. Deshalb können Sie diesen Lösungsweg erweitern auf Folgendes: “Finde heraus, was x gerade ist und tue es.” Mache auch noch dein Bett, wische Staub, räume die Spielsachen weg, mit denen du eigentlich gerade spielst. Whatever.

Dieses Muster wird nun mitgenommen ins Leben des Erwachsenen: “Finde heraus, was x ist und tue es. Dann wirst du anerkannt.” Räume die Akten auf! Sortiere sie nach den Gehirngängen des Chefs – whatever. Für Kinder war es lebensnotwengig, von ihren Eltern Anerkennung zu erfahren. Dies macht deutlich, wie wichtig das genannte Schema war und deutet an, wie tief es im Leben des Erwachsenen verankert ist.

Insgesamt war die Suche und Realisierung von x der zentrale Motor, um die egoistisch geprägte Pubertät zu überwinden und ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Der gesellschaftliche Druck ist erheblich, die egozentrischen Jugendlichen einzuhegen und auf diese Stufe zu befördern. Ab hier können sie als sozial integriertes Mitglied der Gesellschaft agieren.

Jeder Konflikt verstärkt Ihr Schema

Nun zu Ihrem Bewältigungsversuch, Ihrer Lösung, die Sie bei Streit einsetzen: Sie versuchen, x zu erraten. Sie bemühen sich darum, das, was Sie als x bisher angenommen hatten, nach einem Streit durch ein anderes x zu ersetzen, das besser passt. Denn Sie haben den Glauben verinnerlicht: Streit und Ärger rühren immer daher, dass Sie x falsch erkannt oder umgesetzt haben. Das Heil liegt scheinbar in einem anderen x, einem anderen Verhalten.

Was hier deutlich wird: Ihr Bewältigungsversuch verstärkt Ihr Schema. Jedes mal, wenn Sie Ihre – ohnehin tief verankerte – Lösung einsetzen, wird genau dieses Lösungsmuster weiter gestärkt. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie es beim nächsten Streit erneut einsetzen. Und dass Sie sich irgendwie falsch vorkommen, wenn Sie beim Erraten von x wieder mal auf die Nase gefallen sind.

Vielleicht erscheint es Ihnen etwas stark ausgedrückt, wenn ich nun behaupte: Ihr Lösungsmuster für Auseinandersetzungen ist ein ganz wesentlicher Teil Ihres Lebens! Aber es funktioniert tatsächlich auch dann, wenn es nicht um Streit oder die Nöte fehlender Anerkennung geht. Es wirkt ständig, immer, in allen Situationen. Es ist Ihre Lebensphilosophie. Meistens klappt es ja auch: Sie schätzen x richtig ein, verhalten sich danach, werden für diese Leistung anerkannt. Vielleicht erscheint Ihnen meine Verallgemeinerung einen Tick zu pauschal? Dennoch, wenn Sie sich bisher in den Beschreibungen wieder gefunden haben, können Sie davon ausgehen, dass sie zutrifft.

Auf etwa 12 Prozent der Erwachsenen passt das beschriebene Muster in Reinform (Ich-Entwicklungsstufe E4). Weitere mindestens 38 % der Erwachsenen leben dieses Muster nicht immer. Sie finden ab und zu andere Lösungswege (auf die ich gleich zu sprechen komme). Aber sie wenden dieses Verhalten doch in Krisensituationen regelmäßig an.

Die Schattenseite Ihrer Bewältigungsstrategie

Wie fühlt sich diese Lebensphilosophie an? Sie erleben sich als freundlich, engagiert und guten Willens: “Ich trage mein Bestes dazu bei, alles richtig zu machen.” Natürlich erheben Sie im Gegenzug den Anspruch, für Ihren Einsatz den “verabredeten” Lohn zu bekommen: Die Anerkennung der eigenen Person und Leistung. Erhebliches Bemühen bis hin zur Selbstaufgabe auf der einen Seite der Waage, Anerkennnung auf der anderen Seite: So kommt die Welt in die Balance.

Bitter wird es dann, wenn die Selbstaufgabe nicht belohnt wird und der Deal scheitert. Dann hat man selbst vorgelegt, alles richtig gemacht, sich bemüht, aber der Lohn bleibt aus. Die andere Seite spielt nicht mit. Die Welt erscheint als ungerecht. Außerdem bricht eine elementare Verunsicherung auf. Denn das eigene Selbstbewusstsein gründet auf x, das andere festlegen. Wir müssen eine Abhängigkeit von anderen feststellen, die verunsichern muss.

Ihre Option: Persönlichkeitsentwicklung

Da Sie Ihr Leben lang dafür belohnt wurden, dass Sie Ihren Egoismus überwunden haben und das von anderen geförderte und verlangte x gezeigt haben, widerstrebt es Ihnen von Grund auf, meine nun vorgeschlagene “andere” Lösung zu wählen. Es fühlt sich komplett falsch an, ich weiß. Aber hören Sie sich die Idee an.

In der Reinform funktioniert sie so: Sie kümmern sich nicht mehr darum, was x ist! Stattdessen suchen Sie danach, was Sie selbst – unabhängig von anderen! – wollen. Kurioser Weise war es genau dies, was Sie vor vielen Jahren überwunden hatten. Deshalb ist es für Sie schwer und fühlt sich falsch an. Aber: Sie müssen neue Wege gehen.

Bezüglich eines Punktes kann ich Sie beruhigen: Keine Sorge, ich bin mir vollkommen sicher, dass Sie NICHT zurückfallen in pubertären Egoismus. Ich bin mir sicher, dass Sie sich nicht zu jemandem wandeln, den Sie hassen: Ein Mensch, der sich nicht anpassen kann. Der sich nicht an die Regeln hält. Die Entwicklungsforschung stellt klar: Ein Rückfall in vergangene Zeiten ist jederzeit möglich, aber nur temporär. Ein dauerhaftes Zurückentwickeln ist unmöglich: “Was man hat, das hat man.” Wer sich die “gemeinschaftsorientierte” Stufe E 4 erarbeitet hat, fällt nicht mehr in die egozentrische Stufe E3 zurück.

Ihr Ziel: Ein “executive ego”

Die auf die E4 folgende nächste Hauptstufe E6 wird “eigenbestimmt” genannt. Dies macht den Unterschied recht schön klar, um den es geht – sonst könnte die Forschung diese Stufe ja auch “egoistische Stufe” nennen. Nein, “eigenbestimmt” ist völlig zu Recht ein positiver Begriff. In der vollen Ausprägung dieser Stufe spricht man davon, dass sich ein “executive ego” entwickelt hat. Eine innere Instanz, die andere Meinungen anhört und in die eigene Meinungsbildung einbezieht. Dann aber selbst urteilt. Diese Instanz versetzt Sie in die Lage, Menschen zu respektieren und doch selbstbewusst zu agieren. Menschen, die diese Stufe erreicht haben, werden nicht nur von außen als selbstbewusste, starke Persönlichkeit wahrgenommen. Sie fühlen sich auch so. Und sie sind es.

Wenn Sie diesen Text gelesen haben und finden, dass er auf Sie zutrifft, sind Sie vermutlich schon auf dem richtigen Weg: Sie müssen ihn nur weiter gehen. Hilfreich und beschleunigend wirkt hier ein Entwicklungscoaching. Aber auch so gilt: Das Leben stellt Ihnen täglich Türen hin – Sie müssen nur durchgehen. Wenn Sie das einige Monate lang konsequent tun, haben Sie gute Chancen, dass sich Ihr Leben grundsätzlich zum Positiven hin verändert.

Wenn Sie bei der vollentwickelten eigenbestimmten Stufe angekommen sind, haben Sie übrigens Ihren Geist geweitet und Ihre persönlichen Kapazitäten soweit ausgebaut, wie es nur noch auf weniger als die Hälfte der Erwachsenen zutrifft. Sie benötigen viel weniger Energie dafür, sich in andere hineinzuversetzen und es ihnen recht zu machen. Sie erleben weniger Ärger, reagieren gelassener. Und Sie haben viel mehr Energie zur Verfügung für Ihre Karriere und Ihre Lebensvorhaben. Viel Erfolg dabei – es lohnt sich!

Übrigens: Wenn Sie dies alles vollkommen erkennen, aber sich nicht damit identifizieren, sondern eher bei anderen beobachten, sind Sie möglicherweise bereits auf einer E6 – oder in seltenen Fällen – auf einer noch späteren Entwicklungsstufe angekommen. Auch hier hilft es weiter, das zugrundeliegende Ich-Entwicklungsmodell näher kennen zu lernen. Die eigene Stufe sicher scoren zu lassen und damit die Voraussetzung zu schaffen, die eigenen Lebens- und Arbeitsthemen künftig mit mehr Souveränität zu lösen.

 

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