Internetprofile: Top Ten der Selbstbeschreibung

Das internationale Karrierenetzwerk Linkedin wertete die bei seinen deutschen Mitgliedern am häufigsten verwendeten Selbstbeschreibungen aus. Wie das Manager-Magazin richtig denkt, könnte die Liste auch als Negativ-Folie nützlich sein. Da alle Welt sich so beschreibt, soll man es gerade nicht so machen. Was auf der Hitliste steht, sollte man vermeiden! Dabei gerät das Wirtschaftsblatt in eine Falle, die von den Auswertern von Linkedin schon angelegt wurde – und die so typisch ist für unsere Zeit. Vor lauter Schielen danach, wie man sich am besten darstellt, vergessen die MM-Ratgeber, was der Kern der Selbstbeschreibung sein sollte: Eine zutreffende, prägnante und selbstbewusste Darstellung der eigenen Person. Ganz egal, wie häufig die Begriffe allgemein verwendet werden! Wer originell dadurch sein will, dass er schaut, was andere von sich sagen und dann diese Begriffe vermeidet, ist in Wahrheit weder originell, noch selbstbewusst!

Hier die Top Ten nach Linkedin in aufsteigender Reihenfolge. Ich habe die Liste jeweils mit wichtigen Hinweisen  versehen, um Ihnen die Frage zu erleichtern, ob Sie den jeweiligen Begriff in Ihrer Selbstbeschreibung verwenden sollten.

Verantwortungsvoll (10)

Wer Verantwortung trägt, dokumentiert dies gewöhnlich schon in seiner Position. Andererseits: Sollte dieser Begriff deshalb verboten sein? Eine grundsätzlich nützliche Überlegung ist folgende Annahme: Menschen unterscheiden sich. Häufig gibt es eine Polarität. Die meisten Menschen sind nicht verantwortlich-genau und flexibel-kreativ zugleich, sondern tendieren zur einen oder anderen Seite.

Im Berufsleben gibt es für jede Persönlichkeitstendenz ihren spezifischen Einsatz. (Über-) Genaue sind eher am Platz bei Kontrollaufgaben etwa in der Qualitätssicherung. Kreative werden eher in festgefahrenen Situationen benötigt, in denen es frischen Schwung braucht. Wenn Sie ausdrücken wollen, dass Sie sehr genau hinsehen, dürfen Sie sich selbstverständlich als “verantwortungsvoll” beschreiben. Genauso, wenn Sie diesen Begriff schlicht als ein Hauptmerkmal Ihrer Persönlichkeit und Arbeitsweise. Vielleicht fällt Ihnen immer wieder au, dass Sie Verantwortung wichtiger nehmen als andere?

kreativ (9)

Kreativ wollen viele sein, Kreativsein ist angesagt. Im Bewerbungskontext warne ich aber meist vor dieser Vokabel. Ein “kreativer Grafiker” ist wie ein “weißer Schimmel” – ein “kreativer Buchhalter” dagegen eine Gefahr fürs Unternehmen. Ich selbst würde mich (daher) nicht als kreativ beschreiben (sondern die Kreativität zeigen). Bei meinen Beratungskunden streichen wir meist nach kurzem Disput die Kreativität aus den Profilen. Meist wurde sie nur gewählt, weil es schick klingt. Und wer tatsächlich erfindungsreich ist, findet besser einen anderen Weg, dies zu zeigen.

innovativ (8)

Sind Sie”innovativ”? Dann sollten Sie dies belegen können: Durch selbst eingeleitete Umstrukturierungen, selbst initiierte Projekte, kreative Problemlösungen. Am Ende steht dann aber immer noch die zusammenfassende Vokabel “innovativ”. Wäre das schlimm? Eigentlich nicht! Was aber natürlich immer geht: Sie greifen in die große Kiste der Synonyme. Also sind Sie vielleicht veränderungsfreudig, offen, gestaltungsstark, ein starker oder tatkräftiger Impulsgeber … ist irgendwas davon wirklich besser? Wenn ja: Nutzen Sie den Ersatz. Über ungewöhnlichere, aber treffende Wörter nachzudenken, lohnt immer.

leidenschaftlich (7)

Ein äußerst beliebtes Eigenschaftswort, auch bei Unternehmen. Weil die Marketingmanager die Erkenntnis treibt, dass König im Wettbewerb ist, wer seine Marke emotionalisiert. So spazierte das Wörtchen “leidenschaftlich” von den Herz-Schmerz-Filmen und dramatischen Opern in die Unternehmenswelt. Und von dort zog es weiter in die Profile der Mitarbeiter, die nun auch alle leidenschaftlich sein wollen.

Das hört sich nach einem Hype an … – andererseits: Wenn ich manche meiner Coaching-Kunden über ihr Fachgebiet sprechen höre, ist das Wort schlicht angebracht. Da sind wirklich Überzeugungstäter am Werk, die ihr Anliegen sehr ernst nehmen. Menschen, die “immer nach dem Optimum suchen”, die “eine Idee weiter sind”, dis “sich ihrer Sache hingeben” – womit Sie gleichzeitig einige Alternativen hätten, falls Ihnen “leidenschaftlich” als zu abgegriffen erscheint.

erfahren (6)

Auf Kurt Tucholsky geht folgende Sentenz zurück: “Da gehen 35 Jahre Erfahrung” sagte der eine traurig. Erwidert der andere: “Nein, da geht ein Jahr Erfahrung, das 34 Jahre wiederholt wurde.” Damit ist klar, dass Erfahrung an sich kein Qualitätskriterium ist! Eher eine Tatsache. Wenn es jedoch wirklich um langjährige Erfahrung geht und diese von Vorteil ist, bleibt das Wort erlaubt. Etwa in dem Satz “Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung kann ich die wesentlichen Probleme schnell erkennen, geeignete Lösungen vorschlagen und adäquat umsetzen.”

Expertenwissen (5)

Wiederum eine Tatsache, aber eine, die sich verkaufen lässt. Um Expertenwissen zu erwerben, muss man sich lange mit einem bestimmten Thema auseinander setzen. Nur wer dies leistet, darf sich als Experte bezeichnen. Wenn Sie beispielsweise zwanzig Jahre lang in Energieunternehmen gearbeitet haben, sind Sie deshalb noch kein Experte. Anders liegt der Fall, wenn Sie in den letzten zehn Jahren in drei verschiedenen Energieunternehmen die Umwandlung vom traditionellen Energieversorger zum modernen, umweltgerechten Serviceanbieter in Sachen Energie verantwortet haben. Dann sind Sie wahrhaft Experte oder Expertin – genau für diesen Umwandlungsprozess. Und in diesem Fall (und allen vergleichbaren Fällen) sollten Sie dieses hervorragende Merkmal auch gebührend heraus stellen.

fokussiert (4)

Eine Arbeitsweise, die nicht jeder Mensch sein eigen nennt. Die aber auch nicht immer weiter hilft. Denn wer ausschließlich seine Ziele fokussiert, vernachlässigt das Umfeld. Je komplexer die Aufgaben, desto klarer müssen beide Kompetenzen ausgeprägt sein: Die Fähigkeit zum Fokus (Zielorientierung, Ergebnisorientierung …) einerseits und das Vermögen, das Ganze im Blick zu behalten und Randbedingungen zu berücksichtigen. Sind Sie fokussiert? Oder behalten Sie einen weiten Blick? Oder variieren Sie von Situation zu Situation die beiden Möglichkeiten? Suchen Sie sich das heraus, was auf Sie zutrifft – und vermeiden Sie das Wort nicht etwa alleine deshalb, weil es andere auch gebrauchen!

strategisch (3)

Gehen Sie Ihre Aufgaben strategisch an? Als Geschäftsführer oder strategischer Einkäufer müssen Sie das. Dennoch könnte es sein, dass diese Haltung nicht selbstverständlich ist. Der eine Geschäftsführer mag im operativen Geschäft ertrinken, dem anderen gelingt es, trotz allem Dringenden das langfristig Wichtige im Blick zu behalten. Mit dem Wort “strategisch” ist das unzureichend erklärt – der Begriff würde allerdings in einem längeren Satz gute Dienste leisten.

Führungsqualitäten (2)

Okay, für langjährig erfolgreiche Führungskräfte ist diese Vokabel wirklich lächerlich. Sinnvoll dagegen ist sie dann, wenn eine Kandidatin noch keine expliziten Erfahrungen vorweisen kann, jedoch Anfänge einer Führungsverantwortung. Beispielsweise hat sie kleinere Projekte mit disziplinarischer Führung vorzuweisen. Vielleicht übt sie auch im Ehrenamt als Vereinsvorsitzende mit Angestellten in der Geschäftsstelle eine Führungsfunktion aus, auf die Sie vollkommen zu Recht hinweisen möchte: Nur zu! Und die erfahrene Führungskraft benutzt das Wort vielleicht im Zusammenhang. Sie spricht dann beispielsweise von “ausgebauten” oder “langjährig erprobten” Führungsqualitäten.

spezialisiert (1)

Worauf? Wenn Sie auf diese Frage eine gute Antwort parrat haben, ist der Hinweis auf Ihre Spezialisierung sinnvoll und hilfreich. Wenn nicht, ist das Wörtchen freilich vollkommen inhaltsleer.

Fazit

Forschen Sie danach, was Sie persönlich auszeichnet! (Tipps für die “Soft-Skill-Suche” erhalten Sie hier). Ziehen Sie die Top Ten der Selbstbeschreibungen nach Linkedin erst danach zu Rate. Suchen Sie, wenn Ihre Selbstbeschreibungsvokabel in der Linkedin-Liste auftaucht gerne nach Synonymen – aber verwenden Sie diese Synonyme nur, wenn sie wirklich besser sind!

 

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