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12.09.2017 Persönlichkeitsentwicklung

Naturwissenschaft, Spiritualität und Coaching

Wie halten Sie es mit Naturwissenschaft, Glaube und Spiritualität? In aufgeklärten Zeiten ist Spiritualität für viele von uns eigentlich kein Thema. Allerdings mögen einige ihre ursprüngliche Religion nicht ganz missen. Andere gehen ihre spirituelle Seite eher unkonventionell an, schon weil sie diese latent im Widerspruch zu ihrem eigenen Verstand sehen. Wir tun uns also schwer mit diesem Thema. Meist schieben wir es allein schon deshalb zur Seite. Dabei ist gerade die Verbindung von Spiritualität und Naturwissenschaft spannend. Ich wage sogar zu behaupten: Je wissenschaftlicher wir das Thema angehen, desto faszinierender erscheint die Spiritualität. Heraus kommt eine Art „Glaube ohne Gott und Guru“.

Naturwissenschaft: Einige sehr allgemeine Tatsachen

Für folgende Erkenntnisse der Naturwissenschaft brauchen Sie kein abgeschlossenes Physik-Studium. Ja, Sie dürften sogar in der Schule in der hintersten Reihe sitzend manche Stunde verschlafen haben – so allgemein bekannt und anerkannt sind diese Feststellungen.

Um Ihnen den letzten, vielleicht weniger vertrauten Punkt, zu veranschaulichen:

Das Nicht-Abbilden sondern interpretieren der Realität ist also bei gesunden Menschen etwas völlig Normales. Sie bildet den Kern der menschlichen Informationsverarbeitung. Wir brauchen andere, um ein halbwegs zutreffendes Bild der Realität zu erhalten.

Spiritualität: Folgerungen aus naturwissenschaftlichen Tatsachen

Kennen Sie den Film „Lola rennt“? Das vielfach ausgezeichnete Werk von Regisseur Tom Tykwer mit Franka Potente und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen zeigt dreimal dieselbe Zeitspanne. Winzige Unterschiede im Ablauf führen zu völlig anderen Ausgängen. Im Straßenverkehr erleben Sie täglich diese kleinen Verschiebungen. Wer ein paar Sekunden durch sein Smartphone vom Verkehr abgelenkt ist, kann einfach weiter fahren – oder im Krankenhaus landen. Jeder Sekundenschlaf entscheidet darüber, ob der Lenker eines Fahrzeugs schwer verletzt im Graben liegt und sich sein Leben grundlegend ändert – oder nichts weiter passiert, – je nachdem, wann die Müdigkeit zuschlägt. Ein kurzer Fluch in den Ohren des Chefs führt zum Karriereknick – oder verhallt einfach ungehört. Ein einziger Kuss begründet eine Ehe. Ein Impuls an anderer Stelle beendet sie vielleicht vorzeitig.

Einzelne Sekunden also, die Lebensverläufe und Karrieren grundlegend verändern. Wir machen uns üblicherweise nicht bewusst, was in nur einer Sekunde passieren kann. Wir leben einfach so dahin bzw. denken eher in Stunden, Tagen, Wochen. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ein winziger Impuls unser Leben völlig umkrempeln kann.

An solche Überlegungen schließt sich für manche ein Glaube an, dass „alles vorherbestimmt ist“ oder dass es einen Gott und Lenker all dessen geben muss.

Wenn wir uns indessen an die Naturwissenschaft halten, lässt sich zweierlei folgern:
1. Die unerhörte Einmaligkeit jedes Augenblicks (sie kann uns zutiefst anrühren und faszinieren)
2. Die Unmöglichkeit, daraus weitere Rückschlüsse zu ziehen (die Existenz eines höheren Wesens wird dadurch nicht wahrscheinlicher, dass jeder Augenblick einmalig ist und sich nicht wiederholt)

Niemand sollte sich die Faszination und den Respekt vor dem Leben verderben lassen. Weder durch nüchterne Naturwissenschaft, noch durch religiöse Riten, vernunftlosen Aberglauben oder esoterischen Hokuspokus.

Jede Sekunde treibt die Gesamtheit des Lebens, der Materie, aller Wechselwirkungen etc. die Evolution weiter voran. Gibt es also ein Ziel, einen Plan, einen höheren Willen?

An der Naturwissenschaft orientiert lässt sich feststellen:
1. Die einzelne Sekunde eines Menschen ist ein winziger Teil der Evolution, treibt die Evolution voran, ist individuell von immenser Bedeutung
2. Rückschlüsse auf ein Ziel oder einen Plan des Ganzen sind nicht zu treffen

Das Wunder des Lebens, die ganz und gar großartige Zeit des eigenen Lebens und die Verflechtung mit allen anderen Menschen ist aufs Höchste erstaunlich – eine Religion braucht man dafür nicht.

Viele Menschen verbinden mit dem Glauben an Gott das Gefühl, irgendwie getragen zu werden. Sowie den Respekt gegenüber einem größeren Sein. Wer sich die eigene Winzigkeit angesichts des Universums vor Augen hält, braucht dazu jedoch nicht unbedingt einen Gott. Klar, für die einen ist derlei mit dem Glauben an Gott verbunden. Für andere dienen solche Überlegungen umgekehrt dazu, sich als nüchterne Menschen zu outen, die an der Wissenschaft festhalten. Zu ihrem Selbstverständnis gehört es dann, sich von Glauben, Gott und Spiritualität zu distanzieren. Beide Haltungen sind respektabel – aber nicht zwangsläufig. Man könnte sogar sagen: Je mehr man sich an die Naturwissenschaft hält, desto erstaunlicher wird das Leben.

Wir wissen insgesamt sehr wenig darüber, was vor sich geht. Allerdings müssen wir uns an das halten, was wir wissen. Wer Tatsachen ignoriert und durch eine spirituelle Weisheit ersetzen will, hat nichts gewonnen. Der unspezifische Glaube daran, dass „alles gut wird“, mag psychisch bekömmlich sein. Ohne eigenes Zutun für eine gelingende Zukunft ist er schlicht naiv. Umgekehrt ergibt es Sinn: Wenn Sie alles tun, damit Ihre Zukunft erfreulich wird, steigert Ihr Glaube an den eigenen Erfolg Ihre Erfolgsaussichten zusätzlich. „Wer sucht, der findet“ (z.B. einen neuen Job) – wer nicht sucht und sich nicht bewirbt, dem wird der Jobwechsel eher nicht gelingen. Oder, an einem anderen Beispiel: Mit einem Armbruch würde ich mich in die Hände der konventionellen Medizin begeben und mir eine Schiene verpassen lassen. Meine Zuversicht, mein Glaube an Gott oder eine gute Macht mag dann die Heilung zusätzlich befördern.

Anwendungen im Coaching

Fazit: Ganz egal, an was Sie glauben, die schlichten Erkenntnisse der Naturwissenschaft genügen, um über die Schöpfung / das Universum gehörig zu staunen. Um sich realistisch als winzig einzuordnen. Um Respekt vor der Größe der unbekannten Einflüsse zu empfinden. Um sich der Einmaligkeit und Größe der eigenen Wirkmacht bewusst zu werden (auch SIE schreiben die Evolution fort!).

Hier nun einige Anwendungen im Coaching:

Ich bin überzeugt,

Manches davon mag spirituell orientiert klingen – vielleicht zu Recht. Dafür indessen an eine höhere Existenz zu glauben, ist nicht notwendig. Das Universum, die Evolution, die unzähligen mit uns verflochtenen Lebewesen, Gedanken und Gefühle sind etwas unermesslich viel Größeres als es unser eigener Horizont sein könnte. Diese Form der Spiritualität ergibt sich direkt aus dem, was wir auf naturwissenschaftlichem Weg über die Welt herausgefunden haben. Respekt und Demut sind genauso angebracht, wie der Glaube daran, das eigene Leben und die Welt verändern zu können. Wissenschaft und Spiritualität gehen Hand in Hand. Die Konsequenzen davon zeigen sich im Leben immer wieder – nicht zuletzt im Coaching.

So können Sie etwas mehr Klarheit über Grundfragen des Lebens gewinnen. Sie können Vernunft und die Erhabenheit des Moments, Ihren Einfluss und Ihr Eingebettetsein in Organisation oder Systeme begreifen und gestalten.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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