Porträt Christoph Burger
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29.12.2011 Karriere mit Charakter

"Lieber echte Ideale als falsche Karriere" – Jahresausklang mit einer echten Kwerkarrieristin

Die zitierte Aussage findet sich auf einem T-Shirt aus der Kollektion von „manomama“. Der Spruch ist eine Verhohnepiepelung des KIK-Slogans („Lieber echte Karriere als falsche Ideale“) – und nur eine der selbstbewussten Aktionen der Kwerkarrieristin und Textilunternehmerin Sina Trinkwalder.

Trinkwalders Biographie ist von Jugend an ungewöhnlich. Mit 13 begann sie, Artikel für Zeitungen zu schreiben, Comics zu zeichnen und zu fotografieren. Mit 15 zog sie von zu Hause aus und verdiente ihren Unterhalt selbst. Sie kam in die Werbebranche, wurde Unternehmensberaterin, verdiente gut, aber erlebte immer öfter Situationen, die sie aus moralischen Gründen nicht mehr mittragen wollte. Einmal war es dann zu viel: „Ihr habt doch ’nen Dachschaden“, sprach die junge Frau im Meeting, stand auf und verließ Raum und Arbeitgeber.

Heute führt Sina Trinkwalder ein Unternehmen, das ökologisch und sozial funktioniert (manomama). Sie vertreibt übers Netz und über VertreterInnen, die in der Republik verteilt sind, Kleidung, die sie hoch korrekt produzieren lässt. Die Rohstoffe sind kontrolliert, die übrigen Werkstoffe nach Möglichkeit in einem Umkreis von 200 km vom Produktionsort Augsburg erstanden. Als Mitarbeiter gewinnt sie auf dem Arbeitsmarkt Benachteiligte, die sie ordentlich bezahlt.

Wie das wirtschaftlich geht? Das erläutert Frau Trinkwalder im Interview: „Ein klassisches Textilprodukt ist so kalkuliert, dass 75 Prozent vom Preis Marketingausgaben sind. Ihre Markenjeans kostet in der Herstellung fünf Euro. Sie zahlen dafür aber mindestens 150 Euro. Bei uns bezahlen Sie nicht die Werbung, sondern die Herstellung und die Menschen, das ist der Unterschied.“

Sina Trinkwalder ist eine, die klare Worte findet. Beispielsweise sieht sie das „Greenwashing“ vieler Firmen kritisch: Produkte werden mit ökologischen Argumenten beworben, ohne ökologischen Kriterien zu genügen. Trinkwalders harsche Formulierung: „Viele Werber in der 2.0-Ökosinnkiste wollen Geld verdienen. Sie sagen den Unternehmen: Also, ändern musst du nix, spar dir die Kohle, gib sie lieber mir, ich verkauf’s dir geil. Das ökosoziale Deckmäntelchen ist die größte Lüge unserer Zeit.“

Und die Self-made-woman wäre wohl nicht sie selbst, wenn sie nicht auch den Konsumenten den Spiegel vorhalten würde: „Die, die das Geld haben, konsumieren nach Status. Die haben nicht die Kultur des Understatement, also das Wissen: Ich bin schon jemand. Die denken: Ich muss konsumieren, um etwas oder jemanden darzustellen. Wenn du handgefertigte, langlebige Schuhe trägst, dann sieht das keiner, weil keine Marke draufsteht. In Deutschland musst du Gucci, Armani, Prada, Kruscht und Glumb haben. Darüber freut sich der Werber, das macht es so einfach, den Deutschen alles mögliche anzudrehen.“

Ich sehe in solchen Sprüchen nicht nur eine wohl wahre, kritische Aussage. Sondern als Psychologe und (Kwer-)Karriereberater stelle ich fest: Wer solche Sprüche nicht nur drauf hat, sondern auch lebt, hat sich im besten Sinne des Wortes selbst befreit und lebt die Kwerkarriere. Ein ermutigendes Beispiel für 2012! Kommen Sie gut rein!



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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