2012: Was tun nach der Schule?

Was macht die pragmatische Generation, wenn vorgezeichnete Wege blockiert sind? Doppelte Abiturjahrgänge und das Wegfallen des Wehrdienstes verschärfen 2012 die Situation in der Perspektive der Schulabgänger.

Ziele: Job und Familie

Denn für die „pragmatische Generation“, für Jugendliche und junge Erwachsene, sind die Ziele andere als früher. Kaum einem geht es vorrangig um politische oder gesellschaftliche Themen. Stattdessen soll es ein guter Job sein, um eine Familie zu gründen – so sagt die Shell Jugendstudie. Und so einen gibt es der Ansicht vieler nach später ausschließlich für Strebsame mit Spitzennoten, ausgezeichneten Sprachkenntnissen und ausgeprägter Teamfähigkeit (Anpassungsfähigkeit). Eine Panik, die letztlich durch Pisa geschürt wurde. Immer mehr meiner Kollegen springen auf den Zug auf und bieten Berufsberatung für Schulabgänger an. Denn anscheinend gilt für die Berufswahl ein Gesetz: Wer nach dem Schulabschluss in die falsche Richtung marschiert, verliert Zeit und Chancen.

Chancentot? Quatsch!

So sehr nun junge Erwachsene samt ihrer Eltern verzweifeln, weil sie den „richtigen“ Weg nicht finden: Persönlichkeit kann nur reifen, wenn es auch Trödelphasen und Irrtümer gibt. Eine spätere Führungskraft braucht ebenso wie eine erfolgreiche Unternehmerin – und ein glücklicher Mensch! – das Lernen nach Versuch und Irrtum. „Wer bin ich und wo will ich hin?“ Diese Fragen können kein Test und kein Coach beantworten. Das geht nur übers Ausprobieren. „Was soll ich aber ausprobieren?“ – schallt es verzweifelt zurück. Das eben, liebe Jungs, Mädels und Eltern, ist erstmal relativ gleichgültig! Hauptsache rein ins Praktikum, in die Weltreise, ins Au pair.

Was probiert wird, ist egal

Es gibt hier keine richtige Lösung – denn sonst wäre es keine echte Entdeckungsreise. Wer heute eine Expedition plant, etwa ins Gebirge, bereitet sich akribisch vor. Wir sind es immer häufiger gewohnt, unsere Projekte bis ins Letzte durchzutakten. Das gilt auch als Ideal. Aber die Reifung einer Persönlichkeit funktioniert anders! Hier heißt die Devise: Mut zum Risiko!

Das Entscheidende, wie es sich in ungeplanten, wilden Momenten vorzugsweise entwickelt, ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern. Diese Fähigkeit ist ein Schatz. Der Mensch braucht sie sein ganzes Leben lang. Wer sie besitzt, kann tun und lassen, was er oder sie will und liegt doch immer richtig. Wege entstehen hier beim Gehen, indem der Mensch in sich hinein fühlt und zuverlässig Antwort bekommt, wo es in der gegebenen Situation am besten langgeht. So gelingt das eigene Leben. Alles Geschrei vom nötigen „roten Faden“, von der richtigen Berufswahl und der Karriere ohne Zeitverlust helfen letztlich nicht weiter. Mut zum Chaos und vor allem zu sich selbst dagegen schon.

2012: Pragmatische Ruhe oder Aufstand?

Bleibt die Frage, was aus der pragmatischen Generation 2012 wird. Ich bin gespannt. Denn ich kann mir vorstellen, dass das nächste und übernächste Jahr übersichtlich, geordnet und ruhig – eben pragmatisch – vorüber gehen werden. Es könnte aber genauso gut ein Aufstand der Jugend erfolgen, wenn ein Zündfunke überspringt. Denn wo Pragmatikern die direkten Wege verbaut werden, poppt leicht der Konflikt hoch: Selbststeuerung und Freiheit vertragen sich nunmal nicht mit braver Folgsamkeit. Die Euro-Krise und die Bundestagswahl 2013 geben spannende Anlässe, vielleicht verschieben auch aufstrebende Piraten und das Sich-verkrümeln der Liberalen die Verhältnisse entscheidend.

Bleiben wir beim Beruflichen, so traue ich den Jungen eher zu, die Lage zu verstehen, als uns Älteren. Schließlich haben wir jahrelang das Hohe Lied von den geraden Lebensläufen gesungen – und uns hinterher beschwert, dass es nur noch gut qualifizierte aber langweilige Bewerber auf dem Markt gibt.

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