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19.02.2015 Psychologie

Kommunikation: 5 schlechte Gründe, nicht zuzuhören

Menschen wollen brennend etwas Bestimmtes wissen. Doch wenn es dann gesagt wird, bekommen sie es nicht mit,- weil sie nicht zuhören. Wie kann es dazu kommen?

Zuhören ist Karrieregeheimnis

Wie ich im letzten Artikel hier veranschaulicht habe, ist die Kunst des Zuhörens ein absoluter Karriere-Tipp. Dennoch beherrschen diese Kunst wenige wirklich. Dies kann ich Ihnen in jeder beliebigen Talk-Show mittels Aufnahme und Stopp-Taste zeigen. In dem Moment, in dem die Diskutanten den anderen ins Wort fallen, haben sie häufig das beste Argument verpasst. Obwohl das Ins-Wort-fallen häufig aus taktischen Gründen geschieht: Es käme deutlich besser an, wenn sie in aller Ruhe ihre vollkommen souveräne Entgegnung präsentierten.

Basis des Rhetorik-Mankos ist das Unvermögen zuzuhören. Und das passiert natürlich nicht nur in Talk-Shows, sondern in jedem Meeting, in Vorstellungs- und Personalgesprächen und in vielen Gesprächen am Rande.

Mein Rat lautet deshalb: Hören Sie grundsätzlich immer ruhig bis zum Ende zu. Denn angenommen, Sie wissen schon bevor der andere fertig gesprochen hat, was er sagen will, was dann? Entweder der Beitrag nimmt doch noch eine überraschende Wendung. Dann bekommen Sie diese mit. Oder die Wendung bleibt aus. Dann benötigen Sie weniger Aufmerksamkeit beim Zuhören und können die Energie in Ihre Entgegnung stecken.

Als Diplom-Psychologe, Coach und Karriereberater bin ich  Zuhör-Profi. Als solchem fällt mir die riesige Gruppe der schlechten Zuhörer auf. Und ich frage mich, woher dies kommt. Hier meine 5 Top-Gründe.

Nehmer statt Geber sein

Adam Grant hat kürzlich mit einem wichtigen und lesenswerten Buch diesen Punkt hervor gehoben. Es gibt Menschen, die den Austausch mit anderen, wenn es irgend geht, zu ihren Gunsten gestalten: Die Nehmer. Wer lieber nimmt, als gibt, neigt zum schlechten Zuhören.

Arroganz

Die Einstellung: „Ich bin viel toller, als andere“ führt zur miesen Gewohnheit des schlechten Zuhörens. Ein Teufelskreislauf: Wer schlampig zuhört, bekommt die Kompetenz von anderen nicht mit. Wer die Kompetenz der anderen nicht bemerkt, überhöht sich selbst und geringschätzt andere. Wer schlecht zuhört …..

Fixierung auf Status und Ansehen

Wer die Menschheit in „wichtig“ und „unwichtig“ einteilt, legt den Focus auf die Worte der scheinbar wichtigen Personen. Die Energie konzentriert sich auf das Sortieren der Menschen in die jeweilige Schublade und fehlt beim Zuhören. Die Meinung der 95 Prozent „unwichtigen“ Personen wird missachtet.

Verwechslung von klaren Worten mit Kompetenz

Ist derjenige, der klar und deutlich spricht, kompetent und hat Recht? Das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben. Hängen Sie nicht an den Lippen derer, die groß tun, sondern bilden Sie sich selbst eine Meinung, wer etwas zu sagen hat.

Furcht vorm Zweifel

„Wenn Sie schon selbst nicht genau wissen, ob Sie als Berater helfen können, können Sie das bestimmt nicht“. Doch, könnte er. Ist der Zweifel ein Hinweis auf Inkompetenz in einer Sache? Nein, eher umgekehrt. Denn Zweifel dokumentiert Respekt vor der Aufgabe und bringt den weiteren Horizont mit sich. Häufig ist er gerade der Hinweis, dass man schon weiß, einfache Lösungen greifen nicht.

Welche Gründe kennen Sie für die Genese der schlechten Zuhörer?

Woran Sie erkennen, ob Sie selbst schlecht zuhören

Vielleicht ist in Ihnen während des Lesens auch der Verdacht gekeimt, dass Sie selbst eher zu denen gehören, denen das Zuhören manchmal nicht perfekt gelingt? Hier ein paar Beobachtungen, die Ihnen vielleicht helfen, Ihre diesbezügliche (In-)Kompetenz zu erkennen. Wenn Sie mit „ja“ antworten, ist dies ein Hinweis, dass das Zuhören ein Entwicklungsfeld für Sie ist:

  1. Andere beschweren sich bei Ihnen, dass Sie nicht gut zuhören
  2. Andere sagen häufiger „Lassen Sie mich bitte ausreden“
  3. Andere bemerken, dass sie falsch verstanden wurden
  4. Ihr Selbstbild ist, dass Sie ein großartiger Redner sind
  5. Ihnen ist noch nie bei anderen aufgefallen, dass diese schlecht zuhören
  6. Es gelingt Ihnen nicht, die Rede von anderen zusammen zu fassen
  7. Sie denken, dass Sie sehr viel schneller als alle anderen verstehen, was einer sagen will.
  8. Sie denken beim Zuhören häufig, dass andere viel kürzer reden könnten und die Dinge unnötig kompliziert machen.

Wie meinen Sie, dass schlechte Zuhörer sich selbst auf die Schliche kommen können?

 

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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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