Karriere-Geheimnis Nr. 1: Die Kunst des Zuhörens

Menschen versuchen ambitioniert, Karriere zu machen. Sie bekommen sogar genau richtige Tipps gesagt – aber hören nicht zu. Da wird es schwierig mit der Karriere; denn Zuhören ist ein absolutes Muss.

Topp-Tipp verhallt

Als Diplompsychologe und Coach bin ich professioneller Zuhörer und als Karriereberater auf Karrieretipps spezialisiert. Beides zusammen führte einmal dazu, dass ich Zeuge folgender kleiner Unterhaltung wurde. Am Rande einer Jobmesse gab eine äußerst erfolgreiche Unternehmensberaterin einer anderen, die mit dem Stand ihrer Karriere reichlich unzufrieden schien, DEN Top-Karriere-Tipp. Kostenlos! Individuell! Nur: Die Botschaft verklang ungehört.

Okay, es war nicht ganz einfach, sie zu hören. Denn der Szene-Star schickte keine große Ankündigung voraus und keine drei Ausrufezeichen hinterher. Nein, es handelte sich um einen kleinen Satz, nebenbei gesagt. Man musste halt hinhören, um ihn zu bemerken. Und daran scheiterte die Berater-Kollegin. Ihr war es wichtiger, ihr Leid zu klagen, wie es um ihr Geschäft stehe. Chance verpasst!

Als offiziell beauftragter, bezahlter Ratgeber hätte die Kollegin ihren Tipp sicher wiederholt. So aber? Vorbei, verflogen, weiter wie bisher. Ich selbst war stiller Zuhörer. Innerlich verblüfft, was gerade passiert war, ja geradezu bis heute fassungslos. Sollte man Menschen Weisheiten nachtragen? Nein, wenn der Mensch gerade nicht aufnahmebereit dafür ist. (Es sei denn, man wird als Berater / Coach dafür bezahlt. Ein kleiner Grund fürs Buchen eines Karrierechoachings: Hier werden die Tipps ausreichend heraus gestrichen.)

Das Nicht-Zuhören krassiert allerdings überall, wie folgendes Beispiel zeigt.

Kostenloser Tipp vom Topp-Management

Eine wahrlich schräge Situation erlebte ich erst vor Kurzem im Unternehmen. Ein Young Professionell suchte den Rat eines Managers, um die große Karriere zu starten. Zufällig hätte der Top-Mann nachhaltig helfen können. Das hatte er sogar gesagt. Aber der Young Professionel war gerade vollständig im eigenen Film unterwegs, so dass er es überhörte. Später fragte ich den Manager: „Wieso hast du den Tipp nicht wiederholt?“ Die Antwort: „Ich hatte keine große Lust dazu. Einem Menschen zu vermitteln, dass die Kunst des Zuhörens für ihn ein ganz wesentliches Entwicklungsfeld wäre und ich dann, bei offenen Ohren einiges hinein zu flüstern hätte, erschien mir wenig freudvoll.“

Einem Menschen, der nicht zuhören konnte, wo es wichtig gewesen wäre, traute der Manager offenbar ohnehin keine Karriere zu. Ihm die Botschaft hinterher zu tragen, wäre in gewisser Weise ein Widerspruch in sich gewesen.

Wer zuhören kann, lernt besser

Geschlagen ist, wem es an ihr mangelt: Der Kunst des Zuhörens. Zu verpassen gibt es viel, jeden Tag. Tragischerweise passiert uns das allen mal. Zumal der Boden für gewisse Erkenntnisse erst reifen muss.

Wer die Kunst des Zuhörens jedoch grundsätzlich beherrscht, kann überall Top-Tipps abräumen, frei Haus, kostenlos. Sie begegnen uns überall. Häufig in Gestalt von Zwischentönen oder von beiläufig Gesagtem. Manche Sätze stammen von Menschen, die kein Renomée und keinen Status haben. Oder, die einem gar unsympathisch sind. Gerade die Ihnen selbst Unsympathischen können Ihr Weltbild erweitern – denn deren Perspektive ist nahezu identisch mit allem, was für Sie ein „Blinder Fleck“ ist. Als Merksatz formuliert: „Von den größten Arschlöchern kann man am meisten lernen“. Dahinter steckt letztlich ein tiefenpsychologischer Ansatz, den ich im Coaching verwende.

Bessere Zuhörer sind beliebter

Ein weiteres, wichtiges Argument, sich in der Kunst des Zuhörens zu üben, ist: Es macht keine Freude, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die nicht zuhören können. Mich zumindest frustriert es erheblich, wenn beispielsweise auf eine neue Botschaft, die ich sende, mit einer alten Geschichte, die mir schon erzählt wurde, geantwortet wird. Geht es Ihnen ähnlich?

Wenn ja, wird für Sie auch gelten: Die Arbeit mit Menschen, die des aufmerksamen Zuhörens mächtig sind, ist ein außerordentlicher Genuss! Sie werden diese KollegInnen suchen, sich mit ihnen austauschen und gerne gemeinsame Projekte durchführen.

Deshalb: Kultivieren Sie unbedingt die Kunst des Zuhörens. Für Ihre eigene Karriere, wie auch fürs Wohlergehen Ihrer Mitmenschen!

Dazu passt: 5 schlechte Gründe, nicht zuzuhören (mit Tipps, wie Sie erkennen, ob Sie einE guteR / schlechter ZuhörerIn sind.)

2 Kommentare

  • Davon kann ich ein Lied singen. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man mir ins Wort fällt und mir nicht zuhören kann. Ich frage mich dann immer, warum soll ich mich mit diesem Menschen überhaupt unterhalten?!… Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Eigenschaften „zuhören“ und „ausreden lassen“ nicht mehr gegeben sind.

    Schade, wirklich sehr schade.

    Gruß
    Personaldienstleister Köln

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