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09.01.2018 Karriereplanung

Karrierestrategie: Interner oder externer Wechsel?

Beim Stellenwechsel gibt es viele Aspekte zu berücksichtigen. Welche neue Position bringt Sie letztlich weiter? Wie immer Sie einzelne Faktoren gewichten, den grundsätzlichen Unterschied zwischen internem und externem Wechsel sollten Sie kennen.

Stellenwechsel: Viele Faktoren sind zu bedenken

Ob intern oder extern, die wichtigsten Aspekte sind allgemein:

  1. Setzt die neue Position den Berufsweg sinnvoll fort und eröffnet weitere Möglichkeiten für später?
  2. Entspricht die neue Position den eigenen Talenten? Nicht immer mag man das am liebsten, was man am besten kann.
  3. Was taugt das Unternehmen, das die Stelle anbietet? Befindet sich der eigene Laden vorne – oder auf dem absteigenden Ast? Kommt man bei der Alternativstelle nur vom Regen in die Traufe oder eher in eine zukunftsfähige, dynamische Organisation?
  4. Wie steht es um die in Zukunft geforderte Technik und die angewandten Methoden: Mit Perspektive oder veraltet?
  5. Was verspricht die zwischenmenschliche Seite? Unterschätzen Sie nie die Beziehungen – insbesondere zum zukünftigen, direkten Chef bzw. zur Chefin!

Wenn Sie über alle genannten Aspekte nachgedacht und gute Antworten gefunden haben, sind Sie einen wesentlichen Schritt weiter.

Viele fragen sich zudem: Im Unternehmen bleiben oder wechseln? Hier möchte ich auf einen grundsätzlichen Unterschied aufmerksam machen, der zu den bisher genannten Aspekten dazu kommt und den internen vom externen Wechsel grundsätzlich unterscheidet.

Intern oder extern: Unterschiede, Vor- und Nachteile

Im eigenen Unternehmen haben Sie eine Personalakte, einen guten – oder im Einzelfall – schlechten Ruf. In der Folge bleiben Türen verschlossen – oder stehen Ihnen offen. Extern ist das häufig genau anders herum.

Um diesen Aspekt zu berücksichtigen, beantworten Sie sich zunächst die Frage, wie Sie im eigenen Unternehmen angesehen sind. Wie verteilen sich Förderer, Gegner, neutrale Personen? Hat man Ihnen signalisiert, Sie fördern zu wollen? Oder wurden Sie umgekehrt darauf aufmerksam gemacht, dass man bei Ihnen bereits das Äußerste erreicht sieht? Solche Hinweise sollten Sie ernst nehmen.

Explizite Förderer muss man sich erst erarbeiten – oft genug entstehen sie nicht allein durch Leistung, sondern es braucht auch etwas Glück, Menschen für sich begeistern zu können. Dies ist wertvoll – und extern nicht automatisch gegeben. Selbst wenn Sie sich richtig anstrengen. Umgekehrt gilt: Persönliche Karrierebremsen im aktuellen Unternehmen, durch Antipathie oder bestimmte singuläre Fehltritte entstanden, können Sie durch einen externen Wechsel elegant hinter sich lassen.

Ferner gilt es zu bedenken: Auch Konzerne (kleinere Unternehmen sowieso) unterscheiden sich in ihren Gepfolgenheiten, was die möglichen Karrierewege der Mitarbeiter angeht. Manche setzen auf frühe Identifizierung der späteren Führungselite. Nach ein paar Jahren ist relativ klar, wo beim Einzelnen die Grenze gesehen wird – und diese Grenze gilt bis zur Rente. Andere honorieren eher die langjährige Mitarbeit und lassen späte Beförderungen durchaus zu. Wie wird das bei Ihnen gehandhabt?

Bewerben Sie sich extern, zählt nur Ihr Profil, wie es nach außen wirkt. Wenn Sie einen nahmhaften aktuellen Arbeitgeber vorweisen können und alle Papiere für Sie sprechen, wird Ihnen extern der rote Teppich ausgelegt. Und falls man Ihnen beim aktuellen Brötchengeber klipp und klar gemacht hat, dass Sie dort nichts mehr erreichen werden, ist das nach einer erfolgreichen externen Bewerbung noch so aktuell für Sie wie die letzte Eiszeit.

Umgekehrt ebnet Ihnen der aktuelle Arbeitgeber, wenn Sie dort Anerkennung für Ihre Verdienste erfahren haben, den Weg für Positionen, die Sie extern nie und nimmer erreichen würden. Extern sieht man, was Sie laut Berufsqualifikation drauf haben müssten, das wars. Intern kennt man Ihre Persönlichkeit und bisherigen Verdienste. Das eröffnet Wege, die bei externen Personalabteilungen nach einer wilden Querbewegung aussehen würden.

In der Konsequenz ergibt sich, auf diesen Punkt wert zu legen und beides zu bedenken. Nicht nur: Was bietet mir der aktuelle Arbeitgeber Interessantes? Sondern auch: wie wirkt es nach außen, wenn ich den Quereinstieg vollziehe? Der bequeme interne Weg ist nicht unbedingt gut, wenn er von außen nicht nachvollziehbar ist. Das kann nachteilig sein, wenn das Engagement kurz dauert oder Sie sich umorientieren müssen, aber die fünfzig schon deutlich überschritten haben (das konkrete „schwierige“ Alter ist abhängig von Ihrer Qualifikation sowie vom Arbeitsmarkt in Ihrem Feld und in Ihrer Region). Irrelevant dürfte es sein, wenn Sie jünger sind und Sie die neue Position einige Jahre ausüben können. Dann bedeutet die interne Querbewegung im Endeffekt: (Nur) so können Sie sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen und nach ein paar Jahren auf dem Arbeitsmarkt (intern wie extern) behaupten: Diesen Job habe ich jahrelang erfolgreich ausgefüllt!

Am Ende kommt es selbstverständlich immer auf den Einzelfall an. Fragen Sie sich aber grundsätzlich:

Falls Sie letztere Frage mit „ja“ beantworten, ist Ihre Bewerbung chancenreich. Sollte Ihre Antwort aber negativ ausfallen, stehen Ihnen zwei praktikable Wege offen. Erstens: Sie wechseln zunächst intern in die Wunsch-Aufgabe und bewerben sich einige Jahre später extern. Zweitens: Sie benötigen einen Zwischenschritt, eine Position, die der Wunschposition näher ist, um Ihr Ziel zu erreichen. Letzerer Weg kann selbstverständlich auch intern begonnen und extern weiter geführt werden.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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