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11.07.2017 Karriereplanung

Karriereplanung: Ziele als Schutz vor unpassenden Angeboten

Wer selbstbestimmt Karriere machen will, sollte sich vor einem Jobwechsel über seine Ziele klar sein. Warum das wichtig sein kann, zeige ich an einem konkreten Fall.

Jobcoaching im Juli 2017 – und ein Jahr davor

Mein Kunde, Beschäftigter einer Transfergesellschaft, zeigte mir eine Stelle, auf die er sich bewerben wollte. Ich war irritiert, weil ich davon ausgegangen war, dass diese Stelle eigentlich nicht zu seinen Zielen passt. Zum Profil schon, aber nicht zu den Zielen.

Rückblende: Vor einem Jahr, Juli 2016, arbeiteten wir zwei Ziele aus. Genauer gesagt legten wir Eckpunkte dafür fest, welche Stellen zu welchem Zeitpunkt im Jahr 2017 attraktiv sein sollten. Die erwünschte Version A sollte bis 09/2017 gelten, danach kamen gewisse Abstriche davon in Betracht. Im Herbst 2016 begann die Freistellung, zum Januar 2017 vollzog sich der Wechsel in die Transfergesellschaft.

Zurück in den Juli 2017: Ich scrollte zu diesen Ziel-Eckpunkten zurück. Tatsächlich entsprach das fragliche Stellenangebot nicht dem Ziel A. Noch nicht einmal das Ziel B, das erst in zwei Monaten gelten sollte, wäre damit wirklich erreicht worden. Ein klarer Fall?

Vorab-Ziele als Entscheidungshilfe

Wie immer in solchen Situationen ging es nun darum, die vorab definierten Ziele als Entscheidungshilfe zu nutzen, um das Angebot zu bewerten. Konkret ergeben sich zwei Optionen. Entweder die Bewerbung wird nicht geschrieben, weil sie den Zielen nicht entspricht. Oder die Ziele werden angepasst. Beides ist möglich!

Die Zielarbeit vorab ist also nicht dazu da, den entworfenen Plan sklavisch einzuhalten. Die Idee dahinter war, zu einer Zeit, in der ein Geschmack von Arbeitslosigkeit noch nicht in der Luft lag, den gegebenen nüchternen Blick auszunutzen. Der Zeitpunkt (für alle meine Kunden im Projekt), bereits ein halbes Jahr, bevor es sozusagen ernst wurde, einen Karrierefahrplan zu überlegen, war genau richtig.

Das zeigte sich bei einer Kundin: Bei ihr revidierten wir die A-Ziele schon zweimal. Annahmen, die vor einem Jahr galten, erwiesen sich in der Praxis als untauglich. Annahmen über die Zukunft sind naturgemäß fehlerbehaftet – die Offenheit für Veränderung angesichts der Realität muss sein.

Doch im anderen, hier beschriebenen Fall erkannte der Kunde seinen Plan als nach wie vor berechtigt und gültig an. Wir ließen die Bewerbung konsequenterweise ungeschrieben.

„Angebote sind immer gut für den, der sie unterbreitet“

So formulierte es vor Jahren der „Urvater der Karriereberatung“ Heiko Mell. Das passt hier – wie so häufig. Die Folge des Merksatzes von Mell ist: Ob ein Angebot für einen selbst gut ist, muss man für sich selbst bewerten. Denn die eigenen Pläne sind nicht zwangsläufig deckungsgleich mit denen des Arbeitgebers.

Konkret sah das im beschriebenen Fall so aus, dass wir die Idee verwarfen, „sich einfach mal zu bewerben“. Wozu sollte die Bewerbung dienen, wenn man die Stelle doch nicht will? Zumal: Würde die Stelle angetreten, müsste aus Gründen der „CV-Gestaltung“ – der späteren Argumentation gegenüber künftigen Arbeitgebern – zwei bis drei Jahre dort verharrt werden. Und dann, in 2-3 Jahren müsste der Kandidat sich erklären: „Warum haben Sie, statt die in der Transfergesellschaft erworbenen Qualifikationen zu nutzen, diese Stelle angetreten, die eher unterhalb Ihrer früheren (Führungs-) Position angesiedelt war?“ Schwierig!

Das Angebot selbst zu prüfen, hört sich vielleicht trivial an, ist es bei näherem Hinsehen aber nicht so ohne weiteres. Das Tückische der Angebote ist ja, dass man sich zwangsläufig geschmeichelt fühlt.

Das ist so, wenn man sich „einfach mal so bewirbt“ und dann den Job angeboten bekommt. Das wäre in diesem Fall wahrscheinlich gewesen, weil das Profil des Kandidaten, wie gesagt, gepasst hätte. Der Kunde hätte durch das „einfach mal bewerben“ die Gestaltung seiner Karriere in die Hand eines Fremden (der Personalabteilung des möglichen Arbeitgebers) gegeben. Doch HR eines Arbeitgebers ist ja nicht an der Karriere eines Kandidaten interessiert, sondern einfach nur daran, die freie Stelle gut zu besetzen.

Es ist aber auch so, wenn Ihre Chefin Ihnen einen neuen Job anträgt. Etwa mit den Worten: „Wir dachten bei dieser interessanten Aufgabe an Sie. Sie können das!“ Ohne einen Zweifel: Das ist ein Kompliment! Vielleicht auch ein „Verkaufsargument“ der Chefin, aber eben auch ein echtes Kompliment. Denn wenn Sie es nicht könnten – und wenn geeignete andere an jeder Ecke warten würden – wäre man tatsächlich nicht auf Sie zugekommen. Dennoch gilt: Nur weil man Ihnen damit ein Kompliment macht, muss die Stelle noch lange nicht dazu passen, wie Sie sich Ihre berufliche Zukunft vorstellen. Sie müssen hier sozusagen hart zu sich selbst sein: Das Kompliment anerkennen – und der angebotenen Richtung trotzdem nicht folgen.

Karriereziele: So gehen Sie konkret vor

Ziele vor einer Veränderung zu definieren (genauer gesagt, wichtige Eckpunkte für die nächste Stelle festzulegen), kann Sie sehr gut bei der späteren Bewertung von Angeboten unterstützen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  1. Legen Sie Kriterien fest, die Ihnen wichtig sind (etwa: Inhalte der Arbeit, Branche, Region, Gehalt, Arbeitszeiten, Hierarchieposition, Art des Vertrags)
  2. Überlegen Sie Ziel A und Ziel B
  3. Definieren Sie Zeitpunkte, wie lange Ziel A und ab wann Ziel B gelten soll.

Wenn Sie dann später ausgeschriebene Stellen sichten, wenn ein Recruiter mit einem Angebot auf Sie zukommt oder wenn Sie nach einem Vorstellungsgespräch einen konkreten Job angeboten bekommen: Sehen Sie sich die vorab definierten Ziele an. Und entscheiden Sie, ob Sie das Angebot annehmen – oder Ihre Ziele anpassen wollen. Im Idealfall kommen Sie besser weg: Die Offerte passt genau zu Ihren Vorstellungen. Glückwunsch!



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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