Karrieremechanik braucht Kwerkarriere für klare Aussagen

Die meisten Karriereratgeber fahren mit ungebremstem Tempo in Widersprüche hinein. Einer der größten: Nach oben geht es nur durch Anpassung; aber Chefs müssen selber denken. Wie kann man jedoch Kreativität von einem erwarten, der Jahrzehnte lediglich fremde Ideen wiederkäute?

Erste Voraussetzung, das Dilemma aufzulösen, ist, es zu akzeptieren. Die üblichen Ratgeber scheitern bereits hier. Die Botschaft lautet: Willst du aufsteigen, musst du dich im Zweifel anpassen. Und weiter? Nichts! Und damit gilt eben auch, dass für den Grundwiderspruch keine Lösung geboten werden kann.

Also: Augen zukneifen hilft nicht. Es gibt ein Problem. Und dieses lässt sich in einem Bild ausdrücken. Anpassung und eigener Charakter verhalten sich wie heiße Sonne und kühles Eis: Beides zusammen geht nur für eine gewisse Zeit. Wer sich damit begnügt, dass die Sonne einfach die Stärkere ist und letztlich immer gewinnt, wird nie ein kühles Eis genießen können. Es läuft auf lauwarme Brühe hinaus.

Um da heraus zu kommen, müssen wir zu Sonne und Eis etwas Drittes hinzufügen. Beispielsweise einen Kühlschrank. Der Kühlschrank des Kwerkarrieristen besteht im „kwer“, im „wer“ und in der „K“ommunikation. Anders gesagt: Anpassung ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt.

Beispiel: Für ein erfolgreiches Projekt brauche ich zehn Mitarbeiter. Erst durch mein Konzernunabhängiges Denken komme ich auf genau diese Zahl. Der Konzern verlangt, dass ich mit fünfen auskomme. Also überlege ich, ob ich so optimieren kann, dass ich weniger benötige. Ich komme nun auf eine andere Zahl – und zwar eine, die ich für die absolute Untergrenze halte. Sagen wir, diese zweite Zahl ist acht. Damit habe ich glasklar meine Position, mit der ich ins Gespräch gehe. Weniger als genau acht Mitarbeiter sind unmöglich – für dieses Experiment müssen sie sich einen anderen suchen. Dieses Prinzip funktioniert auch mit jedem anderen Konflikt.

Karrieremechanik greift immer. Anpassen ist die erste Mitarbeiterpflicht. Nur deshalb haben so viele Nullen das Kunststück vollbracht, auf Chefsessel zu klettern. Umgekehrt gilt: Viele Charaktere werden (heute noch) von der Karriereleiter gestoßen. Darin liegt der Grundwiderspruch in hierarchischen Unternehmen.

Nur wer das Spannungsfeld zwisschen Nullen und Charakteren, zwischen Sonne und Eis anerkennt, kann kompetente Aussagen zu Karrieren treffen. Nur der kann sich selbst und sein Unternehmen wirklich voran bringen.

2 Kommentare

    • Hallo Tobias,

      natürlich gibt es weiter Infos dazu – im Frühjahr 2012 erscheint ein Buch mit vielen Infos 😉
      Aber vorerst: Was interessiert dich genau?

      Beste Grüße, CB

      Antworten

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