Karriereberatung und psychologische Testverfahren: So mache ich das

DISG, Persolog und viele andere Testverfahren sind so verbreitet, wie unfundiert. Dennoch arbeite ich fast mit allen Kunden auch mit Tests. Wo der Unterschied besteht, wann und wofür Tests Sinn machen, erkläre ich hier.

Wissenschaftliche Standards

Wir bezahlen Forscher an Universitäten, damit sie statt Laien- oder Küchen-Psychologie zu betreiben, mit Systematik und moderner Technik arbeiten. Die Inhaber solcher Forschungsstellen müssen ein Abitur abgelegt und ein mehrjähriges Studium abgeschlossen haben. Solange es keine Jungforscher sind, verfügen sie über mehrjährige Expertise.

Dass dabei nur Sinn- und Wertvolles Wissen geboren wird, bleibt eine schöne Illussion. Ich selbst habe einen nicht unwesentlichen Teil meines Studiums damit zugebracht, den Wissenschaftsbetrieb zu hinterfragen.

Aber ein echtes psychologisches Testverfahren ist kein Klacks. Nichts, was man mal eben so zwischendurch erledigt. Um das zu verdeutlichen: Für den grundlegenden Persönlichkeitstest, der in meiner Praxis Anwendung findet (NEO-PI-R) wurden mehrere Jahrzehnte psychologischer Forschung genutzt. Als dann die ursprüngliche amerikanische Fassung ins Deutsche übersetzt wurde, arbeiteten daran die Teams zweier Professoren zehn Jahre lang. Dabei geht es nicht einfach um eine wortwörtliche Übertragung. Der gesamte kulturelle Kontext muss berücksichtigt werden, um die amerikanischen Erkenntnisse im deutschen Sprachraum nutzen zu können. Fast 12.000 Personen bilden die Grundlage der Eichstichproben. Das alles zusammen kann kein privates Institut oder Unternehmen leisten.

Kombination der Testverfahren

Das von mir grundlegend angewandte Testpaket umfasst:

  • Veränderungsmotivation (Allgemein, und: Was ist wichtig im neuen Job?)
  • allgemeiner Persönlichkeitstest (Kurzform)
  • Berufsinteressen
  • allgemeines Wohlbefinden
  • Beschreibung der Organisationskultur (Traumjob / aktuelle Stelle / deutsche Durchschnittsstelle)

– das alles auf wissenschaftlicher Basis. Sodann: Karriereengagement, Work-Life, Karrieretyp und limbisches Profil – Eigenentwicklungen, weil das sonst nicht verfügbar ist.

Wie Sie sehen, bilden diese Aspekte insgesamt den Kern all dessen ab, was bei einer Karriereberatung von Belang ist. Anders gesagt: Nicht ein Test für alles, sondern mehrere spezifische Tests, die einander ergänzende Aussagen liefern. Insgesamt ergibt sich ein rundes Bild.

Test oder Coaching

Ab und zu setze ich – je nach Fragestellung – ein Testverfahren zum Lebenssinn und zu Lebensbedeutungen ein (“Lebe” genannt). Ein ähnliches Thema lässt sich im Coaching mit einem Werte-Spiel bearbeiten. Was ist der Unterschied? Das Werte-Spiel ist freier und vielfältiger und vielleicht macht es einfach mehr Spaß. Es ist aber unwissenschaftlich: Die Werte habe ich in Kooperation mit Kollegen wie Boris Lamour und Dr. Bernd Slaghuis (danke!) ausgewählt. Keine systematische Überprüfung garantiert, dass wir alles bedacht haben.

Der Lebe liefert dagegen wissenschaftliche Vergleichbarkeit. Etwa zur Frage, ob eine Sinnkrise besteht. Dazu braucht es eine Vergleichsstichprobe. Zumindest dann, wenn nicht mehrere Stunden Zeit zur ausführlichen persönlichen Befragung zur Verfügung stehen.

Welche Lebensbedeutung ist Ihnen wichtig? Die Vorgabe des Tests garantiert, dass alles angeboten wird, was für mehrere hundert andere Menschen wichtig war. Und das Ergebnis zeigt nicht nur persönliche Präferenzen, sondern zusätzlich den Vergleich zu anderen. Eine schöne Erkenntnis im Coaching ist daher beispielsweise: “Guck mal an, mir war schon klar, dass ich Individualist bin. Aber so sehr unterscheide ich mich von anderen? Interessant!” Das ist deswegen häufig erhellend, weil wir uns mit der Zeit Menschen suchen, die uns ähnlich sind. Und irgendwann sind wir nur noch von jenen umgeben, die eine ähnliche Lebenseinstellung mitbringen. Wie weit man sich von anderen Gruppen der Gesellschaft entfernt hat, zeigt der Test diese tolle Erkenntnisquelle!

Testgläubigkeit ist unangebracht

Kein Test kann Ihnen sagen, welcher Beruf der richtige für Sie ist. Aber Hinweise können gute Tests liefern. Kein Persönlichkeitstest kann Ihnen verraten, ob Ihre Karriere an zu wenig Leistungsbereitschaft scheitert. Aber wir können Ihre Leistungsbereitschaft (im ausführlichen NEO-PI-R) als Unterdimension messen und haben dann einen Anhaltspunkt, wo Sie im Vergleich zu anderen stehen (z.B. sagt ein Prozentrang von 98 einiges aus, was den eigenen Ehrgeiz und Anspruch anbelangt – und in der Folge möglicherweise das Verhältnis zu weniger engagierten Kollegen! Nur 2 % sind noch leistungsorientierter!).

Wichtiger Teil der Diskussion zu Testergebnissen ist immer zu fragen, ob denn das Ergebnis so stimmt. Schließlich beschreiben Sie sich in solchens Tests selbst. In der Regel passt es. Zuweilen differenziert ein Kunde sein Ergebnis. Dann korrigiere ich mein Bild von ihm – statt zu behaupten, der Test habe Recht.

Beipiele für Erkenntnisse aus Tests

Hier einige einzelne Beispiele aus tausenden möglicher Aussagen, die ich bei der Testbesprechung treffe:

  • Mit dem Lebe wird dargestellt, wie es um Lebenssinn und -bedeutungen steht. Eine mögliche Aussage könnte z.B.: “Sie verwirklichen nur wenige Lebensbedeutungen, was nicht gut ist, um stabil im Leben zu stehen. ‘Gesundheit’ und ‘Entwicklung’ sind wichtig für Sie. Vielleicht sollten Sie öfter joggen gehen? Und wie wäre es mal mit einem VHS-Seminar zur persönlichen Entwickung? Oder was könnten Sie sonst tun?”
  • “Organisationskultur in Ihrem aktuellen Unternehmen beschreiben Sie stark als durch Unterordnung und Gehorsam gezeichnet. Aber selbst ziehen Sie einen partizipativen Stil vor. Sie sollten beim Jobwechsel darauf achten, sich hier zu verändern. Das deutsche Durchschnittsunternehmen zeigt allerdings in Richtung Ihres aktuellen Arbeitgebers. Wie können wir dahin kommen, einen besseren Job für Sie zu finden?”
  • “Ihr allgemeines Wohlbefinden liegt im bedenklichen Bereich. Hier sollten Sie etwas tun, das schlägt auch auf den Beruf durch.Und es fühlt sich natürlich unangenehm an. Was könnten Sie hier in eigener Sache unternehmen?”
  • Der NEO-PI-R misst so differenziert, dass sich aus den Ergebnissen ein eigener, systematischer Entwicklungskurs für einige Wochen generieren lässt. Eine fantastische Möglichkeit, sich gezielt persönlich weiter zu entwickeln.
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Bild zum obigen Beispiel. Ohne Test (und Vergleichsgruppe) ist so ein klares Ergebnis kaum zu bekommen.

 

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Eine Beschreibung der Organisationskultur in den Aspekten “alter Job”, “Ideal/Wunsch”, “deutsches Durchschnittsunternehmen” hilft entscheidend zur Orientierung, wie der neue Job sein soll (in dieser Darstellung markiert der farbige Punkt die gewünschte Organisationskultur, die Mitte die deutsche Norm).

 

Anwendung mit Sinn und Verstand

Immer finden alle Aussagen und Empfehlungen meinerseits, die auf Testergebnissen beruhen, mit Augenmaß, Sinn und Verstand statt. Worin der ungeheure Vorteil wissenschaftlicher Testverfahren besteht, weiß ich als Diplompsychologe genauso, wie ich die kritischen Hintergründe solcher Verfahren kenne.

Beide Seiten sind nötig, um die Instrumente zum Wohl meiner Kunden und deren Karrieren einzusetzen.

 

Teil 1: Derzeit offline aufgrund juristischer Klärung / Anfechtung
Teil 2: DISG: Persönlichkeitstest oder Kaffeesatz-Leserei?
Teil 3: Die von mir angewandten Testverfahren

Meine Beratungspakete 1-3 und 5 enthalten das beschriebene Testpaket (Paket 4 optional). Trotz hoher Wertigkeit des Testpakets entstehen für Sie keine Zusatzkosten! Lebe und NEO-PI-R könnten in Paket 5 enthalten sein oder werden extra gebucht, ebenso wie beispielsweise der DBK-PG zur Messung der beruflichen Kreativität u.a.)

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