Jobwechsel: Nur urlaubsreif oder Zeit-zu-gehen?

Die Urlaubszeit bietet die Gelegenheit, neue Kraft zu tanken. Wenn Sie die Erholung allzu sehr brauchen, stellt sich allerdings die Frage: Sind Sie bloß urlaubsreif – oder sollten Sie eigentlich den Job wechseln? Ihr Urlaub bringt Ihnen nicht nur die Chance, auszuspannen. Er hilft Ihnen auch, in Ruhe über einen möglichen Jobwechsel nachzudenken.

Stimmt die Passung – Persönlichkeit-Job?

Wenn Sie Ihre Arbeit auf Dauer nicht aushalten, müssen Sie den Arbeitgeber wechseln. Wenn Sie Ihren Job nur machen können, um den Preis, dass Sie sich selbst dabei verbiegen, braucht es einen neuen. Doch wann ist dieser Punkt erreicht? Es geht um den Vergleich zwischen der eigenen Persönlichkeit auf der einen Seite und der Arbeitsstelle auf der anderen. Doch gibt es überhaupt diesen Fixpunkt „ich“, an dem Sie diese Frage ausmessen können?

Ab Ihrem 30. Lebensjahr ist Ihre Persönlichkeit im Wesentlichen stabil. Häufig empfehle ich, einen ausführlichen Persönlichkeitstest (Paketangebote), um die Selbsterkenntnis zu steigern und das Leben adäquat gestalten zu können. Daneben hat die Forschung allerdings gezeigt, dass auch für unser „ich“ der Spruch gilt: „Nichts ist so beständig, wie der Wandel.“ Unsere Umgebung ändert sich – und wir machen mit. Oft, ohne dies zu bemerken.

In der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ von dieser Woche wird das Thema glänzend verhandelt. Die Psychologen-Kollegen Franz Neyer und Judith Lehnart, werden dort mit ihrer Formel zitiert: „Wir ändern uns, weil wir uns den Anforderungen des Lebens anpassen. Und wir bleiben, wer wir sind, weil wir dies auf die uns eigene Art und Weise tun.“ Welch ein wunderschönes Bild!

Wie bemerken Sie aber bei all dem Wandel, wann Sie sich nur noch Ihrem Chef anpassen und sich dabei selbst verlieren?

Die Grenze der Anpassung: Verlust von Resonanz

Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt im Interview (ebenfalls in der aktuellen Zeit) seinen Begriff der „Resonanz“. Damit meint er das Gefühl, mit jemand anderem auf einer Wellenlänge zu schwingen. Von anderen eine Antwort auf sein Handeln zu bekommen. Wesentlich damit verbunden ist die von mir kürzlich im Zusammenhang mit unseren WM-Helden beschriebene Selbstwirksamkeit. Das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können.

Um Resonanz zu fühlen, brauchen Sie nicht unbedingt andere Menschen. Das geht auch, wenn Sie im Meer schwimmen oder in den Bergen wandern. Vielleicht besuchen Sie auch ein Konzert Ihrer Wahl oder angeln am schönsten Platz der Erde? Kurz gesagt: Sie haben im Urlaub die größten Chancen, Resonanz zu empfinden und sich selbst zu spüren. In diesen Momenten fühlen Sie sich vollständig. Sie stehen im Leben, so wie sie sich wohl fühlen. Sie finden Anklang, mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, so wie Sie beschaffen sind.

Jobwechsel: Bleiben oder gehen?

Damit haben Sie Ihren Fixpunkt gefunden. Etwas von dem, was Sie in diesen Augenblicken empfinden, sollte Ihnen im Job möglich sein. Ob das am besten Freund im Unternehmen liegt oder an einem fair bezahlten, sicheren Job oder an klaren Aufgaben und ausreichenden Ressourcen, ist dabei weniger entscheidend. Wichtig ist, dass das Positive ausreicht. Wie lautet also Ihr Fazit beim Vergleich der guten Resonanz-Urlaubserlebnisse und dem Gefühl im Job? Stimmt unter dem Strich die Bilanz (noch)? Bietet Ihr Job noch positiven Stress – oder ist er die meiste Zeit nur noch Qual?

Jetzt, mitten in den Sommerferien, ruht die Arbeit der Unternehmen – sofern es um Personalentscheidungen geht. Die Entscheider sind jetzt kaum an einen Tisch zu bekommen. Zeit also für Sie zur Reflexion. Raum genug, Ihre Situation am Arbeitsplatz zu überdenken. Zu welchem Ergebnis werden Sie wohl kommen?

In zwei Fällen sollten wir uns nach Ihrem Urlaub in meiner Praxis für Karriereberatung treffen. Erstens wenn Ihr Resümee eindeutig negativ ausfällt. Ihr Job ist Qual pur – der Wechsel überfällig. Zweitens dann, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie Ihren aktuellen Job behalten oder besser aufgeben sollten. Denn ein Jobwechsel sollte immer rechtzeitig geplant werden – nie in der Not und nie unter Zeitdruck. So läuft es jedenfalls im Idealfall.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, erholsamen und erkenntnisreichen Jahresurlaub!

Ein Kommentar

  • Da ich schon länger gefrustet und auch gelangweilt in meiner aktuellen Position bin, nin ich durch Zufall auf dieses Forum gestoßen.
    Ich habe mich ohne eine genaue Ursachenforschung auf die Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung begeben. Eigentlich habe ich alles was ich mir „gewünscht“ habe. Eine eigene Familie, zwei wunderbare Kinder, einen sicheren Job, ein Haus,…. nur habe ich eine totale innere Unruhe. Ich fühle mich bei meinem jetzigen Arbeitsplatz nicht mehr gefordert, langweile mich und bin auf dem Weg ein total unmotivierter Arbeitnehmer zu werden. Dies widerspricht aber meine Ureinstellung. Ich bin ein Macher, gehe auch gerne unangenehme Wege und arbeite zielorientiert und ehrgeizig. Ich habe meine Probleme bis zum oberen Management angesprochen, sehne mich nach mehr Verantwortung bzw. nach neuen Herausforderungen. Ich habe im Prinzip meine operativen Aufgaben dahingehen optimiert, dass man „eigentlich“ meinen Arbeitsplatz rationalisieren könnte. Das will man aber intern nicht und hält „noch“ an mir fest. Zudem wurde ein Aktionismus betrieben und mir Haufenweise Projekte zugeteilt, welche mich Inhaltich gar nicht tangieren, wie auch eigentlich kein aktueller Handlungsbedarf vorliegt.

    Lange Rede kurzer Sinn. Sind das wirklich meine Ursachen, oder sehe ich die ganze Thematik zu pragmatisch? Ist der Jobwechsel nicht nur wieder eine Flucht?

    Antworten

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