Ideale (2) – ein idealer Talk war's nicht

Sie können im letzten Beitrag nachlesen, welche großen Erwartungen ich an den Talk Nachtcafé hatte. Der Grund: Das Thema „Ideale – wofür es sich zu kämpfen lohnt“ und die Gäste. Große Erkenntnisse fielen jedoch aus – bzw. werden hier bruchstückhaft nachgeholt.

Es gibt zwei Missverständnisse, unter der die Sendung litt. Das eine betrifft das menschliche Leben. „Wir leben nicht vom Brot allein“, heißt es in der Bibel. Aber: „Wir leben auch nicht von Idealen allein“, ergänze ich hiermit. Soll heißen: Diskussionen ohne Rücksicht darauf, von was wir Essen und Miete zahlen können, bleiben im luftleeren Raum. Alle fliegen für ein Stündchen in der Schwerelosigkeit herum – und müssen dann doch wieder auf den Boden der Realität zurück kommen.

Wo blieb im Talk das Spannungsfeld zwischen Idealen und Brotverdienen? Wer vierzig Stunden im Job rackert, ist vielleicht abends einfach müde. Das spricht nicht gegen die Ideale, aber ist einfach mal zur Kenntnis zu nehmen. Es eröffnet die Frage, wie Ideale praktisch gelebt werden können – die nicht angesprochen wurde.

Das Konfliktfeld zwischen Idealen und dem Machbaren fiel auch dort aus, wo es um politische Fragen ging. Wir leben immer noch in einer politischen Welt, in der die Menschen die Jobsicherheit vor idealistischen Ideen einsortieren – verständlicherweise. Das Interview, das die Journalistin Julia Friedrichs mit Gerhard Schröder zu dessen Idealen führte, wurde zitiert: Ließ Schröder seine Ideale im Köfferchen, als es ans Regieren ging? Bei dieser Frage blieb es. Was fehlte: Scheiterte er an der Realität? War er schlicht zu bequem, Ideale und Realität zusammen zu bekommen? Oder wäre das unmöglich gewesen? Letztere Fragen wurden nicht gestellt.

Zum zweiten Missverständnis: Auch die Psychologie wurde in der Sendung allem Handfesten beraubt. Die Lehre vom menschlichen Erleben und Tun verkürzt, wer den Menschen nicht in seiner konkreten (Arbeits-) Welt aufsucht. Das ist nicht allein das Problem im Nachtcafé gewesen. Es ist weit verbreitet.

Schlagen Sie mal ein x-beliebiges Buch über Kommunikation auf. Finden Sie dort Hinweise, dass gesellschaftliche Verhältnisse schon bestimmen, wer überhaupt mit wem spricht? Nein, es geht gleich dort los, wo zwei miteinander reden. Beispielsweise mit dem 4-Ohren-Modell. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass darin die Machtebene fehlt? Obwohl jeder Mitarbeiter im Unternehmen auf einer bestimmten Hierarchie-Ebene steht. Chef und Mitarbeiter, Frau und Mann, Mutter und Kind, Lehrer und Schüler – alle werden in einen Topf geworfen.

Was bleibt also nach dem Nachtcafé-Talk? Erstens die Erkenntnis, dass der Gast Roger Köppel, Chefredakteur der Weltwoche, ein überzeugter Liberaler, wie er sagte, die falsche Besetzung war, um materielle Fragen anzusprechen. Er wirkte wie eine Karrikatur des Neoliberalen. Zweitens: Es besteht Bedarf zur weiteren Klärung in diesem Blog. Daher: Fortsetzung folgt.

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