"Gute Texte werden nicht geschrieben,…"

“Gute Texte werden nicht geschrieben, sondern aus dem, was man schreibt, herausgeschält.” (C. Burger). Heute erscheint mein neues Buch – ein willkommener Anlass, um hier Druckwerke, Schreiber und Leser in den Blick zu nehmen.

Missverständnis “gute Schreibe”

Eine “gute Schreibe” bieten viele Journalisten an – und leisten damit der Laien-Meinung Vorschub, dass der fertige Text einfach so hingeschrieben wird. Dazu passend: Wenn ich mit Kunden Bewerbungsschreiben überarbeite, höre ich schon mal: “Aber Herr Burger, das haben Sie doch selbst geschrieben, was Sie jetzt kritisieren!” Ja, eben. Ein guter Text wird eben nicht eingetippt und ist dann fertig. Natürlich hat das Endergebnis mit dem Geschick des Autors oder Textberaters zu tun. Die Kritik der eigenen Arbeit ist trotzdem Alltag. Erst am verbesserten Text erkenne ich noch Schwächen, woraufhin ich den Text verbessere. Erst am verbesserten Text erkenne ich noch Schwächen, … usw. Deswegen ist es meist so, dass Texte erarbeitet werden müssen. Die erste Seite meines aktuellen Buches war beispielsweise eine harte Nuss: Sie wurde circa 20 Mal neu geschrieben und ungefähr 100 mal korrigiert.

Kreativität gefragt

Wovon sich Nicht-Texter auch kein Bild machen: Oft ist die Produktion eines Buches mit erheblicher Kreativität verbunden. Auch wenn es nur ein Sachbuch ist, entstehen während der Konzeption und der Textproduktion unzählige Probleme. Das Endprodukt, wenn es Qualität bieten soll, hat diese Probleme nicht mehr – und sie wurden kreativ gelöst. Dem fertigen Werk merkt man das kaum mehr an – denn die Vorversionen sind ja nicht bekannt. Beispielsweise stand als Thema meines ersten Buches früh fest, dass es um die positive Verarbeitung von Ärger gehen sollte. Der Zornkönig als Figur, die sich dann durchs fertige Buch zieht und jeden Absatz prägt, kam erst später dazu. Und auch hier gilt entsprechend: Die Halde mit verworfenen Ideen ist ungleich größer als das Körbchen mit den letztlich auserwählten. Wer nicht nur viele Ideen findet, sondern sie auch gut wieder loslassen kann, ist hier König.

“Ich mach’ ein Buch und werde berühmt…”

“… so wie die Katzenberger.” Diese Vorstellung ist verbreitet: Ein Buch soll die Wende im Leben bringen, eine Glücksexplosion, die einen in ein anderes Leben hinein katapultiert. So geht’s nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Jemand ist berühmt und macht ein Buch (oder lässt ein Buch machen), das sich verkauft, weil er oder sie berühmt ist. Schauen Sie sich mal die aktuelle Bestseller-Liste an und überlegen Sie, welche der Autoren Sie aus Funk und Fernsehen kennen. Und bedenken Sie, was zuerst kam. Bekannte Schauspieler, Politiker, Musiker, IT-Girls, Moderatoren & Co. schreiben Bestseller. Oder lassen diese schreiben! Durch ein Buch erst bekannt zu werden, das ist der Ausnahmefall.

“Ich mach’ ein Buch und werde reich”

Während Prominente über alles schreiben können, solange es nur irgendwie in die Schiene ihrer Prominenz passt, gilt für Unbekannte: Sie dürfen über nichts schreiben, wenn sie kein besonderes Thema haben. Verlage wissen, dass sich Bücher andernfalls nicht verkaufen lassen. Und Verlage leben vom Verkauf von Büchern. Manchmal gibt es so Geschichten, die tatsächlich den Keim eines Bestsellers enthalten. Ich weiß von zwei Fällen. Das eine ist eine Lebensgeschichte, die mir einmal beim Abendessen erzählt wurde. Bestsellerstoff pur: Romantik, Abenteuer, Skandal – und ein gut gehütetes Geheimnis. Das andere ist eine Denk- und Lebenseinstellung, die so radikal,  eigentümlich und aufrührend ist, dass sich Medien und Öffentlichkeit darum reißen würden. Beides wird vermutlich nie publiziert: Die persönlichen Kosten wären zu hoch!

0,3 Prozent der Autoren leben vom Bücherschreiben

Diese Zahl stammt aus der Schweiz und dürfte für die Nachbarländer ebenfalls gelten. Hauptberufliche Autoren verdienen zudem bescheiden: 15.000 Euro Jahreseinkommen geben sie im Mittel bei der Künstlersozialkasse an (Versicherungsanstalt für Künstler). Pro verkauftem Buch bleiben durchschnittlich zwischen 50 Cent (kleines Taschenbuch) und 3 Euro (Hardcover) beim Autor. Ein realistischer Betrag: Kostet ein Buch 20 Euro gehen davon 1,40 Euro als Mehrwertsteuer an den Staat (der natürlich später noch weitere Einnahmen über andere Steuern, wie Einkommenssteuer etc. erzielen wird). Ziehen wir nun noch den Betrag ab, der beim Buchhandel bleibt, gibt es nur noch unter 10 Euro zu verteilen. Davon muss die Buchproduktion (Druck, Papier) bezahlt werden. Ferner ist ein Grafiker beteiligt, ein externer Lektor, der Verlag mit Verleger, internem Lektor, Marketing-Leuten, Verlagsvertreter (vor Erscheinen beim Buchhandel unterwegs) und anderen. Wer besser vom Bücherschreiben leben will, schreibt als Ghostwriter für Promis. Wie oben beschrieben: Der Autorenname ist im Verkauf ein Pfund. Viele Bücher Prominenter sind daher nicht von ihnen geschrieben, sondern von unbekannten “Geistern”. Eine andere Art, besser von Büchern zu leben, sind Aufträge von Verlagen. Journalisten können sie erhalten und arbeiten auch hier zu ordentlichen Festpreisen. Dennoch: Ein wirklich gutes Einkommen kann so selten erzielt werden.

“Und, wie verkauft sich dein Buch?”

Das werde ich von Freunden und Verwandten immer wieder gefragt. Zugrunde liegt ein Missverständnis: Die Güte eines Buchtextes hat mit dem Buchabsatz relativ wenig zu tun.  Erwähnt wurden schon die Promis, deren Name verkauft. Aber grundsätzlich ist nicht der Autor, sondern der Verlag für den Verkauf zuständig. Es funktioniert so: Ein Verlag erwirbt bei einem Autor einen Text und sorgt für dessen Verkauf an die Leser (oder auch nicht). Autor oder Autorin können zwar ebenfalls viel tun, damit der Absatz stimmt. Medien kontaktieren, Vorträge halten, per Netzwerk werben etc. etc. aber all das hat mit der Güte des Textes nichts zu tun. Beruhigend ist immerhin: In letzter Konsequenz lässt sich der Verkauf nicht vorher absehen. Spannend fand ich folgende Aussage eines Insiders: Selbst mit dem größten Werberummel des größten Verlags für das neue Werk eines bekannten Weltbestseller-Autors lässt sich die Auflage auf höchstens 70.000 Stück (deutscher Sprachraum) hochschrauben, wenn das Publikum das Werk nicht mag. Die durchschnittliche verkaufte Auflage pro Buch liegt übrigens bei 2.500 Stück. Das heißt: Wer als Autor letztlich 5.000 Euro mit einem Buch einnimmt, liegt schon erheblich über dem Schnitt.

Lob des Schreibens

Ganz ehrlich: Mein neues Buch war eine ungeheure Anstrengung. Beim dargestellten finanziellen Rahmen muss die Schriftsteller-Tätigkeit nebenher laufen. Ein Sachbuch der vorliegenden Qualität ist ein Riesenhaufen Arbeit. Beispielsweise beschreite ich völlig neue Wege indem ich die alte Ansicht “Ziel setzen und hart dafür kämpfen = Erfolg” umkehre zu: “Charakter ergründen, Leitsterne bestimmen, Ziel eingrenzen = äußerer Erfolg und innere Zufriedenheit”. Als Pate und Orientierungspunkt funktionieren dazu einige andere Vordenker. Aber wie stelle ich deren abstrakte Gedanken so zusammen, dass sie als eingängige Einheit lesbar werden? Zugleich steckt in diesem Kampf das Glück des Autors. Ich bin kein Promi-Ghost und kein Journalist, der im Auftrag anderer Themen abarbeitet. Nichts gegen die Leistungen von Ghostwritern und journalistischen Buchautoren! Aber ich genieße die Art, wie ich meine Bücher mache. Ich denke mir ein Thema aus, kämpfe mit Stoff, Materie und Worten und am Ende kommt ein fertiges Buch heraus. Und ich liebe gute Bücher!

Danke!

Nun noch ein Dank an die großartige Redakteurin (externe Lektorin) Cornelia Rüping, die  erheblichen Anteil an der Qualität des fertigen Textproduktes hat. Ferner natürlich an die Leute vom Linde-Verlag. Namentlich genannt seien Dr. Mennel, der die Idee gut fand, Frau Weiglhöfer, die die Fäden zusammen hielt, Frau Brozek und Herr Jentzsch von der Marketing- und Presseseite und Frau von Bomhard für viele Gespräche mit Buchhändlern. Ob das Werk in Ihrem Buchladen liegt, wurde meist schon entschieden. Eine verkaufsentscheidende Bedingung, die schon vor dem heutigen ersten Verkaufstag durch ist! Nun kommen die Entscheidungen der Medienvertreter und der Leser und Leserinnen. Ich bin gespannt! Last but not least: Vielen Dank an meine Familie, ohne deren Geduld und Verständnis dieses Buch nie geschrieben worden wäre. Meinen LeserInnen wünsche ich viel Spaß und viele Erkenntnisse – ich freue mich auf Ihre Reaktion! Denn das ist eines der größten Gewinne der AutorenInnen: Die Reaktion ihrer Leser und Leserinnen!

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