Porträt Christoph Burger
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14.03.2016 Karriere mit Charakter

Ganz unten bei den Menschen – Nachlese zur Landtagswahl

Fünf Grundregeln des Sich-Verkaufens offenbarten die Ergebnisse der drei Landtagswahlen dieses Wochenende.

1.) Persönlichkeit gewinnt

Die Wahlanalysen zeigen klar, dass Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz und Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg die Erfolgsfaktoren ihrer Parteien bei diesen Wahlen waren. Dreyer (SPD) drehte eine Pro-CDU-Stimmung im Land auf den letzten Metern und holte 36 Prozent für die SPD – während die Partei in den anderen Bundesländern bei 11 bzw. 13 Prozent dümpelt. Kretschmann kommt auf die höchsten Beliebtheitswerte eines Ministerpräsidenten im Ländle in den letzten Jahrzehnten und bescherte den Grünen einen nie dagewesenen Wahlerfolg.

Noch drastischer wird die Aussage unterlegt, wenn man sich anschaut, wie wenig Menschen in Baden-Württemberg den CDU-Gegenkandidaten Wolf als Ministerpräsidenten sehen wollten: 17 Prozent nach einer Umfrage kurz vor der Wahl. Und das bei einem Wahlergebnis von rund 30 Prozent für die CDU – ein desaströser persönlicher Wert! Schließlich sollte Wolf eigentlich die allermeisten seiner CDU-Stimmen und einige aus FDP- und anderen Kreisen bekommen, da es ja bei dieser Frage nur zwei Personen zur Auswahl gab, keine zehn Parteien.

Für die Karriere gilt: Persönlichkeit darf sein!

2.) Authentische Ecken und Kanten kommen an

Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz und Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg sind die dominierenden Politiker-Persönlichkeiten der drei am Wochenende gewählten Bundesländer. Beide haben reichlich Ecken und Kanten und waren, so meine ich, gerade deshalb erfolgreich. Wenn Malu Dreyer lacht, sticht sie aus der Reihe. Sie lacht laut, statt dezent. Aber man spürt, dass sie ganz bei sich ist. Sie wohnt in einem Wohnprojekt, hat MS. Kretschmann zuzuhören ist schon ein Erlebnis für sich – man hört eine alte Eiche sprechen und knarzen. Aber sie knurrt authentisch.

Für die Karrie heißt das: Trauen Sie sich, Ihre Persönlichkeit zu zeigen.

3.) Vermarktung muss authentisch sein

Zu Kretschmanns Vermarktung macht sein enger Mitarbeiter, der viel erprobte Grünen-Kampagnenmanager und derzeitige Regierungssprecher Rudi Hoogvliet klar: Auf die Dauer könne man niemand gegen den Strich vermarkten. „Je länger ich im Geschäft bin, desto weniger halte ich da von Taktik.“ zitiert ihn heute die Tageszeitung. Dies heißt ausdrücklich nicht, dass man bei einer Kampagne darauf verzichten sollte, die eigenen Ecken und Kanten zu betonen, wenn sie denn ankommen. Das schließt eine geschickte Vermarktung durchaus ein und ist nicht nur erlaubt, sondern geboten.

Deshalb heißt es auch in der Karriereberatung: Zunächst die Persönlichkeit erforschen, dann über deren Darstellung („Verkauf“) sprechen. Die Karriere der Persönlichkeit anpassen, denn umgekehrt geht es nicht.

4.) Persönlichkeit kommt von innen

Der CDU-Spitzen-Kandidat in Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff legte ein akzeptables Ergebnis vor. Davon schwärmen muss man aber ebenso wenig, wie man sagen kann, dass seine Persönlichkeit positiv hervorstechen würde. Hierbei spielt für mich die Rhetorik im Sinne von „ähs und hms“ keine Rolle. Rethorik bedeutet aber nicht nur „gut reden“, sondern auch „Gutes reden“.

Letzteres bietet die größere – und entscheidende – Fallhöhe. So sagte Haseloff gestern in einem Interview, er müsse mit seinen Mitstreitern daran arbeiten, dass die Themen und Inhalte „ganz unten bei den Menschen ankommen“. Hallo? Oben sind keine Menschen? Und wie fühlt man sich als Zuhörer, der als „Mensch ganz unten“ bezeichnet wird? (er redete nicht von Unterschicht, sondern allgemein). Und wie wäre eigentlich die Idee, dass sich Menschen am besten auf gleicher Augenhöhe begegnen?

Mein Eindruck: Haseloff hat einfach dieses Verständnis des „Menschen sind gleich“ nicht. Und da hilft kein Rhetorik-Trainer, der nur auf die Ausdrucksweise eingeht. Das Problem ist das Denken Herrn Haseloffs, sein Selbstverständnis und wie er die Welt sieht. Wenn er seiner Ansicht nach zur Elite „ganz oben“ gehört, wird es schwer, dementsprechende Sätze zurück zu halten!

Ähnlich verhält es sich bei Frau Klöckner. Nach der Wahl sagte sie in jedes sich bietende Mikrofon und wiederholte dies auch heute noch bei der Pressekonferenz mit der Bundeskanzlerin: Wir hatten zwei Wahlziele, eines haben wir erreicht, rot-grün hat keine Mehrheit mehr. Ja, richtig, Frau Klöckner. Aber doch nur, weil die AFD zweistellig ins Parlament einzieht! Sich über den Verlust der Regierungsmehrheit zu freuen, ohne zugleich den Preis zu bedenken, der dafür zu zahlen ist, sagt wiederum viel über das Selbstverständnis der Kandidatin aus. Es ist ihr wichtiger, nicht als Verliererin, sondern Teil-Siegerin dazustehen, als alles oder vieles andere. Auf solche Sätze („ein Wahlziel erreich, eines nicht“) kommt man nur, wenn man die dazu passende Einstellung zu den Dingen hat.

So ist das auch im Video-Training zum Vorstellungs- oder Personalgespräch: Wer mit der falschen Einstellung ins Gespräch geht, dem rutschen hinterher die falschen Sätze raus. Wenn mir so etwas auffällt, spreche ich es an und rede über den Inhalt und die Einstellung. Ein „sagen Sie dies nicht“ genügt nicht – die Begründung, warum es nicht gesagt werden sollte, muss dazu treten. Dann kann der Mensch seine Einstellung überdenken und es besser machen – andernfalls nicht.

5.) Persönlichkeit setzt sich auf Dauer durch

Wer seine Ecken und Kanten behält und sich nicht verbiegen lässt, wird seine Beliebtheit behalten.

Die Karriereforschung sagt, dass sich Taktieren und Schleimen kurzfristig lohnen kann, aber nicht langfristig durchsetzt.

Machen Sie Kwer-Karriere

Zusammenfassend beinhaltet das von mir vertretene Karriere-Konzept zunächst das „wer„, die Selbsterkenntnis. Welches sind Ihre Ecken und Kanten? Sodann durchaus ein „quer„: Originelles Denken und Problemlösen. Und das „K“ für die Kommunikation: Wenn Sie wissen, wer Sie sind, was Sie wollen und wie Sie vorgehen möchten: Kommunizieren Sie richtig und mit Bedacht! Egal, ob Sie ein Anschreiben formulieren oder sich aufs Personal- oder Vorstellungsgespräch vorbereiten. Der Kommunikationsmanager von Kretschmann macht es vor: Das Anderssein darf ruhig betont werden, ja muss es häufig sogar, um sich unmissvertändlich mitzuteilen. Unverzichtbar bleibt, dass die präsentierten Eigenarten auch wirklich vorhanden sind.

Dazu passt das vorbildliche Umgehen mit Schwächen von CDU-Mann Peter Altmaier.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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