Fachkräftemangel? Ein selbst gemachter Skandal!

Seit einigen Jahren wird der drohende Fachkräftemangel laut beklagt. An vorderster Front finden sich dabei Arbeitgeberverbände wie der VDI. Nun stellt sich heraus, dass viele Arbeitgeber ihre Hausaufgaben nicht machen: Damit schaffen sie selbst das, was sie beklagen.

Die ganze bittere Wahrheit

Eine aktuelle Studie untersucht, wie viele Ausbildungsstellen bereit gestellt wurden. Und wie viele besetzt wurden. Das Ergebnis ist bitter. 2012 wurden 2,2 Prozent weniger Stellen besetzt als im Vorjahr. Und in denselben Vergleichsjahren wurden 2,4 Prozent weniger Ausbildungsstellen angeboten. Die Prognose für 2013 erschreckt noch mehr: Die Verfasser der Studie erwarten einen weiteren Rückgang um 3 Prozent! Mit einem solchen Verhalten führen die Arbeitgeber ihr Gejammer um den Fachkräftemangel ad absurdum. Sie schaffen ihn selbst!

Demografie ist unser Schicksal

Droht ein Fachkräftemangel denn überhaupt? Nachdem der Begriff einige Zeit über als politischer Kampfbegriff durch die Medien geisterte, stellte das anerkannte IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) hier klar: Wir werden mit einem dramatischen Rückgang des „Erwerbspersonenpotentials“ zu tun bekommen. Einfacher ausgedrückt: In Deutschland werden immer Weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter sein. Wenn Maschinen mehr übernehmen oder Arbeiten ins Ausland verlagert werden, könnten wir mit einem blauen Auge davon kommen. Fachkräftemangel gäbe es dann, wie heute schon, nur in  einzelnen Branchen und Professionen. Sehr wahrscheinlich wird die Not sich jedoch ausbreiten, da kaum ein Kraut gegen die demografische Entwicklung gewachsen ist (zum Arbeitsmarkt der Zukunft erfahren Sie hier mehr). Insgesamt spricht das alles um so mehr dafür, dass die Unternehmen ausreichend Nachwuchs auszubilden!

Kämpfende Personalabteilungen

Neulich saß ich mit der Personalabteilung eines rennommierten Unternehmens zusammen. Dabei wurde deutlich: Erstens: Die HR-ler kämpfen mitunter Jahr für Jahr mit dem übrigen Management darum, weiter so viel ausbilden zu können, wie bisher. Zweitens: Absolventen brauchen eine Chance! In der Tat, die Unternehmen müssen den Trend umkehren, möglichst ausschließlich perfektes Personal einzustellen. Wer von der Uni kommt, hat nunmal keine Berufserfahrung! Eine weitere Unsitte findet sich auch immer wieder. Da sind Mitarbeiter, die sich auf eigene Initiative hin weiterbilden und z.B. einen Berufsabschluss erlangen. Wenn sie dann in der Personalabteilung um eine qualifiziertere Arbeit nachsuchen, werden sie abschlägig beschieden. Auch so hebt man sich die Fachkräftegrube weiter aus.

Die Generation Y und ihr Anspruch

Natürlich klagen Unternehmen berechtigterweise darüber, dass viele Bewerber um Ausbildungsstellen kaum rechnen und schreiben können. Sicher, hier muss etwas getan werden. Unter anderem können die Unternehmen selbst mit Nachhilfe unterstützen. Aber ja, das ist trotzdem ein Problem, um das sich auch andere (als die Arbeitgeber) kümmern müssen. Von einem Azubi höre ich dann allerdings folgende Geschichte: In einem geschlagenen Jahr Ausbildung bei einer Großbäckerei hat er nichts anderes gelernt, als Brezeln zu drehen. Warum? Das war seine Aufgabe. Ein Jahr lang!

Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die Generation Y, also diejenigen, die heute eine Ausbildungsstelle suchen, sich mit solcherlei anspruchsloser Arbeit nicht begnügen wird. Sicherlich sind manche junge Leute zu verwöhnt und meinen zuweilen, sich nur die Rosinen herauspicken zu können. Dennoch und obwohl beides in der Backstube passiert: Vom Rosinen herauspicken zu einem Jahr Brezel drehen ist ein weiter Weg. Das ergibt unterwegs viel Spielraum für Unternehmen, etwas in ihrem Ausbildungsmanagement zu verbessern.

Mein Fazit zur aktuellen Studie: Den Rückgang der Ausbildungen halte ich für einen Skandal.

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