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14.03.2013 Karriereplanung

Ausbildung oder arbeitslos? Eine Grafik. Ein Plädoyer.

Jeder, der professionell Arbeitssuchende unterstützt, ist äußerst froh, wenn eine abgeschlossene Ausbildung vorhanden ist. Die Chancen auf einen guten Job sind viel besser und es gibt andere, unschätzbare Vorteile. Eine aktuelle Grafik zeigt eindrucksvoll, wie der Arbeitsmarkt hierzulande funktioniert – und wie er alle diejenigen mit zu wenig Bildung zunehmend ausschließt.

Ausbildung oder arbeitslos

Urheber dieser Grafik ist das IAB, das Institut, welches hinter der Arbeitsagentur steht. Es versorgt diese Behörde, die Öffentlichkeit und alle Interessierten mit soliden Daten zum Arbeitsmarkt, zur Bildung und zur Karriere. Im aktuellen Kurzbericht des Instituts findet sich eine schlichte Grafik, die weithin bekannt werden sollte. Sie weist Lehrer, Schüler, Eltern und Arbeitssuchende eindrücklich darauf hin, dass sie in ihre Weiterbildung investieren sollten.

Sie sehen in dieser Grafik (Link zum IAB-Kurzbericht) zum einen, wie die Arbeitslosigkeit sich in Deutschland insgesamt entwickelt hat (schwarze Kurve). Seit dem deutschen Wirtschaftswunder in den 1950er-Jahren bis zur ersten Ölkrise 1973 gab es keine Arbeitslosigkeit. Dann erst nahm sie zu. Mit der zweiten Ölkrise 1980, mit der Wiedervereinigung 1989. Dann jeweils Boom- und Rezessionsphasen. (Genaueres dazu, speziell zum Arbeitsmarkt der Zukunft, können Sie hier lesen).

Zum anderen zeigt die Grafik die überragende Bedeutung der Bildung. Die obere orangefarbige Kurve zeigt die Arbeitslosigkeit jener ohne Berufsausbildung. Der Abstand zu den anderen Gruppen nahm immer mehr zu. Und die absolute Höhe der Arbeitslosigkeit derjenigen ohne Berufsausbildung liegt heute bei erschreckenden 20 Prozent! Je älter Sie werden, desto problematischer ist es, keine Ausbildung zu besitzen (lesen Sie hierzu: „Hilfe, ich bin zu alt für den Arbeitsmarkt.“ Tipps für Ihre Bewerbungsstrategie. ).

Jeder Jugendliche sollte sich dieser Zusammenhänge bewusst sein. Alle Eltern sollten sich darum kümmern. Betriebe sollten ausbilden und Ausbilder wie Auszubildende sich um eine gelingende Zusammenarbeit bemühen. Wenn Jjim Clifton, der CEO von Gallup, Recht hat, geht es hier sogar um eine Frage der Nation insgesamt. In seinem Buch „Der Kampf um die Arbeitsplätze von Morgen“, 2012 auf deutsch erschienen, hat er nachvollziehbar argumentiert: Die Qualität der Arbeitsplätze eines Landes entscheidet seine Zukunft mehr als alles andere.

Bildungsrendite

Der Vorteil, den Bildung bietet, erlebt jeder an sich selbst. Der Genuss von Kultur, die erhöhte Lebensqualität, das Vorhandensein einer Perspektive sind hier zu nennen. Darüber hinaus kümmerten sich Forscher auch um die Frage: Bemerkt man bessere Bildung im Geldbeutel?

Die Antwort ist „ja“! Berechnungen dazu werden unter dem Begriff „Bildungsrendite“ erfasst. Das IAB gelangt hier für Deutschland und Österreich auf Werte um 5 Prozent Rendite. Wenn Sie das in Euros übertragen, kommen hier im Verlauf eines Arbeitslebens leicht hunderttausend zusammen. Je nachdem, wie die Wissenschaftler bei ihren Berechnungen vorgehen – hier gibt es kein eindeutiges Verfahren – kann sich auch ein höherer Wert ergeben. Wikipedia zitiert die OECD, die auf einen Wert von 6 bis 10 Prozent für Deutschland kommt. Das bedeutet: Die Bildungsrendite liegt höher, als alles, was Sie auf dem Kapitalmarkt erlösen können. Egal ob Sie in Aktien, in Gold oder Windpark-Beteiligungen investieren: Die Bildungsrendite schlägt alles!

Bildung ermöglicht Bildung

Dramatisch ist dabei: Wer in seinem Leben keine Bildungs-Basis gelegt hat, hat nichts, worauf er aufbauen kann. Auf brüchigem Deutsch lässt sich keine Umschulung zum Kaufmann errichten. Eine Stufe höher gilt entsprechend: Weiterbildungen für Kaufleute oder Mechaniker z.B. in SAP oder CNC sind nur sinnvoll, wenn der Grundberuf bereits vorliegt und ausgeübt wurde.

So kommt es zu einer paradoxen Situation. Denjenigen, die noch kaum etwas können und Weiterbildung daher am dringensten bräuchten, kann man kaum helfen. Jene dagegen, die als Akademiker schon viel mitbringen, könnte man dagegen ohne Limit schulen. Die Englisch-Kenntnisse können ausgefeilt, Projektmanagement-Tools ausgebaut, EDV-Kenntnisse perfektioniert werden. Das alles ist sinnvoll, weil die Basis überall da ist. Sorgen Sie daher, wo immer es geht, für Ihre Aus- und Weiterbildung. Natürlich sollte, was Sie tun, zu Ihrer Persönlichkeit und zum Arbeitsmarkt passen. Die Frage ist aber immer nur: Was soll ich tun? Klar ist immer, dass Sie etwas tun sollten.

 

Teilen Sie diesen Artikel: Die Grafik des IAB sollte möglichst vielen Menschen bekannt werden!

Lesen Sie demnächst hier mehr zur konkreten Suche nach Weiterbildungen.

Lesen Sie demnächst hier mehr zu dem, wie sich Unternehmen zur Ausbildung verhalten.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

Kommentare zu diesem Beitrag

Lars Hahn  |   14. März 2013 um 19:10 Uhr

Ohne Bildung geht nichts. Genau! Es ist ja sogar erwiesen, dass bereits im Kindergarten die Weichen gestellt werden. Spätestens ohne Berufsausbildung oder mit abgebrochenem Studium sieht’s aber finster aus. Da wir uns bestimmt auf lebenslanges Lernen gewöhnen dürfen (tu ich sowieso), ist ein guter Start wichtig.
Wir bilden ja in der LVQ Fach- und Führungskräfte weiter. Also diejenigen, die sowieso haben. Finde ich aber richtig, denn gut qualifizierte Führungskräfte und Akademiker werden ihre Mitarbeiter mitziehen, die weniger gut qualifiziert sind und Plätze frei machen für diejenigen, die noch mehr lernen dürfen.
Allerdings entbindet das nicht davon, mehr Unqualifizierte mit Schul- und Berufsabschlüssen auszustatten.
Motivation ist dabei jedoch ein Zauberwort!

Christoph Burger  |   15. März 2013 um 09:14 Uhr

Hallo Lars,

danke für deinen Kommentar! Stichwort Kindergarten: Klar, es fängt sogar schon ab der Zeugung an. Wer schon durch Giftstoffe geschädigt zru Welt kommt, wird es schwer haben. Wer dann als Kleinkind mehr Fernseh-Konsum als Liebe bekommt, hat geringe Chancen usw. Aber das ufert zu sehr aus, um es in einen Artikel zu der Grafik zu pressen.
Gegen das Engagement der LVQ und anderer Bildungsanbieter spricht natürlich überhaupt nichts, auch nicht bei Konzentration auf Fach- und Führungskräfte. Jeder braucht sein Profil und sollte seine Stärken ausbauen.
100% Zustimmung der verstärkten Ausbildung der Unterqualifizierten. Ja. Wobei hier die Motivation die Grenze aufzeigt (die wiederum von Kind auf aufgebaut wurde. Wer vor dem Fernseher aufwuchs, hat nicht gelernt, dass aktives Tun angezeigt ist).
Gerade für die Motivation von Lehrern, Eltern, Kindern habe ich diesen Post geschrieben. Ich hoffe, dass viele LeserInnen sagen „arbeitslos werden will ich nicht“ und ein paar davon die Konsequenzen ziehen. Für sich selbst, für die Erziehung, für den Kampf an der Schule.

Beste Grüße,

Christoph

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