Soll ich promovieren? Jedenfalls nicht plagiieren! Weitere Tipps für Ihre Entscheidung.

Während der Fall Schavans die Promotion in alle Munde bringt, stellen sich täglich Absolventen die Frage: Soll ich promovieren? „Jedenfalls nicht plagiieren“, könnte man – passend zur 5. Jahreszeit – kalauern. Doch schon als Guttenberg die Medien füllte, hatte ich behauptet: Wir alle sind Guttenberg. Also: Wenn, dann selbst und ehrlich. Aber sollen Sie überhaupt promovieren?

Ein paar Vergleiche

Eine Promotion kann sein, wie …

… eine Zeitbombe: Siehe Herr Guttenberg, Frau Schavan, Frau Koch-Mehrin und andere. Die berühmte „Leiche im Keller“ wäre ein anderes Bild, das hier passt. Ein gekaufter oder erschummelter Titel ist aus meiner Sicht selbstverständlich zu vermeiden. Vor allem für die, die Charakter zeigen.

… ein Klotz am Bein. Sie beginnen mit Ihrer Promotion und stoßen mit der Zeit auf immer mehr Probleme. Das ganze zieht sich lang und länger. Einfach aufgeben geht jetzt immer weniger, denn Sie haben schon so viel Zeit und Aufwand investiert. Die Gründe für solches Missgeschick reichen von Ihrer schlechten Planung über die unzureichende Betreuung bis hin zu den Tücken der Materie oder Ihrem wissenschaftlichen Ehrgeiz.

… eine Pubertätsverlängerung. Manch einer oder eine hat promoviert, um zunächst einmal nicht ins „richtige“ Berufsleben wechseln zu müssen. Andere promovieren, um nicht als einziges der Geschwister ohne Titel dazustehen oder wegen der Minderwertigkeits-Komplexe, die sie vom Vater geerbt haben.

… ein großes Glück. Sie leben Ihre Leidenschaft, sich richtig in ein Thema zu vertiefen. Sie reifen als Mensch und profitieren Ihr Leben lang von dieser Erfahrung. Sie erlernen das wissenschaftliche Arbeiten und stellen Ihr weiteres Berufsleben dadurch auf solide Füße.

… eine Eintrittskarte. Die Hochschulkarriere verlangt in der Regel die Promotion. Ähnlich sieht es mit Stellen in Forschungseinrichtungen aus. In den Entwicklungsabteilungen von Konzernen geht es je nach Fach gar nicht ohne Promotion. Vorträge lassen sich durch Doktoren leichter verkaufen, Termine mit wichtigen Größen einfacher erlangen. Plätze in seriösen Talk-Shows, in Verlagsprogrammen oder in Bildungswerken können Sie als Doktor/in eleganter erobern. Gleiches gilt beispielsweise für eine Fachhochschulprofessur: Promotion plus Praxis in der Industrie wären hier gut.

Sind Sie nun eingestimmt auf unser Thema? Dann will ich Ihnen die folgenden Leserfragen beantworten.

Wozu qualifiziert in Deutschland ein Doktortitel?

Unter dem Punkt „Eintrittskarte“ sind einige wichtige Stellen genannt, die Sie nur oder praktisch nur als DoktorIn bekommen. Sehen Sie sich die Stellenangebote an. Forschungsstellen für Chemiker oder Physiker setzen meist die Promotion voraus. In diesen Fachrichtungen bekommen Sie die meisten der vorhandenen Jobs nur mit Titel.

Wo aber zwei Drittel eines Jahrgangs promovieren, strahlt dies noch viel weiter aus. Es etabliert einen Standard, den man am besten nicht unterlaufen sollte.

Dementsprechend können Sie sich leicht vorstellen, dass auch ein Chemiker, der Wissenschafts-Journalist werden will, von den Kollegen ohne das akademische Anhängsel schwer akzeptiert wird. Auch ein Mediziner, der populäre Wissenschaftsbücher veröffentlichen will, wird ohne Titel kaum gelesen werden. Eine Lektorratsstelle oder ein Arbeitsplatz im Gesundheitsministerium bleiben für ungeschmückte Akademiker schwer zugäglich.

Was sagt ein Doktortitel über einen Bewerber aus?

In Fächern, in denen zwei Drittel der Absolventen promovieren, sagt die Promotion nichts über die Persönlichkeit aus. Eine weitere Überlegung lässt sich anstellen, wenn man das Thema der Arbeit unter die Lupe nimmt. Hat ein Kunsthistoriker eine iberische Stadtkirche zum Gegenstand seiner Dissertation erkoren und sich fünf Jahre daran aufgehalten, liegt der Verdacht der Pubertätsverlängerung nahe. Er wusste nichts mit sich anzufangen. Während der Pharmazeut, der in zwei Jahren ein relevantes Thema bearbeitet und erfolgreich zu Ende bringt, sich für eine steile Industriekarriere in Position bringt, hat der spätpubertäre Kunstfreund ein kräftiges Karrierehindernis errichtet.

Im günstigsten Fall kommen „großes Glück“ und „Eintrittskarte“ zusammen. Die Promotion dient dann nicht nur der Erlangung persönlicher Reife, sondern ebnet auch noch den Karriereweg.

Wird ein Doktortitel in der Wirtschaft gern gesehen?

Die meisten Unternehmen schmücken sich gerne mit Promovierten. Sie lassen sich den Titel dann auch einige Gehaltsprozent kosten. Wer sich die Promotionszeit vom Munde abgespart hat, muss dieses Geld allerdings erst einmal wieder herein holen. Anders bei jenen, die eine volle Stelle an der Universität bekleiden durften. Sie machen häufig allein durch die Promotion einige zehntausend Euro gegenüber den Diplomierten gut – wenn man ihr Lebenszeit-Gehalt ermittelt.

Außerdem sei noch auf einen wichtigen Unterschied hingewiesen. Wer nach der Promotion in die Industrie will, hat die Auszeichnung für eine Forschungs- und Entwicklungskarriere nötig. Im Vertrieb könnte sie dagegen eher ein Hindernis sein.

Die Promotion zwischen Privileg und Wissenschaftssklaverei

Wer sich die Dissertation als Angestellter einer Universität aus der Staatskasse bezahlen lässt, genießt im günstigsten Fall ein großes Privileg. Die Promovierenden dürfen sich einem Thema ihrer Wahl mit Engagement widmen. Sie bekommen ihre Lesezeit und das Spinnen kreativer Ideen vom Staat bezahlt. Wunderbar.

Manche Promovierenden empfinden ihre Zeit an der Uni jedoch völlig anders. Der betreuende Lehrstuhl suchte praktische Sklaven, die den Ruhm des Lehrstuhl-Inhabers mehren. Die Mitarbeiter werden im Grunde als bessere Hilfswissenschaftler benutzt. Daneben dürfen sie lästige Lehrveranstaltungen übernehmen und dem Herrn Professor so den Rücken freihalten.

Ob man letzteres riskieren möchte, hängt von den konkreten Rahmenbedingungen ab. Baggert der Betreuer einen erfahrungsgemäß so mit Arbeit zu, dass man an der eigenen Promotion quasi nur noch nach Feierabend und am Wochenende werkeln kann? Der Effekt ist hohe Frustration und eine um fünf Jahre verlängerte Universitätszeit, die kaum etwas einbrachte. Statt weiter zu kommen, hat man die eigene Karriere schon jetzt in den Keller gefahren. Fünf Jahre älter – das heißt hier schon eine Menge. Es wird nun viel schwieriger, überhaupt eine Anfangsstelle zu bekommen. Kommilitonen, die kürzer und gezielter promoviert haben oder direkt ins Unternehmen gewechselt sind, sind derweil schon im ersten Führungsjob angelangt.

Ihre Entscheidung pro oder contra

Um Ihre Entscheidung pro oder contra eine Promotion zu treffen:

1.) Prüfen Sie Ihre inneren Beweggründe. Können Sie die Pubertätsverlängerung ausschließen?
2.) Messen Sie Ihre Entscheidung auch an möglichen Berufszielen. Wer für die Forschung brennt, wird promovieren. Verkäufertypen können sich getrost in die Praxis aufmachen.
3.) Informieren Sie sich über die konkreten Bedingungen in Ihrem Fach und am bevorzugten Lehrstuhl. Sammeln Sie Meinungen von Promovierenden ein, ebenso von älteren Bekannten, die die Universität schon einige Jahre verlassen haben: Wie sehen diese ihre Entscheidung pro oder contra im Rückblick?

Heute berichtet auch Zeit-Online zum Thema.

6 Kommentare

  • Habe mit Interesse Ihre Ausführungen gelesen. Vielen Dank Herr Burger!

    zu 1) Die Pubertätsverlängerung kann ich bei meinem Alter ausschließen 😉
    zu 2) Berufsziel: Habe mich im Moment fürs Schreiben eines Buches entschieden anstelle Promotion
    zu 3) Uni Bedingungen: MBA ist schneller zu erreichen und praxisorientierter

    Wenn ich mich irgendwann noch zur Promotion entscheiden sollte, dann wäre es die Verwirklichung eines Kindheitstraumes. Also doch Pubertätsverlängerung???

    Beste Grüße,
    Barbara Simonsen MBA

    Antworten
    • Guten Tag Frau Simonsen,

      danke für Ihren Kommentar!
      MBA oder Promotion – das ist nun wieder eine ganz andere Frage.
      Wenn Sie irgendwann Ihren Kindheitstraum leben – warum nicht? Sie wissen ja, wenn Sie das so schreiben, dass es ein Kindheitstraum ist. D.h. mit allen Konsequenzen für oder wider.

      Danke nochmals & Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten
  • Kurz nach 12….also Mahlzeit, Herr Burger!

    Vielen Dank für diesen Artikel und die Beantwortung der Fragen! Ich hatte mir ja auch schon Gedanken gemacht. Durch Ihre Zusammenfassung und die Anleitung zur Entscheidungshilfe kommt endlich mal ein bisschen Licht ins Dunkel der vielen Doktortitel-Diskussionen.

    Danke!

    Beste Grüße von der Ostsee
    Christoph Krelle

    Antworten
    • Hallo Herr Krelle,

      danke für Ihre Fragen – so macht bloggen Spaß 😉

      Beste Grüße sendet und die richtige Entscheidung wünscht

      Christoph Burger

      Antworten
  • Hallo Herr Burger,

    Danke für den interessanten Artikel, der mir auch persönlich ein paar Denkanstöße gegeben hat!

    Sie schreiben „Im Vertrieb könnte sie dagegen eher ein Hindernis sein.“ Denken Sie das ist auch der Fall für den Vertrieb von sehr spezialisierten, erklärungsbedürftigen Produkten bzw. Dienstleistungen oder solchen mit starkem Bezug zu Forschung und Entwicklung? Mir fallen da beispielsweise hochspezialisierte Softwarelösungen oder psychologische Testverfahren ein. Hier kann ich mir vorstellen, dass der Titel auch im Vertrieb Tür und Tor öffnet.

    Beste Grüße
    Carolin Krahmer

    Antworten
    • Hallo Frau Krahmer,

      danke für Ihren Kommentar!

      Sie haben völlig Recht mit Ihrer Differenzierung. Ihre Beispiele sind gut.

      Ein anderes Beispiel, das ich gerne benutze, ist der Vertrieb von Medizintechnik: CT- oder MRT-Geräte. Verhandlungen mit Chefärzten. Da wird deutlich, dass man auch einen bestimmten, eher ruhigen Menschentyp braucht, kein eher extrovertierter Dampf-in-allen-Gassen, der viele andere Vertriebsbereiche erfolgreich bearbeiten kann.

      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten

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