Charakter, Fußball und die Frage: Wer ist schuld?

Am Samstag gab es ein interessantes Derby in der Bundesliga, an dessen Ende eine völlig unterschiedliche Schuldzuschreibung der Trainer stand. Ein Musterstück der Schuldfrage – aus Sicht der Karriereberatung.

Zwei Niederlagen in einem Spiel

Fünf Spieltage vor Ende der Bundesliga-Saison ist die Situation im Tabellenkeller dramatisch. Es ist so eng, dass noch kein Absteiger feststeht und fast alle Mannschaften, um die es geht, spielen noch gegeneinander. So auch die beiden baden-württembergischen Clubs VFB Stuttgart und SC Freiburg. Schwaben gegen Baden.

Der Spielverlauf: In der ersten Halbzeit spielt der VFB überlegen und führt 2:0. In der zweiten Hälfte schwimmen Stuttgart plötzlich die Felle weg und Freiburg drückt: Am Ende steht es 2:2. Ein Ergebnis, das im Spiel um die Millionen keinem so richtig weiter hilft. Für VFB-Trainer Stevens natürlich eine gefühlte Niederlage. Der „Knurrer von Kerkrade“ ist noch missmutiger als sonst. Aber auch Christian Streich, das Trainer-Unicum aus Freiburg, hadert mit dem Ergebnis.

Wer trägt die Verantwortung?

Beide Coachs sind sich einig in ihrer Unzufriedenheit insbesondere mit einer Hälfte des Spiels – wenn sie auch verschiedene Hälften gut fanden. Diametral entgegengesetzt sehen sie jedoch die Verantwortung für das unzulängliche Ergebnis. Stevens erklärt schon auf der Pressekonferenz, dass er die Spieler gewarnt habe, diese aber nicht hören wollten. Auch auf mehrmalige Nachfragen von Journalisten gibt er keine Details preis, wie genau er zu seinen Warnungen kam. „Man konnte es sehen“ – orakelt er nur. Auch am nächsten Tag bleibt er dabei. Fazit: Die Spieler sind schuld.

Umgekehrt übernimmt Christian Streich schon in der Pressekonferenz die Verantwortung für die schlechte Hälfte seiner Mannschaft. Auch er bleibt noch am Sonntag dabei, er habe die Spieler falsch eingestellt. In der sonntäglichen Analyse-Sendung des Ländles werden zwei Fußball-Trainer mit A-Lizenz, der eine in Stuttgart angestellt, der andere lange aktiv bei Freiburg, gefragt, was denn nun die richtige Trainer-Haltung sei.

Die richtige Trainer-Haltung in der Schuldfrage

Die Antworten fallen naturgemäß so aus, dass keiner dem eigenen Trainer in den Rücken fällt. Eine Mischung aus Ausweichen und Rückenstärken kommt dabei heraus. Ein wenig scheint mir indessen der Wunsch der Journalisten zu bestehen, die Diskussion möge ergeben, man solle zu seiner Verantwortung stehen. Das scheint doch sympathischer. Doch was ist richtig?

Bei genauerem Hinsehen ergibt sich zweifelsfrei: Die Frage ist falsch gestellt. Es ist eine entweder-oder-Frage ohne Ansehen der Person. In Freiburg ist die Vereinsphilosophie durchzogen vom Kollektiv-Gedanken. Jede und jeder übernimmt maximale Eigenverantwortung. Und Streich ist der perfekte Trainer für den Verein. In der Gegend aufgewachsen, lange Jungendtrainer beim SC, bis in die Haarspitzen passt er hierher.

Aber Huub Stevens ist ein völlig anderer Typ. Er kommt aus Holland und hat schon viele Vereine trainiert. Häufig wurde er als Retter geholt, so auch hier. Der Hauptstadt-Club hat ganz andere finanzielle Möglichkeiten, wie Freiburg. Die Zugehörigkeit zur zweiten Liga ist schon Jahrzehnte her, es steht, so gesehen, viel mehr auf dem Spiel. Typische Kommentare auf der Freiburger Tribüne sind selbstironisch. In der Stuttgarter Arena herrscht dagegen der Wunsch vor, zu dominieren.

Bei allen Unterschieden zwischen den Vereinen ist jedoch ein Punkt entscheidend: Die Trainer sind unterschiedliche Charaktere. Ihre Handlungsweisen müssen zu ihnen als Person passen. Und genau das ist es, was 100-prozentig für die Karriere eines jeden gilt.

Zu fragen ist: Wie handle ich so, dass es zu mir passt? Fragen, die nach einer immer und überall richtigen Handlungsweise fragen und die handelnden Personen nicht berücksichtigen, sind zu kurz gegriffen. Ob das in den Trainer-Lehrgängen zur Sprache kommt?

Ich selbst würde als Trainer besser ins Freiburger Gefüge passen. Aber wenn ich Huub Stevens wäre, wäre ich ein anderer Typ. Und dann hätte ich anders zu entscheiden.

 

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