Porträt Christoph Burger
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30.01.2018 Bewerbung Karriereplanung

Bewerbung: Wenn Kandidaten zu viel können – warum Sie ein scharfes Profil brauchen

Eine typische Karrierefalle lauert da, wo sie niemand vermutet: Jemand kann zu viel. Wenn Sie in Ihrem Job gut sind, fällt das auf und Sie bekommen weitere Aufgaben zugeordnet. Manchmal werden die Aufträge der Chefetage immer bunter. Am Ende können Sie vieles halb. Aber selbst, wenn Sie es ganz könnten wäre das Problem: Eierlegende Wollmilchsäue verkaufen sich gar nicht so gut, wie allgemein vermutet wird.

Universaltalente verkaufen sich nicht gut

Es gibt Menschen, denen gelingt so ziemlich alles. Beispiele gefällig? Ursprünglich Geschichtswissenschaftlerin, Einstieg in den Journalismus. Fototalent, Bildbearbeitung, computeraffin. Was ist so jemand? Texterin? Fotografin? IT-lerin? Klar, die Redaktion nahm alle Qualifikationen gerne an. Aber wie geht so etwas auf dem Markt? Schwierig! Weil es sich schlecht einordnen lässt.

Ein anderes Beispiel: Wirtschaftswissenschaftler, Einsätze im Rechnungswesen, IT-Migrationen, Führungskraft der ersten Ebene, Projektmanagement international – alles, was so anfiel, die klassische Allzweckwaffe der Vorgesetzten. Tolle Qualifikationen, keine Frage. Aber als was verkauft man dieses buntbegabte Genie? Auf der Ebene der Bürokauffleute gibt es die Allgemeinkraft als eingeführten Begriff. Sie managt das Büro eines kleineren Handwerksbetriebs alleine. Aber auf Akademiker-Ebene?

Spitzen Sie Ihr Profil zu

Bei der Karriereplanung sollten Sie entsprechend bedenken, für welche Aufgaben Sie sich einspannen lassen. Gehen Sie nicht zu sehr in die Breite, sondern bilden Sie auch eine Spitze aus. So könnte sich die Journalistin auf eines der Felder fokussieren und hier gezielt weiter bilden. Da IT-Kenntnisse grundsätzlich gefragt sind, würde sich eine Vertiefung der Kenntnisse hier vermutlich am ehesten lohnen. Doch Vorsicht: Entscheiden Sie sich erst nach einer gründlichen Marktrecherche für eine konkrete Weiterbildung. Insbesondere wäre hier zu klären, welchem Programm die Zukunft gehört und ob Ihre Kenntnisse ausreichen, um mit speziell dafür ausgebildeten Fachleuten mitzuhalten. Zwischen „kann auch programmieren“ und professionelle „Programmiererin“ spannt sich ein weiter Bogen.

Beim Wirtschaftswissenschaftler gibt es einen patenten Ausweg: Den Aufstieg. Je höher Sie steigen, desto mehr ist ein breiter Backround von Vorteil. Schließlich gilt es in vielen Bereichen, eine gewisse Sachkenntnis einzubringen. Immer wichtiger werden dazu Führungskompetenzen, Projektmanagement und Psychologie.

Grundsätzlich muss der gewählte Weg sowohl marktgerecht sein, als auch zu den eigenen Vorlieben passen. Wer sich nicht leidenschaftlich in eine Programmiertätigkeit vertiefen mag, für den ist der Job nichts. Und zwar ganz unabhängig davon, was der Markt dazu sagt. Für die Verbindung von IT-affin und Kommunikationsgeschick würde das Profil des IT-Beraters passen. Ähnliches gilt für den BWLer: Wer nicht auf höherer Ebene führen kann oder will muss einen anderen Weg für sich finden. Beispielsweise das (Multi-) Projektmanagement (ohne disziplinarische Personalverantwortung).

Warum sich Universaltalente nicht verkaufen

In jedem Fall muss Ihre Bewerbung nach außen eine Spitze aufweisen. Um Ihnen eine Idee dieser Spitze zu geben, betrachten wir kurz das Beispiel der Mercedes-S-Klasse. Bei deren Entwicklung wurde das Fahrzeug im Gelände mit Jeeps verglichen, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Rennwagen, d.h. jeweils mit Spezialisten-Autos (nur interessanterweise nicht mit den Top-Spritsparern). Das Ergebnis am Ende ist beeindruckend: Die S-Klasse kann alles, bis aufs Spritsparen. Aber als erstes – die Spitze – wird das Fahrzeug als ungeheure Nobelkarosse begriffen. Der Rest ist da, aber wartet im Hintergrund auf genaue Betrachtung.

Sie benötigen also eine Spitze, aber was tun, wenn Sie die gar nicht so schnell herbekommen, wie Sie einen neuen Job brauchen?

Keine Sorge, auch hierfür gibt es eine Lösung: Die Anpassung der Bewerbungsunterlagen. Dies ist hier keine Kosmetik, denn Ihre Kompetenzen sind ja vorhanden. Da Sie vieles können, geht es darum, das Entscheidende hervorzuheben. Sie müssen nur eines tun; Sie müssen sich überwinden, das andere in den Hintergrund treten zu lassen! Unterdrücken Sie den Impuls „ja, aber ich kann doch auch ….“. Schön für Sie, aber hindern Sie Ihre Bewerbung durch die Komplettierung nicht daran zu wirken. Das genau machen Sie nämlich, wenn Sie unbedingt alle Kompetenzen in der ersten Reihe parken wollen. Für die Empfänger wird es einfach nur unübersichtlich, v.a. in Anbetracht der Tatsache, dass sie doch „nur xy“ suchen.

Wenn Sie mir nicht glauben, hilft Ihnen vielleicht eine Analyse des Stellenmarktes. Sie werden dabei entdecken, dass praktisch keine „Allround-Talente“ gesucht werden. Wonach fahnden die Unternehmen stattdessen? Vielleicht Pressesprecher, Öffentlichkeitsarbeiter, IT-Projektmanager? Wenn Sie diese Jobtitel wiederholt lesen, haben Sie Ihre Überschriften gefunden. Werden Sie also das eine ODER das andere (auch wenn Sie eigentlich alles könnten). Welche Kompetenzen Sie jeweils herausstreichen sollten, sehen Sie in den Anforderungen der Stellenofferten.

Halten sie sich bei der Darstellung Ihres Profils an diese Angaben und machen Sie klar, dass Sie genau das mitbringen. Die ganzen übrigen Fähigkeiten packen Sie dagegen in die zweite Reihe. Wenn die Personalentscheider im Lebenslauf oder im hinteren Teil Ihres Bewerberprofils ZUSÄTZLICH zu den gesuchten Stärken weitere Fähigkeiten entdecken, wird sie das freuen. Jetzt bringt Ihr umfangreiches Profil Pluspunkte, statt zu verwirren.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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