Porträt Christoph Burger
Xing-Symbol Twitter-Symbol Facebook-Symbol Symbol RSS-Feed
02.11.2016 Bewerbung

„Sie wollen doch nicht etwa bei uns arbeiten?“

„Auf meine Bewerbung habe ich eine Absage bekommen, aber die Stelle ist noch ausgeschrieben. Was bedeutet das?“ Eine berechtigte Frage. Die Antwort zeigt auf, wie viele Personalabteilungen funktionieren.

Stellen, die scheinbar nicht besetzt werden

Bei nicht wenigen Unternehmen gibt es Stellenangebots-Dauerbrenner. Die Offerten verschwinden einfach nicht aus den Jobangeboten. Als qualifizierter Kandidat, sagen Sie sich, dass sie dort gute Chancen haben müssten. Ja, offenbar hat man nur auf Sie gewartet. Doch dann bekommen Sie eine Absage. Grund? Unklar. Dem Schreiben ist – wie üblich! – nichts Substanzielles zu entnehmen. Vermutlich hat sich doch noch ein besserer Kandidat gefunden? Und dann folgt die Überaschung: Die Stelle bleibt ausgeschrieben! Wie könnte so eine Konstellation, die in der Praxis gar nicht so selten anzutreffen ist, zustande kommen?

Alltag in der Personalabteilung

Man könnte vermuten: Die allgemeine Verdichtung der Arbeitszeit hat auch die Personalabteilungen erfasst. Es ist zu wenig Zeit für zu viel Arbeit. Da müssen Löhne berechnet, Vertretungen organisiert, Boni zugeordnet, Arbeitszeugnisse geschrieben, Arbeitsverträge angefertigt, Abmahnungen behandelt, Seminare abgerechnet werden und vieles mehr.

Das Ergebnis im vorliegenden Fall: HR spart sich die Mühe, die Stellenangebote aktuell zu halten. Wenn man „immer mal“ jemand mit einer solchen Qualifikation benötigt, wird die Stelle ausgeschrieben und bleibt die Stelle ausgeschrieben. Ganz egal ob jetzt gerade eine entsprechende Vakanz vorliegt oder nicht.

Soziologie des Personalers

Kolleginnen und Kollegen, deren Geschäft es ist, Personalmitarbeiter zu beraten, sprechen allerdings häufig von einem ganz anderen Grund. Die meisten Mitarbeiter der HR sind sozial geprägt, engagierte Menschen mit Stärken in der Verwaltung und in der Kommunikation und Organisation. Was sie jedoch nicht sind: Verkäufer. In der heutigen Zeit sollten sie ihre Stelle aber immer als Verkaufsjob verstehen. Denn Talente sind rar und der Schlüssel für die Geschäfte von morgen. Sie müssen daher ihr Unternehmen jedem Interessierten schmackhaft machen.

Verkäufer-Personaler würden keine nichtssagende Absage schreiben und die Stelle online lassen. Stattdessen würden sie dem Kandidaten vermitteln, dass

Dies wären in etwa die Punkte, die Verkäufer-Personaler mitteilen würden. Und vielleicht würden sie sogar darüber hinaus gehen und ein unverbindliches Gespräch anbieten, um als Unternehmen besser in Erinnerung zu bleiben. Möglich, dass sie den Kontakt zu Ihnen mittels weiterer Angebote – Einladungen zu Firmen-Events o.ä. – aktiv aufrecht erhalten.

Dies alles unterbleibt aber in aller Regel. Stattdessen erhalten Sie ein lapidares Absageschreiben, das so ziemlich alle möglichen Fragen offen lässt. Aus Zeitgründen, wie oben beschrieben – oder wegen der soziologischen Verortung der HR-Mitarbeiter als Nicht-Verkäufer.

Eine Absage, die nichts mit Ihnen zu tun hat

Kandidaten, die auf ihre Bewerbung eine Absage erhalten, beziehen diese in der Regel auf sich. Wahrscheinlich hatten aus Sie das so gemacht. Doch wie so häufig hat auch die Absage im beschriebenen Fall nichts mit Ihnen zu tun. Weder mit Ihrer Qualifikation, noch Person, noch dem Design Ihrer Unterlagen, noch der Qualität Ihrer Zeugnisse oder der Art Ihrer Berufserfahrung.

Den hier ausführlich geschilderten Fall können Sie auf weitere Erlebnisse – insbesondere negative – Ihrer Bewerberkarriere übertragen. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Sie aus nicht nachvollziehbaren Gründen eine Absage kassieren. Sie sollten zwar darüber nachdenken, ob Sie doch hinter das Rätsel kommen und es vielleicht etwas mit Ihnen zu tun hat und veränderbar ist. Oft ist dies jedoch nicht der Fall. Dann setzen Sie einfach darauf, dass es beim nächsten Versuch besser wird. Es gelten die Tipps:

Sie können übrigens beruhigt sein: Wenn es dringend wird und in den Unternehmen „Land unter“ ist, wird man auf Ihre Bewerbung ganz anders reagieren. Garantiert. Dann heißt es: „Prima, dass Sie bei uns arbeiten wollen!“

Weiterlesen? 11 Absagen, die nichts mit Ihnen zu tun haben

 



Tags:
Porträt Christoph Burger

Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

Schreiben Sie einen Kommentar!

Ich bin damit einverstanden, dass meine Daten zur Speicherung des Kommentars vearbeitet werden. Weitere Informationen und Widerrufshinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.
* Pflichtfeld / ** Wird nicht veröffentlicht!